The Lazarus Effect (Oder: Grüße aus dem Jenseits)

71i45O0KyTL._SL1181_Jahr: 2015
Regie:David Gelb
Laufzeit: 83 Minuten
Budget: 3,3 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Die Medizin macht ja immer wieder erstaunliche Fortschritte. Neue Methoden zur Diagnostik, revolutionäre Operationsverfahren, hochspezifische Medikamente. Doch was die Forschergruppe um Frank Walton (Mark Duplass) und Zoe McConnell (Olivia Wilde) bei ihrer Arbeit entdeckt hat, übersteigt alles zuvor Dagewesene. Diese haben ein Serum entwickelt, welches eigentlich Komapatienten helfen sollte wieder zu erwachen, jedoch zu wesentlich mehr in der Lage ist – nämlich kürzlich Verstorbene wieder ins Reich der Lebenden zu holen. Mit Hilfe dieses Serums war es den Forschern bereits möglich einen toten Hund zu reanimieren, der sich nach der Behandlung jedoch reichlich eigenartig verhält. Als die moralisch eher fragwürdigen Experimente dann durch die Universität gestoppt werden sollen, sind die Forscher erpicht darauf ihre Arbeit weiter fortzusetzen. Hierbei kommt es zu einem folgenschweren Unfall, bei dem Zoe durch einen Stromschlag getötet wird. Es kommt nun, wie es kommen muss. Frank kommt auf die Idee das experimentelle Serum an seiner Verlobten auszuprobieren, in der Hoffnung auch sie von den Toten auferstehen zu lassen (Lazarus lässt grüßen). Entgegen der Erwartungen erwacht Zoe tatsächlich wieder, jedoch kommt sie nicht als der Mensch zurück, der einige Stunden zuvor gestorben war.

Die Meinung:

Ein Leben nach dem Tod? „The Lazarus Effect“, von dem noch eher unbeschriebenen Blatt David Gelb, behandelt genau dieses Thema und stößt dabei unfreiwillig in die Untiefen von Philosophie und Religion. Das dies von einem 83-minütigem Horrorfilm nicht adäquat aufgearbeitet werden kann ist klar, dennoch machte der Trailer bei mir Lust auf mehr. Und tatsächlich beginnt der Film mit einem stimmungsvollen ersten Drittel. Die Grundidee wird in Kürze angerissen, die Charaktere eingeführt, erste moralisch fragwürdige Experimente durchgeführt… Doch dann klappt das Filmkonstrukt in sich zusammen, wobei der Film zunehmend öder und beliebiger wird. Warum?

Was „The Lazarus Effect“ vor allem fehlt sind handfeste gruselige Szenen und eine entsprechende Spannung. Obendrein legt der Film auch ein nur mäßiges Tempo auf, wobei im Keim aufflammendes Interesse von mir rasch wieder abebbte. Der Film plätschert den Großteil seiner Laufzeit recht öde vor sich hin, wobei erschwerend hinzukommt, dass beinahe sämtliche Szenen im Labor spielen. Das sich die Zahl der visuellen Effekte in engen Grenzen hält, kann dem doch sehr moderaten Budget angelastet werden. Doch auch mit wenig Geld in der Hand, hätte man mehr Grusel erzeugen können. Kurzum: Dem Horrorfilm mangelt es schlichtweg an Horror. Kein gutes Zeichen.

Wie auch ein Großteil seiner Kollegen im Genre, hat auch „The Lazarus Effect“ klare Mängel in seiner Handlung. Zwar versucht der Film die Mordlust seiner Protagonisten zu erklären, als eine Mischung aus frühkindlichem Trauma und dem möglichen Aufenthalt in einer wie auch immer gearteten Hölle. Doch eine genauere Erklärung, was denn nun mit Zoe während ihrer Stunden des Todes geschah bleibt offen und somit auch die Motivation, warum denn nun alle Forscherkollegen das Zeitliche segnen müssen. Da hilft auch das reichlich verquere Finale nicht, welches für mich nur mehr Fragezeichen erzeugte, als dass diese aufgelöst wurden.

Generell bedient sich „The Lazarus Effect“ leider von ganz unten aus der Kiste mit angestaubten Plotelementen. So ist es beinahe als nostalgisch zu sehen, dass hier wieder einmal die gute alte Theorie Verwendung findet, dass der Mensch nur zehn Prozent seines Gehirns nutzt. Und, oh weh, was alles Schlimmes passiert, sollte er auf einmal mehr oder gar alles nutzen können. Von Telekinese bis Gedankenlesen. Hier ist wieder einmal alles dabei. Vielleicht war das irgendwann einmal eine spannende Idee, aber in der x-ten Iteration hierzu einfach nur noch dröge.

Nun, „The Lazarus Effect“ ist ein ziemlich enttäuschender Film, dessen Trailer eigentlich Lust auf mehr gemacht hat. Schade, denn die Idee an sich ist durchaus spannend, wenn auch nicht brandneu. Was den Film noch einigermaßen konsumierbar machte sind seine handwerklichen guten Bilder und zumindest das Protagonisten-Duo macht schauspielerisch eine passable Figur. Doch hat „The Lazarus Effect“ als Horror-Film vor allem ein Problem. Er ist weder spannend noch unheimlich. Und damit muss man David Gelbs Werk leider die Existenzberechtigung absprechen.

Das Fazit (für Lesefaule):

Puh.. „The Lazarus Effect“ ist leider eine ziemlich enttäuschende Nummer geworden. Dabei hat der Film durchaus eine interessante Grundidee, aus der man viel hätte machen können. Tatsächlich ist das erste Drittel des Films auch durchaus brauchbar und baut eine schöne Spannung auf. Doch wird der Film seiner eigenen Idee nicht gerecht, verzettelt sich in seiner Geschichte und ist vor allem ziemlich langweilig. Denn mangelt es dem Film an wirklich spannenden, gruseligen oder sonst wie interessanten Szenen. Das mag zwar an seinem eher bescheidenen Budget liegen, doch hätte ich mehr erwartet als ein paar maue jump scares. Sicherlich könnte man noch über die fehlenden Effekte hinwegsehen, doch auch auf der inhaltlichen Ebene macht „The Lazarus Effect“ nur wenig Spaß. So ist das Drehbuch durchsetzt von Standardelementen, völlig vorhersehbaren Wendungen und einer nicht funktionierenden Auflösung der Handlung. Gähn. Nein, wahrlich kein Film des Genres, den man gesehen haben muss.

 

Wertung:

3.5

Trailer:

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Inside Out (Oder: Diese Stimmen in meinem Kopf…)

81PumGvlubL._SL1500_Jahr: 2015
Deutscher Titel: Alles steht Kopf
Regie: Pete Docter
Laufzeit: 94 Minuten
Budget: 175 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Hachja.. Kind sein. Damals hatte man es noch einfach. Kein nerviger Job, keine Rechnungen, keine Einkommenssteuererklärung. Doch ganz so einfach ist es nicht. So auch für die 11-jährige Riley, die mit ihren Eltern aus dem ländlichen Minnesota ins städtische San Francisco zieht. Mit allen Konsequenzen, die ein solcher Umzug mit sich bringt. Verlust der Freunde, der bekannten Umgebung und mit den üblichen familiären Streitigkeiten. Das könnte ein ziemliches Gefühlschaos nach sich ziehen? Allerdings! Denn die Gefühle, repräsentiert durch fünf Charaktere in Rileys Kopf – Freude, Kummer, Angst, Ekel und Wut – sind in heller Aufregung. Diese steuern aus einer Art Leitwarte Rileys Gefühlswelt und somit die Interaktion mit ihrer Außenwelt. Nun ist gerade in einer solchen Situation die Freude eine nicht unwichtige Emotion. Doch genau diese ist momentan leider abkömmlich, da sich Freude und Kummer durch einen Unfall aus der Leitwarte ausgeschlossen haben. Die übrigen drei Gefühle bleiben zurück und versuchen ihr Bestes Riley durch diese Lebenskrise zu bringen, was sich aber nicht gerade als einfach erweist. Währenddessen sind Freude und Kummer in den Untiefen von Rileys Geist unterwegs und suchen einen Weg zurück, bevor alles… Kopf steht!

Die Meinung:

Eigentlich bin ich ja nicht unbedingt ein Fan und Pixar und ihren Animationsfilmen. Nicht, dass mir diese generell nicht gefallen, aber irgendwie stehen Animationsfilme selten ganz oben auf meiner Liste-der-noch-anzuschauenden-Filme. Doch als ich von der Grundidee von „Inside Out“ las, war ich sofort mehr als interessiert. Gefühle als Charaktere steuern aus einer Art Zentrale das Leben der Protagonisten? Also dann, wie macht sich nun der neuste Streich aus dem Hause Pixar?

Gut. Toll. Großartig. „Inside Out“ hat meine Erwartungen sogar noch übertroffen. Es ist wirklich erstaunlich, was Pete Docter und seine Drehbuchkollegen an Ideen in den Film packen konnte, ohne ihn zu überfrachten oder für Kinder unschaubar zu machen. Was haben wir alles? Neben der eigentlichen Geschichte geht es vor allem darum, wie Gefühle unser Leben auf der untersten, basalen Ebene beeinflussen. Dabei geht es nicht nur um unsere momentane Gefühlswelt, sondern auch darum, wie frühere Gefühle unsere wichtigsten Erinnerungen beeinflussten und damit auch unser Wesen bestimmen. Ganz nebenbei kommen dann auch noch Themen wie Erinnerungs- und Persönlichkeitsbildung zum Tragen. Zur Erinnerung: Wir reden hier über einen Pixar Film. Toll!

Toll vor allem, weil der Film lockerleicht seine 94 Minuten herunterspielt. Hierbei dürfte sowohl Kind, als auch Erwachsener gut unterhalten sein und keinen mit diesen doch happigen Themen überfordern. Für die jüngeren Zuschauer sind alle notwendigen Ingredienzien vorhanden, wie lustige Slapstick-Einlagen oder spannende Actionszenen. Und auch für den älteren Zuschauer dürften sich viele der Fragen erst nach dem Abspann stellen, wenn vielleicht 1-2 Tage ins Land gegangen sind. Bei mir jedenfalls gären die Szenen geistig immer noch vor sich hin und bieten noch reichlich Stoff zum Philosophieren über den Menschen und dessen Gefühlswelt.

Tja.. kann man sich bei „Inside Out“ überhaupt beschweren? Nun, es ist und bleibt ein Kinderfilm von Pixar. Und ein solcher Pixar-Film folgt nun einmal dem üblichen Muster. Exposition, zur Einführung der Charaktere. Aufbau der Geschichte. Emotionaler Tiefpunkt. Umschwenken ins Erfreuliche. Happy End. Hier kann ich „Inside Out“ keinen wirklichen Strick draus drehen, da dies einfach der typische Ablauf einer Kinderfilmhandlung ist – ich wüsste auch nicht, wie man es anders machen sollte. Doch irgendwie empfand ich dieses Standardmuster (wieder einmal) als beliebig.

Wenn mich eins wirklich genervt hat, dann war es der Vorfilm „Lava“. Der hat zwar im engeren Sinne nichts mit „Inside Out“ zu tun… aber! Das lief bei mir deutlich über der Schamschwelle… und ich war hier beileibe nicht der einzige im Kinosaal.

Doch wenn ich ein Fazit ziehe, kann ich Pixar und Pete Docter nur gratulieren. „Inside Out“ ist ein großartiger Film geworden. Vielleicht nicht wegen seiner Geschichte, aber umso mehr für die Leichtigkeit äußerst anspruchsvolle Themen aufzugreifen und diese gekonnt in einen Kinderfilm zu integrieren. So haben Kinder Spaß an bunten, witzigen Figuren, während Erwachsene im besten Falle einige spannende Theorien der Persönlichkeitsbildung aufnehmen.

Das Fazit (für Lesefaule):

Wahnsinn. Das Pixar in vermeintliche Kinderfilme ungewöhnlich viel Tiefe erzeugen kann, ist nichts Neues. Doch was der Truppe um Pete Docter in „Inside Out“ gelungen ist, kann man nicht hoch genug bewerten. Noch Tage nach der Sichtung des Filmes lassen mich Film und Inhalt kaum los. In geradezu spielerischer Weise greift Pixars neuster Streich Themen auf, wie Persönlichkeitsbildung, Erinnerungsbildung oder Wahrnehmung. Dazu werden dann noch munter Konzepte der Neurowissenschaften eingestreut. Wie entstehen Gefühle, wie Erinnerungen? Wie beeinflussen diese unser Wesen?

Und das soll sich irgendwer anschauen? Geschweige denn Kinder? Ja, absolut! Denn der Film bietet für Kinder die üblichen Animationsfilminhalte, wie absurde Charaktere, witzige Dialoge und allerlei bunten Bildern. Gleichzeitig kann sich der Erwachsene (Mit-)Zuschauer an einer Metaebene erfreuen, die es unter der Haube in sich hat. Ein großartiger Film für Jung und Alt, bei dem sich Pixar dieses Mal selbst übertroffen hat.

Wertung:

9.0

Trailer:

The Martian (Oder: Mars macht mobil)

810CKOU6OhL._SL1500_Jahr: 2015
Deutscher Titel: Der Marsianer – Rettet Mark Watney
Regie: Ridley Scott
Laufzeit: 130 Minuten
Budget: 108 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Jeder kennt es. Man verpasst den Bus, den Zug, den Flieger in die Ferien. Sehr ärgerlich. Doch letztlich nicht mehr als eine Unannehmlichkeit, da sich irgendwie schon eine alternative Reisemöglichkeit ergibt. Anders sieht es allerdings bei Mark Watney (Matt Damon) aus. Dieser hat ebenfalls seinen Rückflug verpasst, doch leider befindet er sich auf Mars. Auf dem Mars? Wie das passieren konnte? Watneys Mars-Mission Ares 3 musste aufgrund von starken Stürmen vorzeitig abgebrochen werden. Bei dem überhasteten Aufbruch wurde Watney von einem Trümmerstück bewusstlos geschlagen, wodurch seine Crew ihn zwangsläufig für tot halten musste. Nun ist Watney mutterseelenallein auf dem roten Nachbarplaneten und ist auf sich und die zurückgelassene Technik gestellt. Das Problem: Selbst im besten Fall ist eine Rettungsmission erst in 4 Jahren vor Ort. Bis dahin sind seine Vorräte, insbesondere die Lebensmittel, lange aufgebraucht. So muss Watney mit Hilfe von Technik, Wissenschaft und Ideenreichtum irgendwie überleben, vor allem aber auch mit der Gewissheit fertig werden, dass er der einzige Mensch auf dem Planeten ist.

Die Meinung:

Vor einiger Zeit flogen an mir zahlreiche Hinweise vorbei, dass das Buch „The Martian“ von Andy Weir ein großer Tipp sei und man es unbedingt lesen müsse. Nun, da mich das Thema seit meiner frühsten Jugend begleitet, war ich schnell interessiert. Und was soll ich sagen: Was für ein Buch! Die Geschichte des gestrandeten Astronauten auf dem Mars machte einfach Spaß, zumal es auch in einer interessanten Form geschrieben war – als eine Art Logbuch während der vielen Monate auf dem roten Planeten. Umso erfreuter war ich, als ich erfuhr, dass der Film von Altmeister Ridley Scott verfilmt werden würde. Doch Stopp.. Hatte dieser nicht gerade mit „Prometheus“ einen Ausreißer im SciFi-Genre? Auch an diesen Film hatte ich hohe Erwartungen gehabt.

Doch hier lässt sich schnell Entwarnung geben. „The Martian“ ist ein großartiger Film geworden, der vor allem eins schafft – die Stimmung des Buches auf die große Leinwand zu bringen. Das schafft der Film vor allem durch seine Reduzierung auf das Notwendigste. Man sieht Matt Damon dabei zu, wie er auf dem Mars ums Überleben kämpft. Doch hierzu benötigt der Film zum Großteil keine überdramatischen Szenen mit schneller Kamera oder wildem Schnitt. Vielmehr erahnt man die ferne Gefahr, die dem einsamen Astronauten bevorsteht. Denn so sind Entscheidungen oder Entwicklungen, die in diesem Moment entstehen, dafür verantwortlich, ob Watney in mehreren Monaten verhungert – oder eben nicht. So bleibt der Film angenehm auf dem Boden der Tatsachen, erzeugt aber eine enorme Spannung. Obendrauf kommen noch tolle Bilder von der weiten, unberührten Mars-Oberfläche, aber auch tolle Aufnahmen aus dem Erdorbit.

Hier schafft es der Film auch durch geschicktes Springen zwischen Mars, Erde und dem Raumschiff Hermes, den Film dynamisch zu halten. Denn so interessant auch Watneys Leben auf dem Mars ist, umso reizvoller wird die Geschichte, wenn man als Zuschauer die Reaktionen bei der NASA und auf der Hermes mitverfolgen kann. Dieses Konzept hatte zwar das Buch bereits als Vorlage in petto, trotzdem haben Scott und die Drehbuchautoren hier ganze Arbeit geleistet.

Das größte Plus an Buch und Film ist für mich vor allem sein Bemühen, alles so realitätsnah wie möglich darzustellen. Hat man sich ein wenig mit einer möglichen, künftigen Reise zum Mars beschäftigt, kommen einem viele Elemente sehr bekannt vor. So merkt man an vielen Details, wie akkurat Weir, aber auch die Drehbuchautoren, Kulissenbauer und CGI-Experten mit dem Thema umgegangen sind. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, wenn in einigen Jahrzehnten eine Mars-Expedition auf den Weg gebracht wird, die sich von den fiktiven Ares-Missionen in „The Martian“ kaum unterscheidet.

Ansonsten kurz abgehandelt: Tolle Schauspieler (allem voran Matt Damon, aber auch Chiwetel Ejiofor und Jessica Chastain überzeugen). Musik: Disco! Ein netter Running Gag. Daneben ein stimmungsvoller Score. 3D: Naja. Immerhin nicht störend.

Wenn ich überhaupt etwas an „The Martian“ kritisieren möchte, dann ist es das schlussendliche Finale. Hier dreht der Film für mich einen kleinen Bogen zu viel und endet nicht, wie es eigentlich sein sollte, auf einer sehr starken Szene. Hätte das Drehbuch die letzte Seite weggelassen und somit 2-3 Minuten Laufzeit eingespart, hätte „The Martian“ einen wesentlich prägnanteren Schluss gehabt. Sicherlich kein großes Manko, aber hier hat sich der Film leider selber ein Bein gestellt, was nicht notwendig gewesen wäre.

Letztlich könnte man auch noch kritisieren, dass einige interessante oder lustige Szenen aus dem Buch herausgenommen oder stark vereinfacht dargestellt wurden. Doch in Anbetracht der Laufzeit und im Sinne der Dramaturgie, konnte ich mit diesen Entscheidungen gut leben. Somit ist „The Martian“ für mich einer der besten Filme des Jahres und konnte meine ziemlich hohen Erwartungen fast gänzlich erfüllen. Und da ich fast nicht damit gerechnet hatte, dass meine Erwartungen erfüllt werden, ist dieses ein durchaus großes Lob.

Das Fazit (für Lesefaule):

Puh, da bekommt man doch wirklich Lust auf Raumfahrt. Auch wenn „The Martian“ vordergründig von einer Katastrophe der Raumfahrt berichtet, so kann man Ridley Scotts neustes Werk als PR für die internationale Raumfahrt verbuchen. Denn der Film läuft offiziell unter dem Genre „Science Fiction“. Doch tatsächlich orientiert sich der Film sehr am aktuellen Stand der Technik, bzw. dem zu erwartenden in 20 bis 30 Jahren. Damit der Film aber nicht zu einer besseren Dokumentation wird, hat Ridley Scott den Stoff aber dennoch spannend aufgearbeitet, ohne dabei in hysterische Dramatik zu verfallen oder unsinnige Handlungsverläufe aufzumachen. Anstelle dessen lässt Scott die Situation auf den Zuschauer wirken und die Hoch und Tiefs, die Hoffnung und die Verzweiflung von Watney während seiner Isolation miterleben. Ganz großes Kino. Pflicht für jeden mit Begeisterung an der Raumfahrt, aber auch für jeden mit Lust auf einen schlicht und ergreifend tollen Film.

Wertung:

9.5

Trailer:

Lone Survivor (Oder: Allein auf weiter Flur)

91sarfILUmL._SL1500_Jahr: 2013
Regie: Peter Berg
Laufzeit: 121 Minuten
Budget: 49 Mio. $
Academy Awards: Bester Ton (nominiert), Bester Tonschnitt (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Afghanistan 2005. Der gleichnamige Krieg “gegen den Terror“ herrscht über das Land. Die USA sind zwischenzeitlich zu einer rechtlich und moralisch fragwürdigen Praxis übergegangen. Spezialeinheiten wie die Navy SEALs werden entsandt, um wichtige Taliban Anführer aufzuspüren und zu töten – ohne jedweden Prozess oder sonstige lästige Formalien. Unter dem Namen „Operation Red Wings“ macht sich ein vierköpfiger Trupp SEALs (Mark Wahlberg, Taylor Kitsch, Emile Hirsch, Ben Foster) auf einen solchen Anführer, Ahmad Shah, zu lokalisieren und zu töten. Doch am Zielort angekommen, stehen die Elitesoldaten vor einem echten Dilemma. Sie werden durch einige Hirten durch Zufall entdeckt, wodurch die Soldaten vor einer heiklen Wahl stehen. Die Hirten freilassen und befürchten, dass diese die Taliban informieren oder die unbeteiligten Zivilisten zu töten, um so der Entdeckung zu entgehen. Schlussendlich wählen die Soldaten die erste Variante und lassen die Hirten frei. Nun kommt es, wie es kommen muss. Tatsächlich werden die Soldaten verraten und alsbald ist eine Hundertschaft Taliban den Männern auf den Fersen. Die Jäger werden zu den Gejagten.

Die Meinung:

Ein Kriegsfilm von Peter Berg? Der Peter Berg, der zuletzt mit „Battleship“ ernsthaft „Schiffe versenken“ als Film umsetzte? Klingt merkwürdig. Doch anstelle eines ziemlichen banalen Spiels, schnappte sich Berg die niedergeschriebene Geschichte von Marcus Luttrell, einem ehemaligen SEAL. Dieser überlebte als einziges Mitglied einer Spezialeinheit einen Einsatz in Afghanistan, bei dem direkt und infolgedessen 19 Soldaten starben. Dieses Mal also kein lockeres Militärgeplänkel gegen Außerirdische, sondern die Umsetzung einer durch und durch ernsten Kriegsbegebenheit. Ob das funktioniert?

Nun, es kommt auf die Sichtweise an. Jedem der „Battleship“ gesehen hat dürfte klar sein, dass Peter Berg in „Lone Survivor“ wohl eher keinen militärkritischen Grundtenor anstimmen würde. Tatsächlich bewegt sich der Film in äußerst grenzwertigem Gebiet, wobei er sich reichlich an fragwürdigen Stilmitteln wie Pathos und Heroisierung bedient. Das mag für den US-amerikanischen Mainstream durchaus tragen, doch dem mitteleuropäischen Zuschauer dürften sich hier und dort die Nackenhaare aufstellen. So ist es dem Film beispielsweise ein besonders Bedürfnis den Tod der Soldaten eine Bedeutungsschwere, ja beinahe deren Berufung zum Tode zuzuschreiben. Sehr, sehr schwierig.

Jetzt könnte man natürlich den Film als ein amerikanisches Werk Militärpropaganda abtun und wutentbrannt ausmachen. Doch nach der ersten eher ruhigen halben Stunde, nimmt „Lone Survivor“ Fahrt auf und präsentiert sich als handwerklich perfekter Actionfilm. Vor allem wird das Spannungslevel auf einem enorm hohen Niveau gehalten, wodurch der Film schlicht fesselt und in diesem Punkt begeistert. Ton und Kamera, vor allem aber ein sehr dynamischer Schnitt, tragen ihr Übriges dazu bei und peitschen durch den Film. Leider wurde ich als Zuschauer aber auch immer wieder aus der Handlung herausgerissen, wenn geradezu unrealistische Verletzungen der Soldaten künstlich Dramatik erzeugen sollte.

Zur Handlung bleibt an dieser Stelle eigentlich gar nicht so wahnsinnig viel zu sagen. Es fällt auch ohne Kenntnis der Buchvorlage oder gar der realen Ereignisse schnell auf, dass sich die Geschichte so nicht abgespielt haben kann. So wurden sicherlich viele Elemente der Geschichte neu gruppiert und zeitlich angepasst. Gerade das Ende wirkt doch eher von einer Gruppe Drehbuchautoren erdacht, als wirklich der Realität entstammend. Wenngleich mich das Ende doch durchaus versöhnlich aus dem Film entließ.

Unterm Strich bleibt also ein auf der handwerklichen Ebene nahezu perfekter Actionfilm. Dieser ist allerdings in eine (konstruierte) Geschichte eingebunden, die es an manchen Stellen tatsächlich schwer macht zuzuschauen. Wem Militärpathos und amerikanischer Kaugummi-Patriotismus generell gar nicht bekommt, sollte tatsächlich „Lone Survivor“ gänzlich meiden. Wer allerdings bereit ist diese Rahmenbedingung zu ertragen, wird mit durchaus packenden 2 Stunden Film belohnt. Ob das Gesamtbild am Ende gefällt, steht natürlich auf einem gänzlich anderen Blatt.

Das Fazit (für Lesefaule):

Moment, ich wisch mal eben die Pfütze an Pathos auf! Dem durchschnittlichen deutschen Zuschauer dürfte Peter Bergs „Lone Survivor“ bis an die Schamgrenze treiben. Zu sehr fokussiert sich der Film auf den inneren Zusammenhalt und die Beziehung unter den vier Seals, spielt mit Militärpathos, Kameradschaft und wilden Facetten eines fundamentalen Ehrenkodex. Obendrein wird der Tod der Soldaten nicht etwa nur als Tragödie porträtiert, sondern als befehlstreue Opferung bis zum bitteren Ende – Pflichterfüllung bis in den Tod, wie es sich gehört für einen SEAL. Doch blendet man dies alles aus, ist „Lone Survivor“ ein durch und durch packender Film, der nicht zuletzt durch seinen realen Bezug fasziniert. Schnitt, Kamera und Ton, gepaart mit einem konstant hohen Spannungslevel überzeugt. So ist „Lone Survivor“ ein Film, den ich eigentlich nicht mögen wollte, dessen filmische Stärken mich am Ende aber doch überzeugten.

Wertung:

6.5

Trailer:

Double Feature – Sanctum und The Grey

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Jahr: 2011
2011
Regie: Alister Grierson
Joe Carnahan
Minuten: 109 Minuten
101 Minuten
Minuten: 30 Mio. $
25 Mio. $

Worum es geht?

Um den Kampf ums Überleben – nicht mehr und nicht weniger. In „Sanctum“ macht sich eine Gruppe Höhlentaucher daran eine riesige und größtenteils noch unerforschte Höhle in Papua-Neuguinea zu erkunden. Als dann jedoch ein Sturm in der Region ausbricht, geschieht das Unausweichliche. Der Höhleneingang wird verschüttet und die Taucher werden eingeschlossen. Da die Aussicht auf Hilfe bescheiden ist, beschließt die Gruppe um Frank McGuire (Richard Roxburgh) tiefer in die Höhle vorzudringen, um dort einen zweiten Ausgang zu entdecken und elegant durch den Hinterausgang zu verschwinden. Klingt wie ein sehr riskanter Plan? Ist es auch, denn schon bald nach dem Aufbruch wird klar, dass die Höhle einige unerfreuliche Überraschungen parat hält.

In einer ähnlichen, zugleich aber auch gänzlich anderen Situation, findet sich der professionelle Jäger John Ottway (Liam Neeson) in „The Grey“ wieder. Dieser ist nämlich von einem ölfördernden Unternehmen im abgelegenen Alaska eingesetzt und soll die dortigen Arbeiter vor allzu aufdringlichen Wölfen schützen. Auf einem routinemäßigen Flug zurück in die Zivilisation geschieht dann das Unglück – die Maschine stürzt nach heftigen Turbulenzen mitten im Nichts ab. Lediglich ein paar Ölarbeiter und Ottway überleben den Absturz und sehen sich, neben den üblichen Problemen eines Flugzeugabsturzes, vor allem durch eine Gefahr bedroht. Wölfe. Denn diese sind nicht gerade begeistert Menschen in ihrem Jagdrevier vorzufinden und gehen ihrerseits in die Offensive. Trotz der Fähigkeiten von Ottway steht es also schlecht um das weitere Fortleben der Überlebenden.

Die Meinung:

Es ist ja manchmal schon seltsam. Da macht man sich einen entspannten Sonntagnachmittag, sichtet die heimische Filmbibliothek, entscheidet sich für zwei Filme und legt die Beine hoch. Der erste Film ist gesehen, der zweite läuft – doch was ist das? Das ist ja genau das Gleiche nochmal – wenn auch ganz anders! So geschehen bei meinem Filmabend mit „The Grey“ und „Sanctum“. Tatsächlich wirken die Filme auf dem ersten Blick kaum vergleichbar, doch tatsächlich ähneln sie sich mehr, als man denken mag. Denn thematisch behandeln die beiden Filme dasselbe Thema. Eine Gruppe in Not geratener Menschen kämpft um ihr Überleben, werden jedoch (kein großer Spoiler) zunehmend weniger. Das alte „Last Man Standing“-Prinzip. Doch auch darüber hinaus sind sich die Filme überraschend ähnlich.

Fangen wir zunächst mit dem Positiven an. Die Dreharbeit beider Filme ist mehr als vorzüglich. So bietet „The Grey“ wunderschöne Bilder einer schneebedeckten Landschaft in Alaska (tatsächlich wurde der Film in Kanada gedreht) und erzeugt auch im warmen Wohnzimmer eine ungemütliche Ahnung der Kälte. „Sanctum“ hingegen nimmt den Zuschauer mit in ein klaustrophobisches, wassergeflutetes Höhlensystem. Durch die Kamera wird die Enge sehr schön aufgenommen, vor allem in Kombination mit den andauernden Tauchpassagen. Ich habe den Film nicht in seiner 3D-Fassung sehen können, glaube aber (ausnahmsweise), dass der Film hierdurch sogar noch weiter gewinnt.

Daneben sind die beiden Storys an sich durchaus spannend, alleine schon durch die lauernde Gefahr hinter jedem Baum bzw. Höhlenabschnitt. Hier haben die Filme allerdings auf ein bewährtes Filmkonzept zurückgegriffen und wenig riskiert. So weit so gut, aber! Beide Filme leiden massiv unter ihren jeweiligen Drehbüchern, die ich aus unterschiedlichen Gründen für problematisch halte.

Fangen wir bei „Sanctum“ an. Selten, und das meine ich wirklich ernst, habe ich dümmere Dialoge gehört, als in diesem Film. So hat das Drehbuch allen beteiligten Protagonisten eine ordentliche Packung zwischenmenschlicher Probleme zugeschustert. An sich kein Problem, wenn das alles nicht so endlos holzschnitzartig wäre. Die Beziehungen wirken schlicht nicht ausgearbeitet, die Dialoge sind platt und wirken aufgesetzt. Alleine schon die Dialogzeilen von Richard Roxurgh sind zum Schreien und Davonlaufen. Dazu kommen im Plot zahlreiche Logik- und Anschlussfehler, die alle nicht wahnsinnig furchtbar sind, aber in stolzer Anzahl anrücken.

„The Grey“ hingegen kommt mit einem Dialogbuch daher, dass bei weitem besser ist. Die Charaktere der Überlebenden sind zwar durch und durch stereotyp (der harte Ex-Knasti, der schweigsame Jäger, der freundliche Schlichter, etc.), stören jedoch nicht den Filmfluss durch übertriebene Dispute oder dergleichen. Dafür macht etwas anderes den Film für mich kaputt. Völlig übertriebene und unrealistisch wirkende Wölfe. Was ist denn da los? Die Wölfe, anscheinend aus einem Gentik-Labor entkommen, sind locker doppelt so groß wie das zu erwarten wäre, verhalten sich wie Kampfmaschinen und nutzen Taktiken wie ein SEK der Polizei. Spätestens ab der Mitte des Filmes hat mich an der Stelle verloren und ich musste zwischendurch schon grinsen, wenn die Taktik-Wölfe sich wieder einmal gruppierten. Hier hatte der Film vielleicht eine gute Idee, hat es für meinen Geschmack aber viel zu sehr übertrieben.

Am Ende bleiben für mich 2 Filme, die sich in ihren Stärken, vor allem aber auch in ihren Schwächen, sehr ähneln. Beide verwenden eine bekannte Erzählstruktur, zeigen hierzu tolle Bilder, verheddern sich aber in einem jeweiligen Drehbuch, dass viele absurde Momente („The Grey“) bzw. Dialoge („Sanctum“) bereithalten. Schade eigentlich.

Das Fazit (für Lesefaule):

Überraschend wie ähnlich manche Filme sind, wo der Plot es gar nicht vermuten lässt. „Sanctum“ und „The Grey“ greifen in die Kiste mit bewährten Drehbuchvorlagen und wählen das alte „eine Gruppe wird langsam auf letale Art und Weise ausgedünnt“-Prinzip. Die Gefahr, durch welche die Ausdünnung geschieht, ist zwar unterschiedlich, erzeugte bei mir aber jeweils starkes Stirnrunzeln. Ob nun fragwürdige Entscheidungen in überfluteten Höhlen oder hyperintelligente und -aggressive Wolfsrudel. Fans des Genres werden vielleicht ihren Spaß haben, wenn Sie über den einen oder anderen Mangel hinwegsehen oder hinweghören können. Für mich war das nichts.

Wertung:

Gleich 2 mal:4.0

Trailer:

Mad Max: Fury Road (Oder: Ein flammendes Gitarrensolo)

91JcAasWFPL._SL1500_Jahr: 2015
Regie: George Miller
Laufzeit: 120 Minuten
Budget: 150 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Die Apokalypse ist (wieder einmal) über die Welt kommen. Öl und Wasser sind absolute Mangelware. Die Zivilisation ist nicht mehr vorhanden, stattdessen regiert nun Chaos, Wahnsinn und das Gesetz des Stärkeren. In dieser Welt ist (immer noch) der ehemalige Polizist Max Rockatansky (Tom Hardy) unterwegs. Doch kaum ist Max unaufmerksam, wird er von den War Boys gefangen genommen, einer Art fanatischer Armee unter Kommando von Immortan Joe. Kurzerhand wird Max als Blutspender missbraucht und an den War Boy Nux angeschlossen, der die Bluttransfusion offenbar gut gebrauchen kann. Währenddessen rebelliert Furiosa (Charlize Theron) gegen Immortan Joe auf, indem sie ihm seine wichtigste Ressource entreißt. Dies ist nicht etwa das Öl oder das Wasser, sondern gesunde Frauen, die ihm weiterhin stattliche Söhne gebären sollen. Denn diese sind es leid als Joes Gefangene weggesperrt leben zu müssen. In einem Truck fliehen Furiosa und die Damengruppe, woraufhin die War Boys losgeschickt werden diese wieder einzufangen. Dabei wird auch Max als „Blutbeutel“ kurzerhand mitgenommen und stößt durch Irrungen und Wirrungen bald mit Furiosa und deren Gruppe zusammen. Mitgefangen, mitgehangen, beschließen die ehemals Gefangenen gemeinsam ihren Häschern zu entkommen, auf der Suche nach einer sicheren Zuflucht inmitten der Wüste.

Die Meinung:

Mad Max ist zurück? Nach einer Pause von immerhin 30 Jahren kehrt Max Rockatansky zurück auf die große Leinwand. Dabei bleibt zur Überraschung einiges beim Alten, aber auch Neues kann „Mad Max: Fury Road“ anbieten. Neues, da Mel Gibson aus Altergründen den Staffelstab an seinen Kollegen Tom Hardy überreichte. Altes, da sich wiederrum George Miller für Drehbuch, Produktion und Regie verantwortlich zeigte. George Miller? Der George Miller, der zuletzt seine Vita mit „Happy Feat“ oder „Babe“ auffüllte? Kann das gutgehen?

Ja, und wie! Herrschaftszeiten, was eine (Achtung, Wortspiel) furiose Ladung an Action, Benzin und Adrenalin. Direkt von der ersten Minute an macht der Film deutlich, was der Zuschauer die nächsten zwei Stunden zu erwarten hat. Überbordende Verfolgungsjagten durch die Wüste, Explosionen und allerlei Merkwürdigkeiten. Um eins direkt vorwegzunehmen. Die Handlung ist weder besonders smart, noch besonders ausufernd. Wer sich durch weniger an Actionsequenzen erfreuen kann, sondern eher auf überraschende Wendungen und Charakterarbeit Wert liegt, wird hier falsch sein. Doch ich fand „Mad Max: Fury Road“ vor allem erfrischend ehrlich in seiner inhaltlichen Schlichtheit.

Doch was sind die Stärken. Für mich klar zwei Sachen. Zum einen die unzähligen und grandios ausgebauten Actionsequenzen. Ein großes Plus hieran ist für mich der überraschend große Anteil CGI-freier Szenen, bei denen tatsächlich auf den absurdesten Fahrzeugen durch die Wüste geheizt wird, während sich die Fahrer und Beifahrer bis aufs Blut duellieren. Erst an Stellen, wo wirklich keine Möglichkeit mehr besteht die Szenen tatsächlich zu drehen, griff Miller auf Computereffekte zurück, die handwerklich jedoch auf hohem Niveau sind und mir die Kinnlade herunterklappen ließ. Dabei hechtet der Film von einer Verfolgungsjagd zum nächsten Gefecht und wieder zurück. Doch auch immer gibt es für Film und Zuschauer Pausen zum Durchatmen, bis die nächste Sequenz wieder aufflammt. Großartig. Dies ist wirklich einer dieser Filme, für die Kino gemacht ist.

Was mich zudem besonders begeistern konnte waren die verwendeten Requisiten, das Maskenbild und die Kulissen, vor denen sich die satte Action abspielt. Alleine die bereits erwähnten Fahrzeuge trotzen nur so vor kreativen Einfällen der Kulissen- und Szenenbildner, die sich hier austoben durften. Doch auch die Maskenarbeit ist großartig, ob dies nun die Ausgestaltung der War Boys ist oder anderer Charaktere im Gespann von Immortan Joe. Diese ganzen Elemente wirken wie aus einem dystopischen Fiebertraum und erzeugen eine unglaubliche Stimmung. Diese wird obendrein durch einen genialen Soundtrack angekurbelt, den der niederländische DJ JunkieXL beisteuerte. Dieser peitscht Zuschauer und Handlung geradezu durch den Film.

Bei den Schauspielern hat George Miller genau richtig gelegen. Tom Hardy ist ein würdiger Nachfolger von Mel Gibson, der zwar nicht gerade viel Text in seinem Script vorfand, jedoch über seine Präsenz wahnsinnig viel gewinnt. Besonders gut gefiel mir jedoch Charlize Theron, die ich beinahe nicht wiedererkannt hätte. Das die Rolle derart trägt hängt vor allem damit zusammen, dass Furiosa und Max nahezu gleichwertig im Drehbuch aufgestellt sind. In Kombination mit dem Drehbuch harmoniert diese Entscheidung und erweist sich als großer Gewinn für den Film.

Etwas schade ist, dass die alten Mad Max-Filme für den vierten Teil nahezu unbedeutend sind und kaum inhaltlich aufgegriffen werden. Bedenkt man jedoch die lange cineastische Abstinenz von Max Rockatansky, dürfte diese Entscheidung sich für die meisten Zuschauer als richtig erwiesen haben.

Nun, was soll ich hier noch lang und breit erzählen: „Mad Max: Fury Road“ ist ein unglaublich dichter und atmosphärischer Actionfilm, der seine 120 Minuten nur so herunterspielt und kaum Zeit zum Verschnaufen lässt. Oftmals wirken Prädikate wie „Der beste Film seit [x] Jahren“ dick aufgetragen, doch ist der bis dato neuste Mad Max ganz großes Actionkino, das seine Konkurrenten sucht.

Das Fazit (für Lesefaule):

Was ein Actionfest. Nach geschlagenen 30 Jahren kehrt die Mad Max-Reihe zurück auf die große Kinoleinwand. Um ehrlich zu sein: Als ich das erste Mal von diesem Filmprojekt las, dachte ich mir: „Och nö. Nicht schon wieder ein Sequel, Reboot, Remake, whatever.“ Doch bereits nach dem ersten Trailer änderte sich meine Meinung, wobei der Film die Erwartung noch einmal schlagen konnte. Was den Film großartig macht sind zum einen seine handgemachten und toll arrangierten Szenen, in denen Autos, Waffen und Kontrahenten nur so durch die Gegend fliegen. Die Schauspieler, ob nun der neue „Max“ Tom Hardy oder „Furiosa“ Charlize Theron, machen ihre Sache großartig und nicht zuletzt der Soundtrack von JunkieXL treibt einem in Kombination mit der Bildgewalt die Tränen in die Augen. Das am Ende die Handlung eher Mittel zum Zweck ist, war mir nach den zwei Stunden vollkommen Schnurz. Großartiges Actionkino, für das Kino gemacht ist. Toll!

Wertung:

9.0

Trailer:

The Imitation Game (Oder: Undank ist der Welten Lohn)

91k5yKYhG9L._SL1500_Jahr: 2014
Deutscher Titel: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Regie: Morten Tyldum
Laufzeit: 114 Minuten
Budget: 14 Mio. $
Academy Awards: Bester Film, Beste Regie, bester Hauptdarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch (gewonnen), Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik, Bester Schnitt

Der Inhalt kurz und knapp:

1939 – Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kann Nazi-Deutschland einen Sieg nach dem anderen verbuchen. Dazu trägt auch eine eher unscheinbare Waffe bei, die ENIGMA. Diese Verschlüsselungsmaschine erzeugt aus Wörtern und Sätzen einen sinnlosen Buchstabenbrei, der nur durch die Maschine wieder entschlüsselt werden kann. Dies ist besonders für die Briten ein echtes Problem, da auch die deutsche U-Boot-Flotte mit ENIGMA-verschlüsselten Befehlen versorgt wird. Hierdurch sind die Versorgungsschiffe auf dem Atlantik gefährdet, die mit kriegswichtigen Gütern aus den USA beladen sind. Daher hat die britische Armee im Örtchen Bletchley einen hochgeheimen Standort geschaffen, in dem Mathematiker und Linguisten versuchen die ENIGMA-Verschlüsselung zu brechen. Zu dem Team in Bletchley stößt der junge Alan Turing (Benedict Cumberbatch), hochintelligent, aber auch als sozial schwierig einzustufen. Dieser hat jedoch zur Dechiffrierung der ENIGMA eine revolutionäre Idee – eine elektrische Maschine, welche automatisch die Codierung brechen kann. Doch ist für Turing die ENIGMA nicht das einzige Problem, muss er doch gleich mehrere private Umstände meistern.

Die Meinung:

Biopics sind ja so eine Sache. Zwei Sachen müssen hier stimmen – die ausgewählte, reale Person als Kern des Films und zum anderen die gewählte Inszenierung der dazugehörigen Lebensgeschichte. Erstes stimmte beispielsweise zwar bei „The Theory of Everything“, da Stephen Hawking eine interessante Person mit einer bewegten Geschichte ist, doch empfand ich den Schwerpunkt für falsch gelegt. Denn ging es für meinen Geschmack hier zu wenig um die Stephen Hawkings Arbeit, als vielmehr um seine Krankheit und dessen Eheleben. Das war zwar packend inszeniert, aber irgendwie hatte ich etwas anderes erwartet.

Doch warum über „The Theory of Everything“ auslassen? Nun, in „The Imitation Game“ geht es wiederrum um eine Lebensgeschichte eines hochintelligenten Wissenschaftlers, den ebenfalls ein schlimmes Schicksal ereilte – Alan Turing. Tatsächlich erlebt die Person Turing in den letzten Jahren eine verspätete Aufmerksamkeit, wodurch ich mich bereits vor längerer Zeit mit dessen Arbeit beschäftigte. Umso gespannter war ich nun auf „The Imitation Game“. Was lässt sich zur Verfilmung von Turings Geschichte sagen?

Ein wirklich toller Film, mit vielleicht dem einen oder anderem Abstrich. Besonders gefiel mir, dass Morten Tyldum nicht das private Leben und die Sexualität von Turing in den Mittelpunkt stellt. Zwar werden diese Themen behandelt, die natürlich auch ihre absolute Berechtigung haben, jedoch rahmen sie die Arbeit von Turing in Bletchley erzählerisch ein. Dadurch ergab sich für mich eine wesentlich rundere Mischung, als bei „The Theory of Everything“, der für mich unausgewogen wirkte.

Ein großer Pluspunkt ist zweifellos Benedict Cumberbatch. Das Cumberbatch sozial schwierige Charaktere brillant darstellen kann, ist keine Neuigkeit. Doch hier wird sein großartiges Talent wieder einmal deutlich. Denn Cumberbatch schafft es Turing zwar als im Umgang schwierigen, überheblichen und auch oft lästigen Charakter zu spielen, der aber trotzdem als Mensch realistisch wirkt. Das schafft er, indem er die negativen Elemente zwar ausspielt, aber nie überzeichnet. So kann der Zuschauer sich mit Turing identifizieren, gleichzeitig wird dessen schwieriges Wesen einwandfrei klar.

Die übrigen Figuren des Drehbuchs gruppieren sich eindeutig um Turing. Die einzig größere Rolle in der Geschichte, Turings zwischenzeitliche Ehefrau Joan Clarke, wird von Keira Knightley durchaus zurückgenommen gespielt, was jedoch voll und ganz zur Geschichte passt. Auch Mark Strong als mysteriöser MI6-Agent hat einen starken Auftritt, aber im Grunde haben wir eine waschechte One-Cumberbatch-Show.

Sehr gut gefiel mir die Geschichte in drei Zeitebenen zu erzählen, wobei sich auch die erwähnte Klammer der Handlung wiederfindet. Die Handlungsebenen in den 20er und 50er Jahren erzählen vorwiegend Turings Leben und privates Schicksal, während die mittlere Ebene zu Kriegsausbruch, hauptsächlich Turings Arbeit schildert. Gerade der mittlere Teil ist sehr knackig erzählt und für ein Biopic durchaus spannend.

An der Stelle kommt nun doch die unausweichliche Diskussion, ob ein Biopic realistisch sein muss und inwieweit eine historische Genauigkeit notwendig ist. Natürlich ist „The Imitation Game“ keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm, dessen Handlung dramaturgischen Anforderungen unterliegt. Doch wenn man sich bereits vorher ein wenig mit der Arbeit von Turing befasst hat, wird man schnell merken, dass eine ganze Reihe an Elementen und zeitlichen Zusammenhängen so nicht richtig zusammengestellt sind. Besonders heftig wurde die Entscheidung kritisiert, dass Turing angeblich auf den sowjetischen Spion John Cairncross traf und sogar über dessen Geheimnis wusste. Hier haben die Autoren vielleicht etwas zu viel kreative Arbeit geleistet.

Ebenfalls farglich empfand ich das Ende des Films. Das schlussendliche Schicksal von Turing wird nur bis zu einem gewissen Punkt filmisch erzählt. Ab diesem Punkt entschied sich Morten Tyldum die weiteren Ereignisse als Texteinblendung zu erzählen – schwierig. Ich finde dieses Mittel immer für eine Notkrücke, die an dieser Stelle auch nicht hätte sein müssen. Hier hätte man ruhig mit filmischen Mitteln versuchen sollen das Ende von Turings Leben darzustellen, was sicherlich einen intensiveren Effekt gehabt hätte, als eingeblendete Sätze.

Doch unterm Strich hat mir „The Imitation Game“ gut gefallen. Besonders die Entscheidung den Fokus auf Turings Arbeit in Bletchley zu legen hat mir sehr zusagt. Zwar gehört das Privatleben natürlich auch immer zu einem Biopic dazu, am Ende sollte es aber nicht der überwiegende Teil eines Spielfilms sein.

Das Fazit (für Lesefaule):

„The Imitation Game“ ist eines der besten Biopics, das ich bisher gesehen habe. Zugegeben liegt dies auch in meinem Interesse an der Person Turing. Das Drehbuch schafft es aber eine angenehme Balance zu wählen zwischen der wissenschaftlichen Arbeit von Turing und dessen Privatleben und Schicksal. Dadurch wirkt der Film auch wesentlich knackiger als so mancher Genrekollege. Obendrein läuft Benedict Cumberbatch wieder einmal zur Höchstform auf und füllt die Figur mit Leben aus. Dass der Film an manchen Stellen nicht besonders historisch akkurat ist und auch das Ende etwas ungeschickt wirkt, ist da eher nur ein kleiner Abstrich.

Wertung:

8.0

Trailer:

Supernova (Oder: 9-dimensionaler Schwachsinn)

91c3N5Z+YkL._SL1500_Jahr: 2000
Regie: Thomas Lee (Pseudonym von Walter Hill)
Laufzeit: 90 Minuten
Budget: 60-90 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Manchmal hast du Pech, manchmal die anderen Glück. Die Crew des Lazarettschiffs Nightingale 229 folgt einem Notruf und springt dafür glatt 3000 Lichtjahre durch die Galaxie zum Mond Titan 37. Bei der Aktion wird nicht nur das Schiff schwer beschädigt, zusätzlich stirbt der Captain einen unangenehmen Tod infolge einer technischen Fehlfunktion. Obendrein droht die Nightingale auch noch durch den lokalen Stern zerstört zu werden, da sich dieser in einen Blauen Riesen verwandelt hat. In dieser Situation muss von der Erste Offizier Vanzant (James Spader) das Ruder übernehmen. Doch was war nun eigentlich mit dem Notruf? Vor Ort wird der Abenteurer Troy an Bord genommen (Peter Facinelli), der auf Schatzsuche war. Hierbei wurde Troy offenbar fündig, denn dieser hat ein seltsames Objekt gefunden. Dies möchte er zur Erde bringen und dort gewinnbringend losschlagen. Doch irgendwas schein faul am Fundstück und Troy, der besonders zutraulich zur Schiffsärztin Dr. Evers (Angela Bassett) ist…

Die Meinung:

Manchmal fragt man sich ja, was einen dazu bewegt hat einen bestimmten Film zu schauen. Nur durch Zufall bin ich auf „Supernova“ aus dem Jahr 2000 gestoßen, der gänzlich an mir vorbei gegangen war. Ein SciFi-Film mit einem Budget irgendwo knapp vor der 100-Millionen-Dollar-Marke, den ich nicht kenne? Obwohl es sich hier um mein Leib- und Magengenre handelt? Seltsam. Erstmals stutzig wurde ich bei dem Namen des Regisseurs Thomas Lee, der mir so gar nichts sagte. 90 Minuten Film und kurze Recherche später, wusste ich warum.

Denn bei Thomas Lee handelt es sich um ein Pseudonym, das Regisseur Walter Hill nutze. Jetzt gibt es nur wenige Gründe, warum sich ein Regisseur weigern könnte seinen Namen unter ein Werk zu setzen. So ist es hier dann auch das Offensichtliche – der Film ist seit Langem das Schlimmste, was ich mit ansehen musste. Das lässt sich an der Stelle nicht nur Walter Hill vorwerfen, denn neben ihm, rührten auch weitere Regisseure im Topf herum, u.a. Francis Ford Coppola.

Doch was macht den Film so schrecklich? Nun, vor allem wäre hier die völlig konfuse Handlung. Wenn man es genau nimmt, ist der Plot als solches eigentlich 08/15 Science-Fiction-Material, welches in der Form beileibe nicht das erste Mal erzählt wurde. So lässt sich die inhaltliche Nähe des zuvor erschienen „Event Horizon“ erahnen. Doch der Film schafft es die eigentlich simple Handlung derart umständlich und inkonsistent zu erzählen, dass ich als Zuschauer stellenweise nur noch den Kopf schütteln konnte. Hier macht sich wohl das nachträgliche Drehen von einzelnen Szenen und wildem Schneiden bemerkbar, großartig Sinn ergibt das Werk in seiner finalen Fassung definitiv nicht mehr. Den Oberklopfer bildet hier der 9-dimensionale MacGuffin, dessen Ausgestaltung so unglaublich stümperhaft daherkommt, wie ich es selten erleben durfte. Was soll das alles?

Neben dem miserablen Drehbuch (nach dem Schnittmasaker) störte mich vor allem das komplette Produktionsdesign. Wenn das hochauflösende Bild nicht etwas anderes vermuten lassen würde, könnte man meinen, der Film stamme aus den 70er Jahren. Die Requisiten, die Ausstattung am Set und generell altbackende SciFi-Elemente erzeugen den Charme eines Trashfilms. Alleine das Ende ist ein einziges Sci-Fi-Klischee… Man muss wirklich Fragen in was genau die zig Millionen geflossen sind, in die Ausstattung des Films definitiv nicht. Bestes Beispiel ist ein humanoider Roboter, der an Lächerlichkeit kaum zu überbieten ist. Auch die Effekte, besonders die im Weltraum, sind äußerst schwach. Das ging auch damals schon besser…

Wenn man überhaupt irgendetwas an dem Film positiv anmerken will, dann dass die Hauptdarsteller James Spader und Angela Bassett sich zumindest bemüht haben gegen das Drehbuch anzuspielen. Doch wo will man groß Glänzen, wenn einem das Drehbuch dumme Dialoge und unsinnige Szenen vorschreibt?

Ich kann jedem Fan des Genres nur raten einen großen Bogen um den Film zu machen, es sei denn man möchte einen unfreiwilligen Trashfilm, samt einiger Biere „genießen“. Ich hatte mir jedenfalls etwas ganz anderes vorgestellt und war beinahe beleidigt von diesem Machwerk. Was hätte man in diesen 90 Minuten schöneres machen können? Den letzten Wäscheberg wegbügeln, die überfällige Steuererklärung machen, eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt… Da fiele mir schon einiges ein!

Das Fazit (für Lesefaule):

Herrschaftszeiten. „Supernova“ ist mit Abstand der schlechteste Film, den ich seit langem gesehen habe. Besonders die Story hat es in sich, bzw. gerade eben nicht. Völlig abstruse Plotelemente wurden hier zusammengewürfelt, welche eine konsistente Handlung schlicht unmöglichen machen. Dabei versucht der Film einer 08/15-SciFi-Handlung zu folgen, verheddert sich aber selbst in den billigsten Wendungen. Dazu wirkt der Film in seinen optischen Elementen, den Requisiten, aber auch in zahlreichen billigen Science-Fiction Klischees, geradezu wie ein Trashfilm. Doch bei einem Budget von 60-90 Millionen Dollar ist dies nicht weniger als eine Frechheit. Selbst die an manchen Stellen bemüht wirkenden Hauptdarsteller, können aus diesem völlig unstimmigen Werk nichts mehr herausholen. Da treibt es selbst hartgesottenen Fans des Genres (zu denen ich mich zähle) die Facepalm ins Gesicht. Nein, nein, nein…

Wertung:

2.0

Trailer:

The Towering Inferno (oder: Heißer Pfusch am Bau)

61nAcvf678LJahr: 1974
Deutscher Titel: Flammendes Inferno
Regie: John Guillermin
Laufzeit: 165 Minuten
Budget: ca. 14 Mio. $
Academy Award: Beste Kamera, Bester Schnitt und Bester Originalsong
Sowie Nominiert: Bester Film, Bester Nebendarsteller, Beste Filmmusik, Bestes Szenenbild und Bester Ton.

Der Inhalt kurz und knapp:

Pfusch am Bau – wer kennt es nicht? Undichte Fenster, kalte Heizungen, Schimmelbildung. Alles ziemlich ärgerlich, doch nichts gegen unsachgemäße Elektroinstallationen in Hochhäusern. Eine solche ist nämlich Auslöser eines Großbrands im „Glass Tower“, dem neuen Prachtbau im Herzen von San Francisco, der just an diesem Abend offiziell eröffnet wird. Hierzu hat sich die lokale Prominenz zusammengefunden und veranstaltet eine illustre Party im 135. Stock. Jetzt sind Wohnungsbrände eh eine unangenehme Sache, in einem Hochhaus ist eine handfeste Katastrophe allerdings nicht fern. Um Schlimmeres zu verhindern, macht sich der Architekt des Gebäudes Doug Roberts (Paul Newman) mit dem örtlichen Feuerwehrchef O’Hallorhan (Steve McQueen) an die Arbeit. Das Feuer breitet sich jedoch immer weiter aus und gerät mehr und mehr außer Kontrolle. Denn um Geld und Arbeitszeit zu sparen, wurde an allen Ecken und Enden gespart und schon bald ist der Schlamassel perfekt. Denn sämtliche Wege nach unten sind versperrt und die Teilnehmer der Eröffnungsfeier sind gefangen. Jetzt muss improvisiert werden, wobei die Retter zu einigen ungewöhnliche Tricks und Kniffen greifen müssen, welche jedoch auch so ihre Risiken bergen. Es wird auf jeden Fall eine heiße Party.

Die Meinung. :

Nach längerer Pause, nun also wieder ein Klassiker im CinemaScope! Zugegeben handelt es sich bei diesem Vertreter um keine Erstsichtung meinerseits. „The Towering Inferno“, der hierzulande besser unter dem Namen „Flammendes Inferno“ bekannt ist, habe ich bereits mehrmals gesehen, jedoch immer nur einzelne Teile hiervon. Meist beim nachmittäglichen Zappen, hier mal eine Stunde vom Anfang, hier mal eine halbe Stunde zum Ende hin, aber eben nie als Ganzes im Stück. Da es diesen Klassiker seit einiger Zeit schon in einer hochauflösenden Fassung gibt, wollte ich diesen Umstand nun endlich beheben und habe mir einen Abend mit Chips, Bier und einer ordentlichen Katastrophe gemacht.

Meine erste Erkenntnis an diesem Abend: Der Film ist sage und schreibe 165 Minuten lang. Puh. Ziemlich viel Holz für einen Katastrophenfilm. Doch entgegen meiner ursprünglichen Skepsis kann ich Entwarnung geben. „The Towering Inferno“ ist ein knackig erzählter und überaus spannender Film, der kaum nennenswerte Längen oder Durchhänger hat. Tatsächlich springt der Film von einer spannenden Szene zur nächsten und bietet kaum Zeit zum Verschnaufen. Hier wirkt der Film für sein Alter durchaus frisch und könnte mit kleineren Änderungen auch durchaus heute noch im Lichtspielhaus der Wahl laufen.

Das gilt allerdings nur eingeschränkt für die Schauspieldarbietung. Der Film ist zwar mit allerlei bekannten Schauspielgrößen versehen – allen vorweg natürlich Paul Newman und Steve McQueen, aber auch Fred Astaire, Faye Dunaway, William Holden, Jennifer Jones, und, und, und – beschränkt sich aber auf das Wesentliche, gelegentlich mit dem Hang zu überzogener Dramatik. Das ist nicht ungewöhnlich für die Zeit und lässt sich verschmerzen, reißt aber auch nicht wirklich vom Hocker.

Ein großer Pluspunkt an „The Towering Inferno“ sind seine handgemachten Effekte. Dies macht sich besonders an den Szenen mit Feuer, Flammen und dickem Rauch bemerkbar, die aufgrund nicht vorhandener Animationstechnik tatsächlich abgefilmt werden mussten. Das tut dem Film äußerst gut, da er auch in der mittlerweile erschienenen HD-Fassung grandios aussieht. Besonders vor der Arbeit der Stuntmen kann ich nur meinen feuerfesten Hut ziehen, da diese in spektakulären Szenen brennend durch die Szenerie rennen. Das hat dann auch teils ziemlich harte Einstellungen zur Folge, wer jedoch eine Faszination für Feuer hat, wird sich an die hochauflösenden Bildern nicht sattsehen können. Toll! Vor allem schafft „The Towering Inferno“ hierdurch auch die Illusion aufzubauen und aufrecht zu halten, dass man a) einen tatsächlichen Wolkenkratzer sieht und b) dieser dann auch noch munter brennt. Handwerklich sehr eindrucksvoll.

Doch so toll das Feuer im Detail aussieht, darf man gleichzeitig nicht allzu genau über den Großbrand nachdenken. Hier versteckt sich nämlich die ein oder andere Logiklücke, da mehrere Szenen eher der Dramaturgie zuträglich sind, als einem konsistenten Plot. Doch hier will ich auch nicht zu kleinlich sein, aber explodierende Treppenhäuser, seltsames (Nicht-)Ausbreiten von Feuer und vor allem die finale Auflösung brauchen schon eine gehörige Packung suspension of disbelief.

Doch lässt man diese Kleinigkeiten außer Acht, ist „The Towering Inferno“ ein absolut packender Film, dem man seine 40 Jahre kaum anmerkt. Der Film lässt sich trotz einer beachtlichen Länge locker, flockig herunterschauen, hat ein perfektes Tempo und bietet für jeden Freund zünftiger Katastrophen reichlich Anschauungsmaterial. Also ein echt heißer Tipp! Höhö.

Das Fazit (für Lesefaule):

1974? Wirklich? Natürlich merkt man „The Towering Inferno“ sein Alter an. Klar, sind Requisiten und Bühnenbild eben jene 41 Jahre alt. Die Handlung jedoch ist angenehm knackig inszeniert, hat kaum Längen oder Durchhänger und wirkt somit sehr modern. Das tut dem Film auch äußerst gut, der immerhin 165 Minuten auf der Uhr hat. Dem Zuschauer wird kaum Möglichkeit gelassen durchzuatmen, wenn der Film von (Achtung Wortspiel) einem Brandherd zum nächsten springt. Besonders überzeugte mich auch die Darstellung des Feuers und der lodernden Flammen, die aufgrund mangelnder Animationstechnik noch mit viel Handarbeit und Liebe zum Detail gemacht sind. Daher sollte man sich den kleinen Aufpreis gönnen und eine aufgearbeitete HD-Fassung organisieren, da der Film so noch einmal deutlich gewinnt. Dass an der ein oder anderen Stelle die physikalischen Gesetze außer Kraft gesetzt scheinen und auch das Schauspiel gelegentlich, wenn auch zeittypisch, überzogen wirkt, kann man dem Film voll und ganz verzeihen. Ich war die rund 2 ½ Stunden bestens unterhalten und kann „The Towering Inferno“ jedem ans Herz legen, der ein Faible für Katastrophenfilme und gute Klassiker besitzt.

Wertung:

8.0

Trailer:

Whiplash (oder: Drummen bis der Arzt kommt)

81IZ+jmij2L._SL1500_Jahr: 2014
Regie: Damien Chazelle
Laufzeit: 106 Minuten
Budget: 3,3 Mio.$
Academy Award: Bester Nebendarsteller, Bester Schnitt, Bester Ton
Sowie Nominiert: Bester Film, Beste Regie

Der Inhalt kurz und knapp:

Leidenschaft, die Leiden schafft? Dies könnte das Motto des fiktiven Shaffer Conservatory sein, eine der besten Musikschulen der USA. Denn hier arbeitet, man könnte auch sagen regiert, Terence Fletcher (J.K. Simmons), dessen Band die begabtesten Musiker der Schule beherbergt. Toll! Könnte man meinen, wenn man es in diese exklusive Gruppe geschafft hat, doch dummerweise ist Fletcher ein exzentrischer Autokrat vor dem Herrn. Dieser sieht es als oberstes Ziel das letzte bisschen Talent aus seinen Zöglingen an die Oberfläche zu befördern und scheut dabei vor keiner Demütigung seiner Schüler zurück. Das muss auch Andrew (Miles Teller) am eigenem Leib erfahren, dessen Passion das Schlagzeugspielen ist. Doch anstelle sich aus der Band zurückzuziehen, nimmt Andrew die Herausforderung an und versucht sich die Gunst seines Meisters zu erspielen. Dafür ist er auch bereit alles zu opfern, stellt Privatleben und andere Interessen hinten an. Dass seine Leistungen trotzdem nicht ausreichen, zumindest für Fletcher, führt irgendwann selbstredend zum großen Konflikt zwischen Schüler und Lehrer. Hieraus resultieren für beide Seiten folgenschwere Konsequenzen, während für Andrew seine einstige Leidenschaft zur handfesten Bürde wird.

Die Meinung:

Ein Film wie ein fulminantes Schlagzeugsolo! Anders als sonst, möchte ich mein Fazit vorwegnehmen. „Whiplash“ ist der beste Film aus dem 2014, den ich bisher sehen konnte und dürfte sich langfristig unter meinen Lieblingsfilmen wiederfinden. Paff – ein dickes Brett! Steigen wir direkt ein – was macht den Film so grandios?

Besonders die beiden Darsteller und ihre jeweiligen Leistungen. Dass J.K. Simmons mit dem Oscar für die besten Nebendarsteller erhalten hat (auch wenn ProSieben leider nicht in der Lage war dies zu übertragen), freut mich ungemein und ist mehr als gerechtfertigt. Simmons füllt die Rolle des cholerischen Fletchers perfekt aus und ist vor allem eins – authentisch. So authentisch, dass ich als Zuschauer einen riesigen Respekt vor der Figur Fletcher aufbaute und beinahe physisch mit dem immerhin fiktiven Andrew mitlitt. Vor allem die Szenen, in denen Simmons geradezu explodiert und auf seine Schüler losgeht sind von einer unglaublichen Kraft getragen. Gleichzeitig nimmt das Drehbuch Fletcher auch wieder zurück und lässt ihn ruhig und zurückgenommen auftreten, wobei die Figur jedoch wieder in Startlöchern steht die nächste Explosion zu vollführen. Einfach große Schauspielkunst.

Doch auch Miles Teller macht seine wirklich stark, wenngleich seine Rolle gänzlich anders ausgelegt ist. Andrew ist ein eher schüchterner, introvertierter Charakter, der über die Laufzeit auch eher geringe Anteile am Dialogumfang besitzt. Gleichzeitig ist Miles jedoch auch von seiner Leidenschaft, dem Schlagzeugspielen, besessen und will die Anforderungen von Fletcher erfüllen. Nicht gerade einfach diesen Spagat zu spielen, doch Miles Teller macht hier einen exzellenten Job. So ist es sehr spannend mit anzusehen, wie Miles in der einen Szene sehr zurückgenommen mit seiner Familie am Esstisch sitzt und in der nächste Szene bis zur völligen Erschöpfung im Proberaum sein Spiel verbessert.

Die Geschichte an sich ist mit Sicherheit nicht die originellste, nicht gerade die vielschichtigste. So macht die Handlung wenige Abstecher nach links oder rechts, einmal abgesehen von einer kurz angedeuteten Liebesgeschichte und auch die unerwarteten Wendungen sind an einer Hand abzuzählen. Doch gerade das macht für mich „Whiplash“ groß, der sich ganz auf seine Charaktere fokussiert und die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler darstellt. Dabei greift der Film das Thema auf, wie intensives Arbeiten, stetiges Üben und Verbessern dazu führen kann, dass das wichtigste an einer Sache verloren geht. Nämlich die ursprüngliche Freude und Begeisterung, und dass schließlich die Verbesserung der Leistung zum reinen Selbstzweck wird. Das ist alles keine Erfindung von „Whiplash“, doch selten so brillant dargestellt wie hier.

Ein Punkt der ebenfalls stark zum Filmvergnügen beiträgt, ist natürlich die Musik – klar, handelt es sich doch um einen Film über Musik. Auch wenn ich kein großer Jazz-Fan bin, haben mir die größtenteils klassischen Stücke sehr gut gefallen. Denn diese sind toll arrangiert, so dass man sich in den Szenen im Proberaum oder auf Bühne geradezu involviert fühlt. Gleichzeitig bekam ich als Zuschauer ein Gefühl dafür, warum diese Stücke geprobt und gespielt werden und worin die Schwierigkeit für einen Musiker besteht, eine gute Leistung zu erbringen.

Tja, was soll ich hier noch groß Jubeln? Ich habe im Grunde nichts an „Whiplash“ auszusetzen. Der Film ist ein durch und durch gelungener Film, obendrein von einem Regisseur, dem man mit seinen 30 Lenzen zu Recht als Newcomer bezeichnen kann. Ich denke, dass ich den Film in Zukunft noch mehrmals bewundern werde und kann nur hoffen, dass dieser dann noch die gleiche Wucht mitbringt, wie bei meiner Erstsichtung!

Das Fazit (für Lesefaule):

Was ein Film! „Whiplash“ hat mich mit voller Wucht gepackt und mich umgehauen. Dabei hat „Whiplash“ genau genommen keine besonders elaborierte Geschichte, sondern beschreibt ein Thema, welches so, oder so ähnlich schon mehrmals versucht wurde zu erzählen. Doch gerade durch die reduzierte Präsentation und ohne unnütze Schnörkel, macht der Film einfach nur Spaß. Besonders zum Vergnügen tragen die beiden maßgeblichen Darsteller bei, welche die ihnen zugedachten Aufgaben mit Bravour erfüllen. Natürlich sticht J.K. Simmons durch seinen cholerischen Charakter deutlicher hervor, doch auch die Leistung von Miles Teller, den eher ruhigen Gegenspieler zu geben, muss hoch gelobt werden. Ich jedenfalls habe bei nahezu jeder Minute mitgefiebert, teilweise auch gelitten, und war beim Abspann enttäuscht, dass die 106 Minuten tatsächlich schon vorbei waren. Großes Kino! Eine klare Empfehlung für… eigentlich jeden, der großartige Filme mag.

Wertung:

9.5

Trailer: