Prometheus (oder: Augen auf beim Urnenkauf)

81CWS6hSULL._SL1500_Jahr: 2012
Deutscher Titel: Prometheus – Dunkle Zeichen
Regie: Ridley Scott
Laufzeit: 124 Minuten
Budget: ca. 120 Mio. $
Academy Awards: Beste visuelle Effekte (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Das Jahr 2089 – in einer schottischen Höhle finden die beiden Wissenschaftler Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) und Charlie Holloway (Logan Marshall-Green) Beweise dafür, dass in grauer Vorzeit Außerirdische die Erde besucht haben und sogar Hinweise hinterließen, wo sie zu finden sind. Praktischerweise verfügt die Menschheit inzwischen über die Möglichkeit der instellaren Reise und prompt ist auch ein reicher Tycoon gefunden, der diese finanziell ausstattet. Gesagt, getan, startet die Reise zur Suche der „Konstrukteuren“ samt einer illustren Schar an Wissenschaftlern, Bordbesatzung und dem obligatorischen Androiden. Doch an dem Mond LV-223 angekommen, entpuppt sich die Hoffnung mit den Fremden zu einer gemütlichen Plauderrunde zusammenzukommen als einen fatalen Irrtum. Denn aus Gründen sind die Konstrukteure nicht besonders gut auf die Menschheit zu sprechen, was sich infolge letal auf die Reisegruppe ausübt.

Die Meinung:

Eigentlich wollte ich „Prometheus“ nach meiner Erstsichtung vor rund 2 Jahren keiner Kritik mehr unterziehen. Um es an dieser Stelle vorwegzunehmen: Der Film hatte mich auf ganzer Linie enttäuscht, ja sogar verärgert zurückgelassen. Doch nun, mit ein wenig Abstand zu der Erstsichtung, wollte ich möglichst unvoreingenommen dem Film eine zweite Chance geben. Hatte ich mich also geirrt mit meiner damaligen Sicht der Dinge oder ist der „Prometheus“ auch mit ein wenig Abstand betrachtet eine herbe Enttäuschung?

Nunja, auch wenn ich nach der Zweitsichtung mit einem etwas besseren Gefühl aus „Prometheus“ gegangen bin, ist Ridley Scotts neuester Alien-Streich im besten Falle durchschnittliche SciFi-Kost. Das größte Manko an „Prometheus“ ist sein völlig konfuses, sprunghaftes und teils mit hanebüchenen Wendungen versehendes Drehbuch. Dieses wirkt in sich unschlüssig, welche Geschichte überhaupt erzählt werden soll. Ein klassisches Prequel, welches die Vorgeschichte zur Alien-Reihe erzählt? Oder dann doch eher ein eigenständiger Film, der nur lose in dem Universum stattfindet, in dem sich ansonsten die Aliens tummeln? So wirklich klar ist sich „Prometheus“ hier definitiv nicht.

Wo es bereits im Groben im Getriebe knirscht, fängt es dann auch im Kleinen schnell an zu bröckeln. Man sollte generell (besonders jedoch auch bei Science-Fiction) nicht zu genau nach Logiklöchern oder Unsinnigkeiten im Drehbuch suchen, macht man sich hierdurch doch gerne das Filmerlebnis kaputt. Doch präsentiert Scott in „Prometheus“ derart viele und teils absurde Wendungen, dass der Film schlicht und ergreifend darunter leidet. Seien es völlig unbegabte Wissenschaftler, fragwürdig handelnde Androiden oder eine Hauptdarstellerin, die ein Drittel des Films mit einem frischen Kaiserschnitt herumläuft… All das zerschießt die eigentlich äußerst atmosphärische Grundstimmung des Films.

Doch hiermit nicht genug. Ein großer Vorteil des Films ist sein durchaus guter Cast, den Ridley Scott hier um sich versammeln konnte. Allerdings weiß das Drehbuch in weiten Teilen nichts mit dieser Fülle an Schauspielern anzufangen und verheizt diese in belanglosen Nebenrollen. So wäre der Film wunderbar ohne die Rolle der Meredith Vickers (Charlize Theron) ausgekommen. Denn was trägt diese Rolle zu „Prometheus“ bei? Nichts. Ebenso wird Idris Elba als Captain Janek in einer unbedeutenden Nebenrolle verschwendet.

Doch wie bereits gesagt, ist „Prometheus“ kein durchgängiger Reinfall. Was ganz klar für den Film spricht ist seine stimmungsvolle Optik und das hochwertige Produktionsdesign. Dabei wird ganz klar an den alten Stärken vom 1979er „Alien“ angeknüpft, ein Verdienst mit Sicherheit auch von HR Giger, der sein unverkennbares Design in die Produktion noch einmal mit einbringen konnte. Auch die schauspielerische Leistung stimmt beim Großteil der Akteure. Michael Fassbender als Android David leistet großartiges, aber auch Noomi Rapace als tragendes Element kann durchaus glänzen.

Doch unterm Strich bleibt „Prometheus“ weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Leider suggeriert das Ende (wie mittlerweile auch bestätigt) ein Sequel des Prequels. Bei dem gewählten kruden Abschluss des Films (und damit Beginn des Nachfolgers) kann ich nur Schlimmes erahnen und bin mehr als skeptisch. Doch vielleicht bekommt das Drehbuch dieses Mal ein bisschen mehr gerade Linie verpasst und dafür weniger unsinnige Elemente – ich würde mich sehr darüber freuen.

Das Fazit (für Lesefaule):

Weder Fisch noch Fleisch – das könnte ein kompaktes Fazit von „Prometheus“ sein. Wo der Film in den ersten 15-20 Minuten noch zu überzeugen weiß, gerade durch die atmosphärischen Bilder der Eingangssequenz, zerfällt der Gesamteindruck nach und nach durch ein ungeschicktes Drehbuch. Generell entstand bei mir der Eindruck, dass (zu) viele Autoren an dem Werk mitgewirkt haben müssen, getreu dem Motto: Viele Autoren zerschreiben den Brei. Das fängt bereits bei der allgemeinen Ausrichtung der Story an. Will „Prometheus“ein waschechter „Alien“-Film sein oder dann doch andere Themen behandeln? Das wird im Verlaufe des Films immer unklarer, wozu dann teils absurde Handlungen dargeboten werden, wobei sich die Frage stellt, ob der kryogene Tiefschlaf die Zurechnungsfähigkeit nachhaltig schmälert.

Wertung:

Die Alien spielen eine Runde Vier gewinnt!

4.0

Trailer:

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To Rome With Love (oder: Unter der Dusche hört dich niemand singen)

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Jahr: 2012
Regie: Woody Allen
Laufzeit: 112 Minuten
Budget: 17 Mio. € (24,8 Mio. $)

Der Inhalt kurz und knapp:

Rom – die ewige Stadt. Wer schon einmal durch die italienische Hauptstadt wandelte und die zahllosen alten Gebäude, Ruinen und Pflasterstraßen betrachtete, wird sich mitunter eine Frage gestellt haben. Was hat diese Stadt schon alles erlebt? Einen winzigen, wenn auch fiktiven, Ausschnitt hiervon präsentiert uns Woody Allen. Wie der geneigte Zuschauer bereits am Titel erahnen kann, werden vier Episoden aus der namensgebenden Metropole erzählt, die sich im weitesten Sinne mit der Liebe und deren Wirrungen und Irrungen beschäftigt. Da hätten wir einen singenden Bestatter, einen nostalgischen Architekten, einen berühmten Normalo und ein getrenntes Liebespärchen. Stellt sich nur die Frage, wie Rom das Leben dieser Menschen beeinflusst.

Die Meinung:

Nachdem mich meine letzte Kritik bereits in den Bereich der Liebesfilme brachte, kommt nun eines zum anderen und ich habe erneut einen Vertreter dieses Genres vor der Flinte. Allerdings ist „To Rome With Love“ dann doch etwas anders gelagert, immerhin handelt es sich um einen waschechten Episodenfilm. Doch damit nicht genug, denn Altmeister Woody Allen zeigt sich für die Umsetzung verantwortlich und springt zur Feier des Tages wieder einmal vor die Kamera. Klingt ja gar nicht mal so schlecht.

Ist es auch nicht. Episodenfilme haben, wie ich finde, immer ihren besonderen Reiz. Gleich mehrere Geschichten in einen einzigen Film zu verweben ist eine durchaus hohe Kunst und hat (richtig arrangiert) einen hohen Schauwert. „L.A. Crash“ und „Sin City“ sind 2 Filme dieses Typs und haben bei mir einen besonders guten Eindruck hinterlassen. Aus diesem Grund war ich sehr angetan als ich feststellte, dass es sich bei „To Rome With Love“ um einen reinrassigen Episodenfilm handelt.

Was bereits in den ersten Szenen auffällt ist die Woody Allen-™-typische Leichtigkeit des Films, gepaart mit einem sehr angenehmen Witz, der sehr subtil daherkommt und zum Schmunzeln anregt. Die Szenen spulen lockerleicht herunter und erzeugen so einen wunderbaren Filmfluss. Hier merkt man die ganze Routine von Woody Allen, der mich mit diesem Rezept auch schon bei „Midnight in Paris“ begeisterte.

Doch nicht alles ist Gold, was in der untergehenden, römischen Sonne glänzt. Was mich an „To Rome With Love“ besonders störte war die doch sehr schwankende Qualität der einzelnen Episoden. Während die Teile des duschenden Tenor und dem unfreiwilligen Star an Witz und herrlichen Momenten zu brillierten wussten, fielen die anderen beiden Teile dann doch ab. Vor allem der Alec Baldwin/Jesse Eisenberg-Teil konnte mich überhaupt nicht überzeugen, auch wenn ich mich über Ellen Page freuen konnte.

Was mich zudem an den Episoden störte war, dass diese überhaupt keine innere Verknüpfung besitzen. Außer das die Rahmenhandlung in Rom spielt und die Episoden irgendwas mit dem Thema Liebe zu tun haben, besitzen die Geschichten keinerlei gemeinsamen Nenner. Nicht einmal kleine Anspielungen untereinander sind vorhanden, wobei es eigentlich gute Gelegenheiten dazu gegeben hätte – schade, schade. Ein Beispiel wie ein solche Verknüpfung funktionieren kann zeigte dabei schon „4 Rooms“, bei dem der Page als verbindendes Element die Episoden koppelt, ohne dass dabei der Charme des Episodenfilms verloren ging.

Unterm Strich bleibt so ein Film der Kategorie „kann man sich anschauen, man hat im Zweifel aber nichts verpasst“. Was den Film vor Schlimmeren rettet sind definitiv seine großartigen Schauspieler und die filmische Souveränität von Woody Allen, der den Film mit einer einzigartigen Leichtigkeit bestückt. Doch sind gute Ideen für einzelne Episoden nicht ausreichend um einen tollen Episodenfilm zu schaffen. Hier wäre es mir sehr recht gewesen, wenn Allen aus den im Ansatz guten Teilen ein rundes, großes Ganzes gebaut hätte.

Das Fazit (für Lesefaule):

Die Reise im Allen-Euro-Express geht nun also weiter – von Paris nach Rom. Was demnach wie eine muntere Fortsetzung des grandiosen „Midnight in Paris“ klingt, ist am Ende dann ein solider, allerdings auch nur mäßiger Episodenfilm. Woran hapert es? Sicherlich nicht an dem (wieder einmal) tollen Cast, den Woody Allen zusammentrommeln konnte. Die Schauspieler, dem Proporz folgend zu gleichen Teilen besetzt aus Europa und den USA, passen wunderbar auf die ihnen zugedachten Rollen. Auch der Woody Allen-™-typische, subtil mitschwingende Humor kommt gut an und lockert die Handlung angenehm auf. Was mich persönlich störte waren die Episoden, aus welchen der Film strukturiert ist. Diese stehen für sich jeweils völlig alleine und behandeln für mich zu unterschiedliche Themen. Obendrein war mein Interesse an den erzählten Geschichten sehr schwankend. Während ich jede Szene des duschenden Tenors abfeierte, musste ich mich eher quälend mit Alec Baldwins verflossener Jugendaffäre abkämpfen. So bleibt unterm Strich ein solider Film, der jedoch in Teilen sehr beliebig und fade wirkt.

Wertung:

Ein italienisches 6-Gang-Menü vor der Spanischen Treppe.

6.0

Trailer:

Lincoln (oder: der 1-Zylinder-Motor)

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Jahr: 2012
Regie: Steven Spielberg
Laufzeit: 150 Minuten
Budget: 65 Mio. $
Academy Awards: Academy Awards: Bester Hauptdarsteller (gewonnen), Bestes Szenenbild (gewonnen), Bester Film (nominiert), Bester Nebendarsteller (nominiert), Beste Nebendarstellerin (nominiert), Beste Regie (nominiert), Bestes adaptiertes Drehbuch (nominiert), Beste Kamera (nominiert), Bester Schnitt (nominiert), Bestes Kostümdesign (nominiert), Beste Filmmusik (nominiert), Bester Ton (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Wir schreiben das Jahr 1865. Der Amerikanische Bürgerkrieg geht in sein fünftes und letztes Jahr. Hunderttausende sind bereits auf den Schlachtfeldern Nordamerikas gestorben. In dieser Phase beginnt in Washington eine politische Gratwanderung des Präsidenten Abraham Lincoln. Dieser versucht den 13. Verfassungszusatz durchzudrücken, der die Sklaverei in den USA endgültig verbieten soll. Doch leider besitzt der republikanische Präsident im Repräsentantenhaus nicht die ausreichende Zweidrittelmehrheit um die Verfassung ändern zu können. So gilt es die eigene Fraktion von dem Vorhaben zu überzeugen, aber auch einen ausreichend großen Anteil aus den Reihen der Demokraten zu lösen. Beides stellt sich hierbei als nicht besonders einfach heraus, jedoch ist Abe Lincoln nicht nur ein politischer Fuchs vor dem Herrn. Vielmehr besitzt er den unbedingten Willen diesen besagten 13. Zusatzartikel durchzubringen, entgegen allen Schwierigkeiten, und somit die Sklaverei zu beenden.

Die Meinung:

Historienfilme sind so eine Sache für sich. Ich selbst finde das Genre durchaus spannend, vermag es doch eher trockene historische Kost aufzubereiten und dem Zuschauer als filmische Umsetzung zugänglich zu machen. Natürlich geht man hierbei immer ein Risiko ein, dass mit dieser Aufbereitung eine mehr oder minder starke Geschichtsverfälschung einhergeht. Dennoch empfinde ich diesen Ansatz als sehr sinnvoll, dem Zuschauer so einen Zugang zu historischen Ereignissen zu verschaffen.

Nun ist also der 16. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Protagonist seines eigenen Biopic. Wobei dies dem Film nicht in Gänze gerecht wird, da sich der Film nicht nur der Person Lincoln annimmt, sondern auch dessen relevantester Tat – der Beendigung der Sklaverei in den USA. Wie schlägt sich nun also Steven Spielbergs neuester Streich?

Gut. Sehr gut sogar. Um es an dieser Stelle vorwegzunehmen: Ich bin ziemlich begeistert von „Lincoln“. Trotz seiner stattlichen Laufzeit von beinahe zweieinhalb Stunden, nahm mich die Handlung die volle Laufzeit mit und offenbarte nahezu keine Durchhänger im Niveau des Handlungsbogens. Dabei schafft es das Drehbuch aus dem historischen Material einen durch und durch spannend geschriebenen Plot zu kreieren, der von Altmeister Spielberg in gewohnt cineastischer Manier aufbereitet wird. Dabei verzichtet „Lincoln“ positiverweise auch auf allzu großen Pathos und vor allem auf unnötige Auszüge der zahllosen Schlachten zu dieser Zeit. Das tatsächliche Schlachtfeld befindet sich in diesem Film im politischen Washington.

Neben dem fantastischen Drehbuch und der Inszenierung, ist vor allem die Leistung von Daniel Day-Lewis zu würdigen. Dieser füllt die Figur des Abraham Lincolns mit Leben aus und zeigt einen sehr vielschichtigen Menschen, der bei allem Nachdruck sein Ziel zu erreichen, dennoch einen unglaublich warmen Typ Menschen abgibt. Inwieweit das der realen Figur nahe kommt vermag ich nicht zu sagen, gefallen hat mir dieser Lincoln jedoch sehr. Doch auch neben Day-Lewis zieht eine illustre Schar toller Schauspieler ins Feld, besonders zu nennen hierbei wären meiner Meinung nach Tommy Lee Jones und James Spader.

In diesem Zusammenhang fielen mir des Öfteren Szenen auf, die etwas aus dem Film fielen. Einige Sequenzen erinnern optisch, aber auch vom Textaufbau an Theaterszenen. Das verwirrte mich zunächst leicht, gefiel mir im Nachhinein jedoch sehr gut. Etwas störend hingegen wirkte auf mich der Umstand, dass in „Lincoln“ oftmals wild durcheinandergesprochen wird. Eine Eigenart, die ich eher aus älteren Filmen kenne, und allgemein nicht besonders schätze. Doch das ist eine persönliche Präferenz.

Wenn ich dem Film jedoch wirklich etwas ankreiden wollen würde, dann wäre es seine thematische Einstiegshürde für jeden Nicht-Amerikaner. Denn der Film setzt einiges an Vorwissen voraus, möchte man der Handlung inhaltlich auch wirklich folgen können. So nimmt sich „Lincoln“ keine Zeit seine wichtigsten Figuren einzuführen und Hintergrundinformationen zu verraten. Nö. Da muss der geneigte Zuschauer thematisch schon im Saft stehen und wissen, welche Gegen- und Mitspieler Lincoln während seiner Amtszeit im Repräsentantenhaus oder an sonstiger Stelle in Washington hatte. Im Grunde ist diese Entscheidung des Films sinnvoll, da so mehr Zeit auf die Handlung entfallen kann. Zudem dürfte eh jeder Absolvent einer High School die dargestellten Personen (hoffentlich) kennen. Für mich als Europäer, mit nur rudimentären Kenntnissen des Amerikanischen Bürgerkriegs, ergaben sich jedenfalls einige größere und unangenehme Fragezeichen über dem Kopf.

Doch für meine Unwissenheit will ich „Lincoln“ nicht verantwortlich machen. Der Film ist toll gespielt, toll geschrieben und handwerklich einfach großartig inszeniert. Somit kann ich „Lincoln“ jedem empfehlen, der sich ein wenig für diesen Teil der Geschichte interessiert und obendrein einen schlicht und ergreifend tollen Film sehen mag. Ich bin jedenfalls sehr begeistert.

Das Fazit (für Lesefaule):

Wow! So plastisch-greifbar kann eine Geschichtsstunde sein. „Lincoln“ ist mit Sicherheit einer der besten Historienfilme, die ich je gesehen habe. Dabei macht es der Film einem als Europäer wahrlich nicht einfach und kommt mit zahlreichen Einstiegshürden daher, ist man nicht ganz sattelfest in US-amerikanischer Geschichte. Denn der Film setzt einiges an Vorwissen voraus, führt seine Figuren weder ein, erklärt nicht deren politischen Standpunkt oder deren persönlichen Hintergrund. Klar, sind diese Fakten mit Sicherheit Standardinhalte jeder amerikanischen Mittelschule. Dennoch wirkte der Zauber von „Lincoln“ auch auf mich und ließ mich erahnen, warum der 16. Präsident der Vereinigten Staaten bis heute besondere Verehrung genießt. Besonders hervorzuheben an dieser Stelle ist die grandiose schauspielerische Leistung von Daniel Day-Lewis. Er schafft es aus einer historischen Figur, eine im wahrsten Sinne des Wortes atmende und lebendige zu schaffen. Zusammen mit einer grandiosen spielberg’schen Inszenierung bricht der Film die weltgeschichtliche Kruste der Begebenheiten des Jahres 1865 auf und transportiert die gesellschaftliche und persönliche Dramatik greifbar in die Gegenwart. Somit erreicht „Lincoln“ das, woran viele andere Historien scheitern – Geschichte greifbar zu machen und spannend zu erzählen.

Wertung:

Eine erbitterte Abstimmung, bei der schließich 8,5 von 10 Delegierte zustimmen.

8.5

Trailer:

Taken und Taken 2 im Doppel (oder: Ein Mann unter Strom)

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Jahr/Regie: 2008 / Pierre Morel 2012/ Olivier Megaton
Laufzeit: 93 Minuten 98 Minuten (Extended Cut)
Englischer Titel: Taken Taken 2
Deutscher Titel: 96 Hours 96 Hours – Taken 2
Budget: 25 Mio. $ 45 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Kind, steige nie mit Fremden zusammen in ein Taxi! So, oder so ähnlich, ergeht des Öfteren ein elterlicher Rat an den Nachwuchs. „Eltern!“…, denkt sich hier Kim Mills (Maggie Grace), als diese einen Abstecher nach Paris unternehmen will. Als diese dort von einer albanischen Gruppe von Menschenhändlern entführt wird, denkt sich nicht nur diese, dass sie lieber auf den Rat gehört hätte. Doch glücklicherweise hat die entführte Kim einen Vater (Liam Neeson) mit speziellen Fähigkeiten, die er bei einer der zahllosen amerikanischen Geheimdienstorganisation erlernt hat. Kurzerhand reist Bryan Mills nach Frankreich und nimmt die Spur der Verbrecher auf. Bei dieser Verfolgungsjagd bleibt kein Auge trocken und keine 9-Millimeter unbenutzt, denn es bleiben nur 96 Stunden, bis sich die Spur verliert.

Was im ersten Teil der Reihe beginnt, setzt sich folgerichtig im zweiten fort, als die Familien der zahlreichen zur Rechenschaft gezogenen Menschenhändler ihrerseits Rache fordern. Bryan Mills, mittlerweile wieder als Personenschützer tätig, steht nun auf der Abschussliste dieser Familien, wobei nun er der Gejagte wird. Zum Glück steht ihm seine Tochter zur Seite, die er (Achtung: Spoiler!) natürlich zu retten vermochte. So versuchen Bryan und seine Familie den Rachegelüsten der albanischen Sippschaft zu entgehen, wobei erneut die Magazine schneller geleert, als unnötige Fragen gestellt werden können.

Die Meinung:

Chapeau! Mit gestandenen 56 Jahren noch eine Karriere als Actionstar zu beginnen… Da hört so mancher Kollege zu Gunsten seiner Gelenke lieber auf und sattelt in ruhigere Gefilde um. Doch nicht Liam Neeson, der 2008 diese neue Seite seines Schauspielertums entdeckte. Heute soll es um seinen Einstieg in den Actionthriller gehen – „Taken“. Doch damit nicht genug, da ich mittlerweile beide Teile als gesehen abhaken kann, bot sich für dieses Review ein gemeinsames Abfrühstücken von „Taken“ und dessen Nachfolger „Taken 2“ an. An dieser Stelle möchte ich bereits darauf hinweisen, dass die Filme hierzulande als „96 Hours“ und „96 Hours – Taken 2“ bekannt sind. Auf die Unsinnigkeit solcher Titel-Lokalisierungen möchte ich nicht näher eingehen – dazu könnte man einen eigenen Artikel verfassen. Doch nun zur eigentlichen Frage: Wie schaut sich die „Taken“-Reihe bis hierher?

Toll schaut es sich! Im wahrsten Sinne des Wortes. Die mit beste Eigenschaft am ersten „Taken“ ist seine schnörkellose, durchgehend konsequente und auf den Punkt knackige Inszenierung. Die Szenen des Films greifen, nach einem minimalen Prolog, schonungslos ins Zelluloid. So ist der Film durch die Bank zügig erzählt und lässt nahezu keine Pausen oder Durchhänger zu, wobei ein perfekter Schnitt und eine sehr gekonnte Kamera das Geschehen einfängt. Hierdurch rauschen die knapp anderthalb Stunden sehr flott am Zuschauer vorbei, der kaum Zeit hat sich zu Erholen oder sich irgendwelche tiefere Gedanken zum Film zu machen.

Das ist dann auch durchaus positiv, da die Geschichte von „Taken“ und dem späteren „Taken 2“ dann doch sehr dünn ist. Vor allem im ersten Teil ist Liam Neeson nicht nur im Film, sondern auch als Schauspieler auf sich alleine gestellt. Die weiteren Charaktere, wie Tochter Kim oder Exfrau Lenore (Famke Janssen), sind bestenfalls Mittel zum Zweck, haben letztlich auch kaum Anteile vor der Kamera. Somit bleibt folgerichtig auch wenig Potential im Film, welches sich in eine vielschichtige oder komplexere Storyline verwandeln könnte. Des Weiteren stellt einen die Handlung der Filme durchaus vor die Frage, ob eine solche Rache- und Gewalttour moralisch zu rechtfertigen ist. Doch durch das schnelle Filmtempo, schoben sich diese Fragen bei mir dann doch bis an das Filmende. Insofern bietet das Actionfeuerwerk die richtige Ablenkung.

Da wären wir dann auch schon bei Liam Neeson, zu dem es natürlich ein, zwei Takte zu sagen gilt. Für mich funktioniert der Charakter Bryan Mills, als Rolle für Liam Neeson perfekt. So bringt der Ire für mich eine grandiose Mischung aus professioneller Ruhe und absoluter Entschlossenheit mit. Der dadurch entstehende Eindruck passt absolut auf die Figur und ist hauptsächlich verantwortlich für das konstant hohe Spannungslevel. Natürlich nicht das größte Schauspiel seiner Karriere, aber genau der richtige Ton für diesen Film.

An dieser Stelle kann ich also das Zwischenfazit geben, dass ich „Taken“ für einen durchaus gelungenen Actionthriller halte. Super arrangiert und inszeniert, dabei in seiner kompletten Laufzeit sehr spannend und unterhaltsam. Allerdings ist die Story reichlich eindimensional, vorhersehbar und in Teilen schon als moralisch fragwürdig zu sehen. Das als solches wäre eigentlich kein Problem, wenn der Film sich mit den Entscheidungen des Protagonisten auseinandersetzen würde. Das tut er jedoch leider nicht, da hierzu auch einfach keine Zeit bleibt. Doch unterm Strich konnte ich hiermit leben. Spaß gemacht hat der Film allemal.

Für „Taken 2“ kann ich im Wesentlichen auf die oberen Absätze verweisen – jedoch mit einer größeren Einschränkung. „Taken 2“ kann wiederrum durch eine flotte Inszenierung punkten und durch einen spannungsvollen Handlungsbogen. Das aber auch erst nach etwa einem Drittel des Films. Zu Beginn dümpelt der Film im Nirvana von Familienproblemen vor sich hin und weiß nicht so genau wo er hin will. Hier dauert es mir einfach doch zu lange, bis der Teil der Handlung abgehakt ist und es wirklich losgeht. Denn wirklich viel zum Film beitragen tut der Beginn nicht.

Bereits der erste Trailer zum zweiten „Taken“ zeigte den Ansatz auf, dass Tochter Kim einen aktiveren Part übernehmen würde. Eigentlich keine falsche Wahl, jedoch hatte ich den Eindruck, dass diese zur Nachwuchsagentin herangezogen wurde. Doch hier kann man Entwarnung geben. Die Tochter hat mehr Anteile an Film, bleibt jedoch weiterhin die Tochter und agiert in ihrem Rahmen durchaus nachvollziehbar. Tatsächlich hat mir dieser Aspekt doch sehr gut gefallen, da 90 Minuten Liam Neeson ein zweites Mal dabei zu beobachten, wie er im Alleingang die Pistole sprechen lässt, dann doch sehr langweilig geworden wäre.

Unterm Strich ist auch „Taken 2“ solide produziert, hat jedoch durch den lahmen Beginn und einige Durchhänger im Mittelteil dann doch nicht den filmischen Reiz des ersten Teils. Dennoch konnte mich auch das Sequel überzeugen und bot kaum Zeit für Nörgeleien. Wer sich mit dem ersten anfreunden konnte, der dürfte sich eigentlich auch beim zweiten zu Hause fühlen, auch wenn das Niveau nicht in Gänze gehalten werden konnte. Zumal „Taken 2“ nichts wirklich originelles bieten kann.

Das Fazit (für Lesefaule):

Die „Taken“-Reihe (bis zu diesem Punkt, denn schließlich ist ein dritter Teil geplant) ist eine spannend geschrieben, wenn auch mit allerlei Klischees angereicherte, Thriller-Serie. Insbesondere der erste Teil ist eine beinahe ungewöhnlich kompromisslose Liam Neeson One-Man-Show, die vor allem durch ihr hohes Tempo überzeugt. Keine Szene scheint zu viel, die Einstellungen und Schnitte wirken sehr knackig ohne ins Hektische zu fallen. Während der rasanten Fahrt durch Paris, ist man hierdurch viel zu abgelenkt als sich die Frage zu stellen, ob das eigentlich alles moralisch koscher abläuft. Das wird gekonnt an den Abspann des Films geschoben, wo solche Gedankenspiele aber auch besser aufgehoben sind als mitten im Film. Insgesamt eine klare Empfehlung für Freunde des Genres!

Der zweite Teil fiel bei mir vor allem durch einen etwas ungeschickt arrangierten Trailer auf, der einige schlimme Eskapaden des Drehbuch erahnen ließ. Doch unterm Strich führt der zweite Taken-Teil den ersten logisch fort und schwenkt den Blick etwas mehr in Richtung der Familie von Bryan Mills. Somit geht ein wenig die Fahrt aus der Geschichte verloren, so dass „Taken 2“ erst im späteren Verlauf die Stärken des ersten Teils aufnehmen kann. Leider greift der Film (wie auch schon sein Vorgänger) etwas ungestüm in die Kiste bekannter westeuropäischer Ressentiments vor dem immer noch fremden Osteuropa. Doch insgesamt ist auch „Taken 2“ ein spannender und knackig erzählter Actionthriller, der nur leicht hinter dem ersten Teil herhinkt.

Wertung:

Die Preise auf dem internationalen Markt für Schwarzpunkte lauten momentan:

7.5 6.0

Trailer:

Life of Pi (oder: Der Weckt den Tiger in dir)

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Jahr: 2012
Deutscher Titel: Life of Pi – Schiffbruch mit Tiger
Regie: Ang Lee
Laufzeit: 127 Minuten
Budget: 120 Mio. $
Academy Awards: Bester Film (nominiert), Beste Regie (gewonnen), Bestes adaptiertes Drehbuch (nominiert), Beste Kamera (gewonnen), Bestes Szenenbild (nominiert), Bester Schnitt (nominiert), Bester Tonschnitt (nominiert), Bester Ton (nominiert), Beste visuelle Effekte (gewonnen), Beste Filmmusik (gewonnen), Bester Filmsong (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Der junge Pi (eigentlich Piscine, aber da der Name so seine Tücken hat, dann doch eher Pi) Patel hat ein durchaus angenehmes Leben im französisch geprägten Teil Indiens. Seine Familie betreibt einen Zoo samt allerlei exotischer Tiere und Pi verliebt sich unsterblich in seine Traumfrau. Doch gerade als alles so perfekt erscheint, beschließt die Familie nach Kanada auszuwandern. Und da exotische Tiere reichlich kanadische Dollar bringen, werden diese und die komplette Familie auf einen Frachter geladen und die Reise über den Pazifik beginnt. Doch ist das Glück den tierischen und menschlichen Auswanderern nicht hold, da das Schiff in einem schweren Sturm sinkt. Nur Pi schafft es sich in ein Rettungsbot zu retten und bemerkt nach kurzer Zeit, dass er nicht alleine ist. Der Tiger des Zoos, mit dem selten seltsamen Namen Richard Parker ist mit ihm an Bord. Nun versuchen beide, Pi und Richard Parker, in der Nussschale zu überleben und erleben hierbei reichlich interessante Erlebnisse.

Die Meinung:

„Life of Pi“ lag schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf meinem Stapel der dringend abzuarbeitenden Filme. Tatsächlich hatte der Film es sogar schon mehrmals bis ins heimischen Abspielgerät geschafft, war dann aber doch kurzfristig noch abgelöst worden. Doch nun endlich schaffte Ang Lees vielbeschworenes Meisterwerk den Sprung auf meine Mattscheibe. Was kann ich nun also nach 2 Stunden sagen? Hat der Film die zahlreichen Auszeichnungen und Nominierungen verdient? Um ehrlich zu sein, nach der ersten halben Stunde hätte ich beinahe dem indischen Treiben ein jähes Ende bereitet.

Was war passiert? Meiner Meinung nach ist die erste halbe bis dreiviertel Stunde wirklich nicht gut gelungen. Größtenteils viskos langweilig zogen die ersten Sequenzen aus der Kindheit von Pi vorbei. Eine ziemlich abgenutzte Mischung aus Coming-of-Age-Elementen und einigem merkwürdigen Religionsschnickschnack, die man bisweilen als eine Lehrstunde in Glückskeks-Philosophie beschreiben könnte. Die Rollenaufteilung ist klar, Pi der eher introvertierte und gehänselte, gleichzeitig aber auch hochintelligente und nach dem Sinn des Lebens strebende. Ein Vater als genaues Gegenteil, der typische Kaufmann mit dem Sinn für die realen Dinge auf dieser Erde. Ein Mädchen im… Ach Mensch. Muss sowas denn sein? Wer will so etwas im Jahr 2013 sehen? Ich jedenfalls nicht.

Hier hat für mich der Trailer wirklich den Film gerettet, was wahrlich selten passiert. Ich saß mit tippenden Finger auf der Armlehne vor dem Fernseher und fragte mich: „Hallo Ang Lee? Wo sind denn die tollen Bilder aus dem Trailer?“ Und tatsächlich. Mit dem Betreten des Frachter beginnt der eigentliche Film und haute mich wahrlich um. Einen Film, der mich derart unterschiedlich in seinen zwei Teilen unterhielt, habe ich glaube ich nie zuvor gesehen.

Das dickste Brett an „Life of Pi“ ist sicherlich seine wahnsinnig fesselnde Optik. Hier haben die VFX-Virtuosen wahrlich grandiose Arbeit geleistet, was natürlich die Empörung nach Bekanntwerden der Produktionshintergründe durchaus rechtfertigt. Nachdem die beiden Protagonisten auf dem Ozean umherdümpeln, könnte man fast jedes Bild abfotografieren und sich hieraus ein schickes Hintergrundbild für das Betriebssystem der eigenen Wahl basteln. Dabei besitzen die Bilder teils einen fast märchenhaften Charakter und bilden so wunderbare Impressionen der Reise von Pi über den Ozean. Besonders der Tiger wirkt derart realistisch, dass ich mehrmals überlegen musste, ob der Tiger nicht vielleicht doch real aufgenommen wurde. Hier setzen die visuellen Effekte eine ganz neue Duftmarke und „Life of Pi“ ein Benchmark, was mit ausreichend Geld heutzutage möglich ist im Animationsbereich.

Inhaltlich kann „Life of Pi“ dann auch noch einmal richtig aufdrehen. Das Ende des Films ist auf den Punkt inszeniert und offenbart eine in alle Richtungen perfekt abgestimmte Allegorie, welche die komplette Handlungsebene des Films umwirft. So muss der Zuschauer die vergangenen Ereignisse auf der Reise von Pi in Frage stellen und neu bewerten. Aus diesem Kontext leitet der Film zudem schlussendlich eine charmante Sichtweise auf Religion ab, die mich noch mehrere Tage intensiv begleitete. Mit diesem Ende schafft dann „Life of Pi“ etwas, womit ich nicht mehr gerechnet hatte – den Sprung von der Glückskeks-Philosophie, hin zu einer starken inhaltlichen Aussage.

Das Fazit (für Lesefaule):

Das Prädikat “ Ein modernes Märchen“ wird geradezu inflationär verwendet, doch hier trifft es wirklich einmal zu. „Life of Pi“ ist, im wahrsten Sinne des Wortes, ein äußerst sehenswerter Film, mit wahnsinnig tollen Bildern. Technisch feuern die VFX-Künstler aus allen Rohren und zeigen, was mit der heutigen Technik alles möglich ist. Hierbei verlieren sie sich aber nicht in einer reinen Technikschlacht, sondern kreieren wunderschön stimmungsvolle Bilder, wie sie ein solches Märchen braucht. Inhaltlich beginnt der Film leider alles andere als überzeugend. Das erste Drittel des Films ist zur Einstimmung zwar nötig, bringt dem Film jedoch als solches keinen Schritt vorwärts sondern spielt mit völlig abgelutschten Plot-Fragmenten. Doch nach dem lahmen Beginn dreht der Film auf und endet mit einer bemerkenswerten Wendung, die den Zuschauer den Großteil des Films neu überdenken lässt. Als Rauswerfer bietet „Life of Pi“ dann noch eine überaus schwere Frage, die den einen oder anderen vielleicht noch deutlich länger beschäftigt als die Laufzeit des Films – bei mir war es definitiv der Fall.

Wertung:

Ohne den schleppenden Beginn wären es verdiente 9 Sterne gewesen, so bleiben aber immerhin noch 8 bissige Sterne übrig .

8.0

Trailer:

Argo (oder: Argo fuck yourself)

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Jahr: 2012
Regie: Ben Affleck
Laufzeit: 115 Minuten (Extended 129 Minuten)
Budget: 44,5 Mio. $
Academy Awards: Bester Film (gewonnen), Bester Nebendarsteller (nominiert), Bestes adaptiertes Drehbuch (gewonnen), Bester Schnitt (gewonnen), Beste Filmmusik (nominiert), Bester Ton (nominiert), Bester Tonschnitt (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

1979. Zwischen den USA und dem Iran herrscht keine allzu gute Stimmung. Immerhin hat die Iranische Revolution den Schah, ein guter Kumpel der USA, aus dem Land gejagt. Dieser versteckt sich nun bei seinen Gönnern, die sich wiederrum weigern diesen an die Revolutionäre auszuliefern. Als Reaktion hierauf stürmt ein wütender Mob, (einer dieser mit Fackeln, Mistgabeln und Kalaschnikows) die amerikanische Botschaft in Teheran. Ein Großteil der Mitarbeiter wird durch die Straßen getrieben und gerät in Gefangenschaft. Glücklicher erwischt es da ein kleines Trüppchen aus 6 Amerikanern, die es schaffen zu fliehen und in der kanadischen Botschaft untertauchen. Jetzt ist so ein Leben in einer Botschaft in feindlichem Land auf Dauer eher ungünstig (Julian Assange lässt grüßen), weswegen die CIA über eine Fluchtmöglichkeit nachdenkt. Da eine Tarnung als Lehrer oder eine wilde Fahrradfahrt bis in die Türkei doch eher untauglich daherkommen, setzt sich der CIA-Agent Tony Mendez mit einer interessanten Idee durch. Er will zur Tarnung einen fiktiven Film im Iran drehen und die 6 Botschaftsmitarbeiter als sein Produktionsteam verkaufen. Die Operation Canadian Caper und die „Dreharbeiten“ zum SciFi-Knüller Argo beginnen.

Die Meinung:

Ein Film aus Hollywood über fiktive Hollywood-Dreharbeiten, basierend auf realen Ereignissen. Mit Spannung hatte ich Ben Afflecks dritten Ausflug auf den Regiesessel erwartet, hatten mir Afflecks zuvor gedrehte Filme (Gone Baby Gone und The Town) doch sehr gut gefallen. Insbesondere The Town von 2010 ist mir als sehr gelungen im Gedächtnis geblieben, wobei Affleck hier sowohl als Darsteller und Regisseur eine überzeugende Gesamtleistung abrief. Dazu war Argo bei den Academy Awards 2013 zum besten Film gewählt worden. Vorschusslorbeeren sind also reichlich vorhanden, doch welche Figur macht Argo im heißen, wie revolutionären Iran?

Ein dickes Plus an Argo ist seine, für einen historischen Politthriller, sehr dichte Atmosphäre und ein stetiger Handlungsbogen, der wenig Pausen und Hänger aufkommen lässt. So flogen die immerhin 2 vollen Stunden schnell an mir vorbei, obwohl auf der eigentlichen Handlungsebene tatsächlich ein eher überschaubarer Inhalt abläuft. Die einzelnen Filmsequenzen sind durch eine geschickte Kamera- und Schnitttechnik zackig präsentiert, ohne dabei in wilde und unpassende Actionsequenzen abzudriften. Zudem ist der Look Ende der 70er Jahre gut erwischt worden, so dass man wirklich das Gefühl hat an den damaligen Ereignissen teilzunehmen.

Der Cast ist solide besetzt, bietet aber neben Affleck wenig Raum für großes Schauspiel. Die 6 Botschaftsflüchtling bleiben, wohl auch aufgrund geringer Screentime, blass bis maximal stereotyp. Ein wirkliches Highlight an Argo sind die eher die kleineren Nebenrollen von John Goodman (alias John Chambers) und Alan Arkin. So bringen die beiden Herren einen angenehmen Witz in die sonst doch sehr ernste Geschichte. Interessant ist hier auch der Blick hinter die Tore von Hollywood, die Mechanismen und Tricks, wie zumindest Ende der 70er Jahre Filme entstehen. Leider sind die Rollen recht klein gehalten und die Szenen an einer Hand abzuzählen, doch vielleicht war dies auch genau das richtige Mischungsverhältnis.

Schade finde ich es, dass Argo sich sehr auf das Schicksal der 6 Personen in der kanadischen Botschaft und deren Rettung fokussiert. Ich kann verstehen, dass der Film sich hauptsächlich auf die Befreiung dieser Truppe konzentriert – immerhin will der Film die Geschichte rund um Argo porträtieren (der Titel ist Programm). Dennoch tauchen während des Films immer wieder kurze Szenenfetzen auf, in welchen das Schicksal der übrigen Geiseln aufgezeigt wird um Spannung zu erzeugen. Doch was passiert mit diesen Geiseln? Werden diese befreit? Werden sie getötet? Was für Leute baumeln an mobilen Kränen? Dieser Teil der Geschichte im Jahr ’79 wird völlig ausgeblendet, so dass der geneigte Zuschauer am Ende doch selbst recherchieren muss. Hier hätte der Film meiner Meinung nach seinen Fokus etwas breiter legen müssen (zumal wenn er dieses Fass schon selbst aufmacht). Zudem bleibt bei mir der etwas fade Beigeschmack zurück, dass die menschenfreundliche Rolle der CIA etwas zu menschenfreundlich in die Geschichte eingerührt wurde – ohne die genaueren Zusammenhänge bewerten zu können.

Was bleibt am Ende also von Argo? Argo ist durchaus eine Empfehlung wert. So lässt sich der Film flott anschauen und hält den Zuschauer seine vollen 2 Stunden bei Laune. Doch so flott sich die 2 Stunden anschauen lassen, desto weniger Nachklang hatte Argo für mich. Am Ende fragt man sich, ob die 6 Flüchtlinge wirklich jemals in Gefahr waren, da das Ende als für alle Beteiligten als super duper Happy End aus dem Hut gezaubert wird. Alles in allem also angenehmes Popcorn-Kino, aber bei mir ohne große hinterlassende Spuren auf der Platte.

Das Fazit (für Lesefaule):

Argo fuck yourself! Nana, wer wird denn gleich so rabiat sein Mr. Arkin? Argo hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Die Begebenheiten von Candian Caper zu verfilmen lag geradezu auf der Hand, müsste sich so eine absurde Geschichte ein Drehbuchautor erst einmal ausdenken. Zudem würde er sich dies auch mit Sicherheit gut bezahlen lassen. Insofern hat Affleck ein glückliches Händchen bewiesen und zeigt wieder einmal sein handwerkliches Geschick, indem er diese historischen Ereignisse zu einem flott und spannend anzuschauenden Gesamtwerk arrangiert. Doch ist Argo für mich ein Film, der kaum bleibende Spuren zurücklässt. Es fehlt für einen Thriller an starken schauspielerischen Szenen, an prägnanten Dialogen oder an nennenswerten Wendungen. Für einen historischen Film bietet Argo hingegen einen zu engen Blick auf die Geschichte und blendet zu viele Nebenschauplätze aus. Dennoch ist Argo ein sehenswerter Film, dank seiner großartigen Geschichte, der jedoch für meinen Geschmack viel zu kurzweilig daherkam.

Wertung:

Das Ministerium für Kultur und islamische Führung vergibt 7 Punkte.

7.0

Trailer:

The Cabin In The Woods (oder: Fleischfressende Wassermänner)

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Jahr: 2012
Regie: Drew Goddard
Laufzeit: 95 Minuten
Budget: 30 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Fünf Kommilitonen machen sich auf zu einem Wochenende in einer abgelegenen Jagdhütte. Mit einem Reisemobil. Halt an einer ziemlich verlassenen Tanke, inklusive einem verwirrten Tankwart. Im Keller der Hütte allerhand gruseliger Kram und bald schon kommen halb verweste Hillbillies aus ihren Gräbern gestiegen… *gähn*
Doch Moment! In einer unterirdischen Anlage sitzen derweil Techniker in Hemd und Kragen und sorgen mit kleinen Manipulationen und Tricks dafür, dass sich alles in Richtung des erwarteten Zieles bewegt – der Tod der fünf. Was ist denn hier los, fragen sich nun also nicht nur die Todgeweihten, sondern auch der Zuschauer. Doch während letztere aus der beginnenden Trance erwachen, da nicht alles nach Schema 0815 abläuft, geht die tödliche Hatz auf erstere gerade erst los.

Die Meinung:

„Fünf Mitzwanziger auf einer Tour zu einer abgelegenen Hütte.“ Wer diese Zusammenfassung als Klappentext einer DVD in der Grabbelbox im Media Markt ließt, wird es sich dreimal überlegen, ob er die 4,99 bereit ist auszugeben. Zu oft wurde dieses Thema verwurstet, so dass es mittlerweile jedem aus den Ohren heraushängen müsste. Doch halt! In „The Cabin In The Woods“ wird schnell klar, dass es diesmal doch etwas anders kommt. Prompt macht der Film eine zweite Ebene auf und zieht den Zuschauer vor dem Bildschirm, direkt vor einen zweiten. Dazu in Gesellschaft von makabreren Technikern die alles Letale arrangieren. Was soll das also?

Nun, um es knapp auszudrücken – „The Cabin In The Woods“ ist eine Satire auf den klassischen Slasher-Film. Eine äußerst fein gezeichnete obendrein. Interessant ist vor allem, dass die untere Handlungsebene – nämlich die des Überlebenskampfes der Studenten – in den ersten zwei Dritteln tatsächlich als Slasher-Film funktioniert und nicht für die Satire geopfert wurde. Ein Gegenbeispiel stellt hier z.B. der ebenfalls sehr unterhaltsame „Tucker & Dale vs Evil“ von 2010 dar. In diesem Fall wird schnell klar, dass Tucker und Dale keine Bedrohung sind und die Satire hier vollkommen auf dem Standbein des großen Missverständnisses steht. „The Cabin In The Woods“ hingegen ist tatsächlich ein Slasher-Film, bei dem jedoch geschickt eine zweite Satire-Ebene eingezogen wurde. In dieser zweiten Ebene wird nun mit den zahlreichen Klischee und Wirkmechanismen des Genres gespielt und dabei stets ein sehr subtiler Humor gefahren. Hier wird dann aber auch alles angelandet, was das Genre zu bieten hat: Missglückte Fluchtszenen. Nicht funktionierende Handys. Der Folterkeller. Der gemeine Hillbilly an sich. Und natürlich die übliche Sex-Szene, bei der aber ja nicht zu viel zu sehen sein darf!

Interessant ist bei „The Cabin In The Woods“ vor allem die Darstellung der Techniker in der unterirdischen Kommandozentrale. Weiße Hemden, Krawatte, typische 9-to-5-Jobs. Durch Einleiten von Gas werden die Studenten manipuliert, im passenden Moment Fluchtstraßen versperrt. Für mich drängte sich hier eine klare Analogie zu der amerikanischen Filmindustrie auf, die ohne Skrupel auf Altbekanntes setzt und ihre Drehbuchautoren und Regisseure gerne dieselben durchgekauten Themen wieder und wieder aufköcheln lässt, bis die Geldkuh bis auf den letzten Tropfen ausgemolken worden ist. Ein bitterböser Blick, sicherlich aber kein unzutreffender.

Im letzten Drittel verliert der Film dann doch etwas an Schwung, wobei das Ende wieder einen ganz großen Moment darstellt und dem Zuschauer förmlich ins Gesicht schreit: „Nein, hier gibt es keine Fortsetzung! Der Film ist vorbei, basta!“ Sehr angenehm, Daumen hoch! Goddard und Whedon haben eine tolle Satire auf die Leinwand gebracht, die in dieser Form längst überfällig war. Ich würde jetzt sagen, dass ich gerne mehr davon sehen würde. Doch hoffe ich, bin mir allerdings auch sehr sicher, dass nichts nachfolgt. Oder vielleicht doch? Eigentlich wäre es fast konsequent, hat doch jeder einigermaßen erfolgreiche Slasher eine Fortsetzung – wer weiß.

Das Fazit (für Lesefaule):

Drew Goddard und Josh Whedon – Chapeau! Für angeblich nur drei Tage Arbeit am Script, haben die beiden Herren eine höchst unterhaltsame Satire über die Monotonie in Slasher-Filmen geschrieben. Das Großartige an „The Cabin In The Woods“ ist hierbei der subtile Humor, das Spielen mit einem ganzen Sack an Klischees – eine Eigenschaft, die der Film bis zum letzten Drittel knallhart durchhält. Hierdurch unterhält Goddard und Whedons Werk durch seine fein gezeichnete Satire, gleichzeitig funktioniert der Film aber nachwievor als Ableger des eigentlichen Genres und verfällt somit nicht zum reinen Zweckmittel. Der wohl größte Wurf der beiden Autoren – mir hat es sehr gut gefallen. Zum Schluss verliert sich der Film zwar ein wenig in seiner eigenen Logik – vielleicht war aber auch genau dies gewollt und setzt der Genre-Satire ein abschließendes Krönchen auf.

Wertung:

8(0) Klischees des Horrorfilms glasklar erlegt!

8.0

Trailer:

Zero Dark Thirty (oder: Mission Accomplished)

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Jahr: 2012
Regie: Kathryn Bigelow
Laufzeit: 157 Minuten
Budget: 40 Mio. $
Academy Awards: Bester Film (nominiert), Beste Hauptdarstellerin (nominiert), Bestes Originaldrehbuch (nominiert), Bester Tonschnitt (gewonnen), Bester Schnitt (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Wir schreiben das Jahr 2011. Die Anschläge auf das World Trade Center in New York City nähern sich ihrem zehnten Jahrestag, bei dem circa 3.000 Zivilisten ihr Leben ließen. Der vermutliche Kopf hinter diesem Akt des Terrorismus und für die USA Staatsfeind Nr. 1, Osama bin Laden, konnte bisher seiner Ergreifung entgehen. Dies zu korrigieren versucht die CIA-Analytikerin Maya (Jessica Chastain), die während ihrer kompletten Dienstzeit beim Geheimdienst nur eine einzige Aufgabe kennt – die Suche und Jagd nach bin Laden.

Die Meinung:

Kaum ein anderer Film erzeugte mit seinem ersten Trailer bei mir so viel skeptisches Stirnrunzeln wie „Zero Dark Thirty“. Ein Spielfilm über die Exekution von Osama bin Laden, kaum mehr als ein Jahr nach den Geschehnissen in Pakistan. Zwar entstand eine leichte Erleichterung durch die Bekanntgabe des Namens der Regisseurin (Kathryn Bigelow), die bereits mit „The Hurt Locker“ eine überzeugende Darstellung über die Auswirkungen des Irak-Krieges skizzierte. Dennoch war die Skepsis bei mir groß.

Doch kann ich nach 157, teils sehr anstrengenden, Minuten Entwarnung geben. „Zero Dark Thirty“ erschlägt mit einer Klappe gleichen einen ganzen Schwarm Fliegen. Fliege Nummer eins: Die historische Aufbereitung. Eine der wesentlichen Stärken des Film ist seine Authentizität, die an vielen Stellen beinahe beängstigend wirkt. Diesen Schwung bekommt „Zero Dark Thirty“ vor allem durch sein geschickt geschriebenes Drehbuch, das gespickt ist durch zahlreiche, real geschehene Ereignisse (die Anschläge in London 2005, Islamabad 2008 oder Camp Chapman 2009). Hierbei scheut sich Bigelow nicht Nachrichtenbilder aus dem Archiv zu nutzen und erzielt damit die beschriebene Authentizität, so dass stellenweise die Grenze zur Dokumentation verschwimmt.

Das der Film jedoch nicht zu einer trockenen Geschichtsstunde vorkommt gelingt durch Fliege Nummer zwei: Das persönliche Drama. Ganz wesentlich lebt „Zero Dark Thirty“ von seinem Hauptcharakter Maya, die von Jessica Chastain äußerst mitreißend dargestellt wird. Der innere Antrieb der Agentin und die damit beinahe einhergehende Selbstzerstörung der jungen Frau überzeugt auf breiter Linie. Vor allem aber zieht die Darstellung die Handlung auf eine zweite Ebene, weg von den tatsächlichen realen Geschehnissen. Der Film handelt, bis zum Finale, somit nur noch nebenläufig von Al-Qaida und bin Laden, sondern maßgeblich von der Agentin, an deren einzigen Lebensaufgabe sie droht zu scheitern.

Bevor ich hier noch ins längere Schwafeln verfalle, zum Schluss noch Fliege Nummer drei: Der spannende Thriller. An diesem Aspekt lässt sich die handwerkliche Begabung von Bigelow besonders ausmachen. Bricht man es auf den Kern der Geschichte zurück, so ist sie eigentlich ziemlich unspannend. Beinahe 10 Jahre hat die CIA keine Ahnung über den Verbleib von bin Laden und tappt im Dunkeln herum. Hieraus einen packenden Plot zu schreiben und zu inszenieren fällt dabei schwer, doch hat der Film mit seinen beinahe 2 1/2 Stunden Laufzeit einen konstanten Spannungslevel. So wird selbst eine Autofahrt durch Islamabad durch den geschickten Einsatz von Kamera, Schnitt und musikalischer Untermalung eine höchst packende Sequenz. Dies hilft „Zero Dark Thirty“ ungemein als Film zu funktionieren, ein Aspekt, der bei anderen historisch angelegten Thrillern dieser Art gerne mal übersehen wurde.

Insgesamt ein sehr gelungener Film, der beim interessierten Zuschauer viele höchst ambivalente Fragen aufwerfen dürfte. Zu der einleitenden „Black Site“-Sequenz möchte ich mich nicht mehr äußern, als das ich sie für nur konsequent halte. Hier sollte sich jeder Zuschauer ein einiges Urteil bilden. Ich kann den Film nur empfehlen und Kathryn Bigelow nur beglückwünschen sich dieses Themas auf diese Art und Weise angenommen zu haben. Das hätte nämlich auch äußerst gründlich und nachhaltig in die Hose gehen können.

Das Fazit (für Lesefaule):

„Zero Dark Thirty“ ist entgegen meiner ersten, zweiten und auch dritten Erwartung ein spannender und höchst packender Polit-Thriller. Das von Bigelow ausgewählte Thema könnte kaum kontroverser ausfallen, der Film schafft es jedoch zu den historischen Ereignissen eine ausreichende Distanz aufzubauen, indem der erzählende Fokus im Wesentlichen auf der brillant gespielten CIA-Analytikerin Maya ruht. Kathryn Bigelow beweist nach „The Hurt Locker“ erneut, dass sich auch ohne pathosschwangere Dramatisierung aktuelle Kriege filmisch aufarbeiten lassen.

Wertung:

Waterboarding, Bombenanschläge und die gezielte Exekution von Terroristen – eine klare 9 auf der oben offenen Empörungs-Skala.

9.0

Trailer:

Wreck-It Ralph (oder: @;&?@#)

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Jahr: 2012
Deutscher Titel: Ralph reichts
Regie: Rich Moore
Laufzeit: 101 Minuten
Budget: 165 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Ralph hat die digitale Nase endgültig voll. Als Wreck-It Ralph (deutsch: Randale-Ralph) ist er seit nunmehr dreißig langen Jahren Teil des Videospiels „Fix-It Felix, Jr.“. Wie der Name erahnen lässt, mimt er hierbei jedoch nicht den glänzenden Helden, sondern den stets häuserzerstörenden Antagonisten. Als Dank für seinen Einsatz wird er nach jedem gewonnenen Level vom Hochhaus aus in eine Dreckpfütze geworfen, während sein Gegenüber Felix ständig mit Medaillen belohnt wird und ihn die restlichen Charaktere des Spiels lieben. Nach dem Schließen der Spielhalle trifft sich Ralph daher mit anderen Schurken der Videospielgeschichte zu einer Selbsthilferunde in Pac-Man oder nimmt ein Bier im Tapper’s.

Doch nun soll alles anders werden. Ralph bricht aus seinem Videospiel aus und versucht anderweitig an eine heißbegehrte Medaille zu gelangen – er mischt sich gegen jede Regel in einem anderen Spiel ein. Das Ganze gerät zu einem heillosen Durcheinander, wodurch Ralph schließlich im Rennspiel „Sugar Rush“ landet und auf die seltsame Vanellope von Schweetz trifft. Vanellope würde zwar gerne Rennen fahren, hat allerdings leider mit einem einprogrammierten Bug ihrer Figur zu kämpfen und wird deswegen vom Rennbetrieb ausgeschlossen. Mit der unerwarteten Hilfe von Ralph will Vanellope nun endlich Rennfahrerin werden und ihm im Gegenzug seinen größten Wunsch erfahren – eine Medaille.

Die Meinung:

Wreck-It Ralph, ein waschechter Animationsfilm und der erste Abkömmling samt Kritik in diesem Blog. Das ist jedoch kein besonderer Zufall, sondern eher der Tatsache geschuldet, dass ich kein allzu großer Fan dieses Genres bin. Das liegt weniger an der Qualität der Filme, sondern vielmehr in der simplen Tatsache, dass mich die allermeisten Abkömmlinge dieses Genres inhaltlich nicht wirklich ansprechen. Bei Wreck-It Ralph hingegen aktivierte sich mein Radar sofort und spülte den Film prompt auf die heimische Mattscheibe.

Videospiel-Charaktere werden nach Ladenschluss der Spielhalle lebendig und entwickeln ein Eigenleben. Hm. Die Idee klingt tatsächlich nur bedingt originell, hatten wir doch auch schon 1995 zum Leben erwachtes und herumwandelndes Plastikspielzeug. Doch Wreck-It Ralph ist viel mehr als diese Grundidee. Der Film strotzt nur so vor Ideen und Referenzen auf die zurückliegenden Jahrzehnte des Videospiels. Zu Beginn des Filmes feuert Rich Moore hier ein Feuerwerk erster Güte ab und präsentiert eine Referenz nach der anderen zu den digitalen Klassikern der Spielhallenära. Alleine schon das Spiel „Fix-It Felix, Jr.“ ist eine Verneigung an „Donkey Kong“, als eines der wichtigsten und erfolgreichsten Spiele dieser Zeit. Gekrönt wird dieser Akt durch die geniale Idee der Bösewichte-Selbsthilfegruppe „Bad-Anon“, die von Clyde (einem der Pac-Man-Geister) geleitet wird und die bekanntesten Videospiel-Antagonisten versammelt. In regelmäßigen Abständen präsentiert der Film dem geneigten Nerd lustige Kleinigkeiten, wie ein „All your base are belong to us“-Graffiti in der Game Central Station oder die Verwendung des legendären Konami-Cheats zur Umprogrammierung von „Sugar Rush“.

Um es allerdings schon einmal vorwegzugreifen, Randale-Ralph schafft es leider nicht den Highscore zu brechen. Nach dem absolut knackigen Start mit einer unglaublichen Fülle an Anspielungen und Memes, verflacht der Film nach einer knappen halben Stunde hin zu den altbekannten Funktionsweisen konventioneller Animationsfilme. Es geht um Freundschaft, ein großes Ziel, zwischendurch um das standardisierte Tal der Tränen, bis schließlich ein Happy End den Zuschauer dankbar abholt. Irgendwie alles schon einmal gesehen, irgendwie schon einmal über alles gelacht. Problematisch ist, dass der Film sich zwischenzeitlich komplett von der Videospielwelt verabschiedet und gänzlich in die fiktive Welt von „Sugar Rush“ eintaucht. Hier baut der Film eine komplette, zweite Ebene auf, was sich nun auch deutlich in den Witzen niederschlägt. Anstatt über Marios Erzrivalen Bowser zu lachen, lacht man nun über Nesquik-Treibsand und anstelle eines unverständlichen Q*bert, schmunzelt man nun über einen Donut-Polizisten. Das ist zwar auch lustig, aber irgendwie nicht mehr das, womit der Film mich erst geködert hatte. Dennoch hält der Film auch hier seine Qualität. Das liegt vor allem an den unglaublich symphytischen Charakteren und in seinem sehr feinen Humor. Viele kleine lustige Anspielungen muss sich der Zuschauer selbst suchen und werden ihm nicht mitten ins Gesicht gedrückt.

Nachdem die 101 Minuten leider viel zu schnell zu Ende waren und ich noch grinsend auf dem Sofa saß, kam mir der Gedanke „Wer ist überhaupt Zielgruppe für diesen Film?“. Tatsächlich dürften die meisten Anspielungen auf Videospiele aus den 80ern und frühen 90ern Kinder und Jugendlichen von heute eher nichtssagend daherkommen. Natürlich sind die ureigenen Zielgruppen von Animationsfilmen jedoch eben jene Kinder und Jugendliche. Dieser Widerspruch erscheint für mich eine ganz wesentliche Stärke dieses Films zu sein, indem er die Popkultur von vor 20 Jahren mit der heutigen geschickt verknüpft und sich somit einer viel breiteren Masse von Zuschauern anbietet und für diese schlussendlich auch sehenswert ist. Da bin ich selbst das beste Beispiel, da Wreck-It Ralph seit Jahren der erste Animationsfilm war, den ich aus eigenem Antrieb heraus ins heimische Abspielgerät geworfen habe.

Das Fazit (für Lesefaule):

Wreck It-Ralph ist ein wirklich lustiger und kurzweiliger Film, dem ich nur jeden ans Herz legen kann. Leider hat er zu Beginn ein Tempo, das er nicht schafft über die Ziellinie zu retten. Dennoch überzeugt der Film mit einem angenehmen Humor und vielen, vielen kleinen Anspielungen auf alles, was nicht bei drei im Zwischenspeicher abgelegt ist.

Wertung:

850 dicke Punkte für den Gamerscore – eine schöne 8,5.

8.5

Trailer:

Dredd (oder: Im Zweifel gegen den Zuschauer)

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Jahr: 2012
Regie: Pete Travis
Laufzeit: 95 Minuten
Budget: 45 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Es gibt Tage, an denen man lieber mit dem Arsch im Bett geblieben wäre. So, oder so ähnlich… Moment, dass kommt mir bekannt vor. Die kurzweilige Geschichte von „Dredd“ deckt sich im Wesentlichen mit dem 2011 erschienen indonesischen Martial-Arts-Spektakel „The Raid: Redemption“. Im Gegensatz zur indonesischen 20-köpfigen Polizeieinheit, stürmt hier lediglich ein einzelner Judge, samt Azubi im Gefolge, einen Hochhauskomplex der fiktiven Mega City One. Ihm Gegenüber steht die Drogenbaroin Ma-Ma, die das Hochhaus beherrscht und nebenbei fleißig Drogen herstellt, vor Ort vertreibt und sich gelegentlich zahlungssäumiger Abnehmer annimmt.

Es kommt wie es kommen muss, die beiden Hüter des Gesetzes werden von der Außenwelt abgeschnitten und bekommen es mit der aufgebrachten Bewohnerschaft zu tun. Hierbei kommen dem altgedienten Judge Dredd (Karl Urban) die übersinnlichen Fähigkeiten seiner neuen Kollegin (Olivia Thirlby) gerade gelegen, denn trotz allerlei letaler Projektile im Arsenal, kann das Hochhausleben in Zeiten der radioaktiven Verstrahlung äußerst kurzlebig ausfallen.

Die Meinung:

Dredd… da klingt doch was. Bereits 1995 schlüpfte Sylvester Stallone unter den mundwinkelbetonenden Helm eines Judges, wobei seine partielle Gesichtslähmung sicherlich ein wesentlicher Casting-Grund gewesen dein dürfte. 18 Jahre später übernimmt nun also Karl Urban die Rolle des gewaltenbündelnden Judges und macht sich daran fleißig Urteile zu fällen und zu vollstrecken. Fragt sich nur, warum?

Gute Frage. Regisseur Pete Travis hat mit „Dredd“ einen Film auf die Leinwand gebracht, dessen Absichten völlig klar sind. Der Film will hart sein, der Film will schmutzig sein, der Film will cool sein. Tatsächlich ist „Dredd“ aber vor allem eins: unglaublich platt. Ich kann letztendlich nicht genau sagen, ob Travis sich bei „The Raid“ bedient hat oder nur unterbewusst inspiriert wurde. Die Parallelen der beiden Filme sind jedoch derart frappierend, dass es teilweise schon weh tut.

Die Handlung verläuft zu Beginn schleppend und nichtssagend, Hintergründe zu den Charakteren gibt es wenig bis keine. Nachdem das Hochhaus betreten ist kommt zwar so etwas wie eine gewisse Entwicklung auf, wird aber an vielen Stellen immer wieder durch Plotholes schmerzlich eingerissen. So fragt man sich als Zuschauer warum eine Drogenbaronin, die nach den Angaben des Films das komplette Hochhaus kontrolliert, erst im Keller befindliche Techniker töten und danach das Computersystem hacken muss, um das Gebäude zu verriegeln. Zudem kommt es zu der kuriosen Situation, dass angeforderte Verstärkung, in Form von weiteren Judges, die Hälfte des Films vor dem Gebäude wartet, weil die Tür nicht geöffnet wird. Auch die beiden Judges im Inneren scheinen der Handlung nicht wirklich folgen zu können, irren sie doch ohne Erklärung in beliebige Richtungen. Hierbei muss Dredd dann erst einmal den Grundriss des Gebäudes aufrufen, der ihm anschaulich erklärt, wo welche Himmelsrichtung ist. Hm.

An dieser Stelle ein zweiter Kritikpunkt. Was bereits in den ersten Minuten des Filmes auffällt ist insbesondere seine, um freundlich zu bleiben, kostengünstige Produktion. Direkt zu Beginn sieht man Karl Urban auf einem nur marginal veränderten Motorrad sitzend, einer Junkiegruppe hinterherfahren, die einen VW T3 steuert. Im weiteren Verlauf des Filmes geht es dann in das 200-stöckige Mega-Hochhaus „Peach Trees“, das nur in wenigen Szenen von außen gezeigt wird und sich die Höhe im Inneren nur in einigen wenigen Sequenzen zeigt. Ansonsten sind vor allem heruntergewirtschaftete, karge und x-beliebige Betongänge zu sehen. In diesen gibt es dann allerhand Schießereien, bei denen zwar schonungslos draufgehalten wird, aber die Einschläge und Schussverletzungen alles andere als authentisch wirken (stellenweise scheinen hier einfach rote Farbflecken über das Kamerabild gelegt worden zu sein).

Was will ich nun damit sagen? Der Film sieht an vielen Stellen wirklich billig und lieblos gemacht aus. Wäre „Dredd“ ein Low-Budget-Film von begeisterten Fans, könnte ich sicherlich darüber hinweg sehen, doch sind hier immerhin 45 Millionen Dollar in die Produktionskasse geflossen. Hier drängt sich wieder einmal der Vergleich zu „The Raid“ auf, der gerade einmal eine einzige Million benötigte und wesentlich authentischer auftritt.

Zu guter Letzt ein Wort zu den Schauspielern. Karl Urban lässt den gesamten Film über den Helm auf dem Kopf, eventuell aus Scham, und lässt lediglich seine Kieferknochen die schauspielerische Arbeit übernehmen. Dies gelingt zwar gelegentlich, ist jedoch im Wesentlichen eine klare Fehlentscheidung des Drehbuchs. Hätte Urban wenigstens eine ausdrucksstarke Schauspielkollegin an seiner Seite, wäre das Ganze vielleicht zu vernachlässigen, doch hat sich Olivia Thirlby passenderweise dazu entschlossen Mimik und Ausdruck auf ein Minimum zu beschränken. Im Grunde hätte sie sich ebenfalls einen Helm aufsetzen können.

Das Fazit (für Lesefaule):

Auweia. Nein, „Dredd“ konnte mich durch eigentlich nichts überzeugen. Die Effekte sind einfach zu wenig für 45 Millionen Dollar, die Schauspielkunst hat eine Schaffenspause eingelegt und die Handlung bietet zu wenig (oder zu viel, je nach Blickweise). Bei der Wertung halte ich dem Film zu Gute, dass er es sich wenigstens vorgenommen hat ein waschechter, geradliniger Actionfilm zu sein. Doch insgesamt ging dieser Versuch klar nach hinten los.

Wertung:

3 „Hot Shots“ aus der Universalkanone.

3.0

Trailer: