Spectre (Oder: Bohrende Nachfragen)

71lsD2gdngL._SL1500_Jahr: 2015
Deutscher Titel: James Bond 007 – Spectre
Regie: Sam Mendes
Laufzeit: 148 Minuten
Budget: ca. 250-300 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

007. Bond. James Bond. Wieder einmal geht es um nicht weniger, als um das Schicksal der Erde. Doch dieses Mal möchte kein verwirrter Schurke die Welt in den Untergang stürzen. Vielmehr geht es nun um den Besitz möglichst vieler Informationen, als Werkzeug zur ultimativen Machterlangung. Hinter diesen Plänen steckt die Organisation SPECTRE, welche weltweit ihre Finger in Politik und Wirtschaft stecken hat und sich keiner Schandtat zu schade ist. Doch kaum konnte James Bond (Daniel Craig) der Organisation in Mexiko City auf die Schliche kommen, wird das Doppelnull-Programm durch politische Einflüsse für beendet erklärt und Bond landet auf dem Abstellgleis. Zwar ein herber Schlag, aber natürlich nichts was einen Bond aufhält. Dieser macht sich auf die Suche nach der Organisation und dessen geheimnisvollem Kopf (Christoph Waltz). Schnell trifft Bond auf Figuren und Gegenspieler seiner Vergangenheit und muss auch feststellen, dass er SPECTRE in seinem Leben schon wesentlich näher war, als dies ihm lieb sein konnte.

Die Meinung:

Zum 24. Mal (laut offizieller Zählung) heißt es also wieder: Geschüttelt, nicht gerührt. Bereits im Vorfeld wurde viel über diesen Bond spekuliert. Ist es der letzte Bond mit Daniel Craig in der Hauptrolle? Wer wird dessen Erbe übernehmen? Tatsächlich deutet die Handlung stark darauf hin, dass Daniel Craig das letzte Mal in die Rolle von James Bond geschlüpft sein dürfte. Denn immerhin versucht der Film eine Klammer um die Craig-Bonds zu setzen, sprich von „Casino Royale“ bis nun „Spectre“ selbst. Insofern fühlt sich der Film tatsächlich wie ein Abschied an. Handelt es sich denn um einen standesgemäßen?

Standesgemäß insofern, schaut man sich rein die Produktion an. Es dürften Mittel jenseits der Marke von 250 Millionen Dollar Budget in das Werk geflossen sein, was man dem Film in jeder Sekunde deutlich anmerkt. Riesige Szenerien an Menschen, wie in der Eröffnungssequenz, spektakuläre innerstädtische Verfolgungsjagten, monumentale Kulissen. Das ganze kratzt zwar an der Schwelle zur Überproduktion, doch hatte ich an den actionreichen Szenen meinen Spaß. Besonders die Eröffnungssequenz ist in guter Tradition zwar dick aufgetragen, aber handwerklich und dramaturgisch toll gemacht. Dazu ein Daniel Craig, der geradezu leichtfüßig die Figur des James Bond ausfüllt.

Doch wo der Film mit der Eröffnungsszene groß startet und in der ersten halben Stunde eine schöne Basis legt, ebbte „Spectre“ für mich nach und nach ab. So sinkt der Spannungslevel deutlich ab, viele Szenen wirken unnötig aufgeblasen und auch der Plot machte für meinen Geschmack zu viele Drehungen. Dieser Aspekt hatte mir bereits bei „Skyfall“ nicht gefallen, wobei sich Sam Mendes, hier also treu blieb. Erst zum Ende des Films, besinnt sich der Film wieder auf das Wesentliche. Hier nimmt „Spectre“ wieder Fahrt auf und kreiert ein geradliniges und spannendes Ende. Warum nicht auch so im Mittelteil?

Doch das eigentliche Problem für mich war der Eindruck, dass es „Spectre“, wie auch „Skyfall“ an Seele mangelt. Der Film ist düster und bierernst bis zum Anschlag. Zwar reißt Bond einiger seiner arrogant-flapsigen Sprüche, aber der Film ist unterm Strich humorlos. Gepaart mit der unnötig dunklen Stimmung und der noch unnötigeren tagespolitischen Großwetterlage (die NSA-Affäre lässt grüßen), wirkt der Film stellenweise bleischwer. So fühlten sich die knapp 150 Minuten mitunter sehr zäh an.

Wirklich gefreut hatte ich mich auf Christoph Waltz, als Bösewicht und Bond-Gegenspieler. Schon der Trailer machte hier Lust auf mehr. Doch was „Spectre“ aus der Konstellation Waltz – Craig macht, ist dann leider doch ziemlich dürftig. Das liegt weniger an den Schauspielern, denn diese machen durchaus einen guten Job. Doch sind die Szenen allesamt nicht wirklich gut geschrieben. Großartige Dialoge, spannende Momente – leider kaum vorhanden. Besonders der persönliche Hintergrund der beiden Charaktere wirkte äußerst konstruiert und konnte mich nicht überzeugen. So verpufft letztlich der Kern eines jeden Bond-Films im luftleeren Raum, nämlich das Kräftemessen zwischen Bond und dessen Antagonisten. Schade.

Tja, irgendwie hatte ich mir mehr erhofft. – So könnte das Fazit an dieser Stelle lauten. Der 24. Bond ist mit Sicherheit kein schlechter Film. Er ist handwerklich hochwertig produziert, hat mit Daniel Craig einen absolut authentischen Bond und packende Actionsequenzen. Doch unterm Strich konnte mich „Spectre“ nicht wirklich mitreißen. Es mangelt dem Film an Eigenschaften, wie Witz, großen Dialogszenen oder einer packenden Handlung. Somit ist „Spectre“ zwar kein Reinfall, bleibt aber hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Das Fazit (für Lesefaule):

Kaum zu glauben, dass Daniel Craig nun bereits seit 2006 den Bond gibt – doch könnte „Spectre“ tatsächlich sein letztes Mal gewesen sein. Da schwingen natürlich Erwartungen mit. Eins lässt sich definitiv sagen: Auch Sam Mendes zweiter Bond hat, dank reichlicher Mittel, wahnsinnig opulente Szenen und macht in seinen Actionszenen wirklich Spaß. Doch besitzt „Spectre“ wie auch „Skyfall“ für mich zu wenig Seele, die gerade für einen Bond-Film von großer Wichtigkeit ist. Der Film wirkt unterkühlt und humorlos, wodurch sich eine unnötige Schwere einstellt. Auch ist die Handlung übertrieben umständlich geschrieben, gerade auch in Hinblick auf Bonds Widersacher in Form von Christoph Waltz. Hier verschwendet der Film sein größtes Plus, nämlich starke Schauspieler als Prota- und Antagonist. Unterm Strich bleibt ein sehenswerter Blockbuster, der jedoch ganz klar unter seinen Möglichkeiten bleibt und so leider recht beliebig wirkt.

Wertung:

7.0

Trailer:

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The Imitation Game (Oder: Undank ist der Welten Lohn)

91k5yKYhG9L._SL1500_Jahr: 2014
Deutscher Titel: The Imitation Game – Ein streng geheimes Leben
Regie: Morten Tyldum
Laufzeit: 114 Minuten
Budget: 14 Mio. $
Academy Awards: Bester Film, Beste Regie, bester Hauptdarsteller, Beste Nebendarstellerin, Bestes adaptiertes Drehbuch (gewonnen), Bestes Szenenbild, Beste Filmmusik, Bester Schnitt

Der Inhalt kurz und knapp:

1939 – Kurz nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kann Nazi-Deutschland einen Sieg nach dem anderen verbuchen. Dazu trägt auch eine eher unscheinbare Waffe bei, die ENIGMA. Diese Verschlüsselungsmaschine erzeugt aus Wörtern und Sätzen einen sinnlosen Buchstabenbrei, der nur durch die Maschine wieder entschlüsselt werden kann. Dies ist besonders für die Briten ein echtes Problem, da auch die deutsche U-Boot-Flotte mit ENIGMA-verschlüsselten Befehlen versorgt wird. Hierdurch sind die Versorgungsschiffe auf dem Atlantik gefährdet, die mit kriegswichtigen Gütern aus den USA beladen sind. Daher hat die britische Armee im Örtchen Bletchley einen hochgeheimen Standort geschaffen, in dem Mathematiker und Linguisten versuchen die ENIGMA-Verschlüsselung zu brechen. Zu dem Team in Bletchley stößt der junge Alan Turing (Benedict Cumberbatch), hochintelligent, aber auch als sozial schwierig einzustufen. Dieser hat jedoch zur Dechiffrierung der ENIGMA eine revolutionäre Idee – eine elektrische Maschine, welche automatisch die Codierung brechen kann. Doch ist für Turing die ENIGMA nicht das einzige Problem, muss er doch gleich mehrere private Umstände meistern.

Die Meinung:

Biopics sind ja so eine Sache. Zwei Sachen müssen hier stimmen – die ausgewählte, reale Person als Kern des Films und zum anderen die gewählte Inszenierung der dazugehörigen Lebensgeschichte. Erstes stimmte beispielsweise zwar bei „The Theory of Everything“, da Stephen Hawking eine interessante Person mit einer bewegten Geschichte ist, doch empfand ich den Schwerpunkt für falsch gelegt. Denn ging es für meinen Geschmack hier zu wenig um die Stephen Hawkings Arbeit, als vielmehr um seine Krankheit und dessen Eheleben. Das war zwar packend inszeniert, aber irgendwie hatte ich etwas anderes erwartet.

Doch warum über „The Theory of Everything“ auslassen? Nun, in „The Imitation Game“ geht es wiederrum um eine Lebensgeschichte eines hochintelligenten Wissenschaftlers, den ebenfalls ein schlimmes Schicksal ereilte – Alan Turing. Tatsächlich erlebt die Person Turing in den letzten Jahren eine verspätete Aufmerksamkeit, wodurch ich mich bereits vor längerer Zeit mit dessen Arbeit beschäftigte. Umso gespannter war ich nun auf „The Imitation Game“. Was lässt sich zur Verfilmung von Turings Geschichte sagen?

Ein wirklich toller Film, mit vielleicht dem einen oder anderem Abstrich. Besonders gefiel mir, dass Morten Tyldum nicht das private Leben und die Sexualität von Turing in den Mittelpunkt stellt. Zwar werden diese Themen behandelt, die natürlich auch ihre absolute Berechtigung haben, jedoch rahmen sie die Arbeit von Turing in Bletchley erzählerisch ein. Dadurch ergab sich für mich eine wesentlich rundere Mischung, als bei „The Theory of Everything“, der für mich unausgewogen wirkte.

Ein großer Pluspunkt ist zweifellos Benedict Cumberbatch. Das Cumberbatch sozial schwierige Charaktere brillant darstellen kann, ist keine Neuigkeit. Doch hier wird sein großartiges Talent wieder einmal deutlich. Denn Cumberbatch schafft es Turing zwar als im Umgang schwierigen, überheblichen und auch oft lästigen Charakter zu spielen, der aber trotzdem als Mensch realistisch wirkt. Das schafft er, indem er die negativen Elemente zwar ausspielt, aber nie überzeichnet. So kann der Zuschauer sich mit Turing identifizieren, gleichzeitig wird dessen schwieriges Wesen einwandfrei klar.

Die übrigen Figuren des Drehbuchs gruppieren sich eindeutig um Turing. Die einzig größere Rolle in der Geschichte, Turings zwischenzeitliche Ehefrau Joan Clarke, wird von Keira Knightley durchaus zurückgenommen gespielt, was jedoch voll und ganz zur Geschichte passt. Auch Mark Strong als mysteriöser MI6-Agent hat einen starken Auftritt, aber im Grunde haben wir eine waschechte One-Cumberbatch-Show.

Sehr gut gefiel mir die Geschichte in drei Zeitebenen zu erzählen, wobei sich auch die erwähnte Klammer der Handlung wiederfindet. Die Handlungsebenen in den 20er und 50er Jahren erzählen vorwiegend Turings Leben und privates Schicksal, während die mittlere Ebene zu Kriegsausbruch, hauptsächlich Turings Arbeit schildert. Gerade der mittlere Teil ist sehr knackig erzählt und für ein Biopic durchaus spannend.

An der Stelle kommt nun doch die unausweichliche Diskussion, ob ein Biopic realistisch sein muss und inwieweit eine historische Genauigkeit notwendig ist. Natürlich ist „The Imitation Game“ keine Dokumentation, sondern ein Spielfilm, dessen Handlung dramaturgischen Anforderungen unterliegt. Doch wenn man sich bereits vorher ein wenig mit der Arbeit von Turing befasst hat, wird man schnell merken, dass eine ganze Reihe an Elementen und zeitlichen Zusammenhängen so nicht richtig zusammengestellt sind. Besonders heftig wurde die Entscheidung kritisiert, dass Turing angeblich auf den sowjetischen Spion John Cairncross traf und sogar über dessen Geheimnis wusste. Hier haben die Autoren vielleicht etwas zu viel kreative Arbeit geleistet.

Ebenfalls farglich empfand ich das Ende des Films. Das schlussendliche Schicksal von Turing wird nur bis zu einem gewissen Punkt filmisch erzählt. Ab diesem Punkt entschied sich Morten Tyldum die weiteren Ereignisse als Texteinblendung zu erzählen – schwierig. Ich finde dieses Mittel immer für eine Notkrücke, die an dieser Stelle auch nicht hätte sein müssen. Hier hätte man ruhig mit filmischen Mitteln versuchen sollen das Ende von Turings Leben darzustellen, was sicherlich einen intensiveren Effekt gehabt hätte, als eingeblendete Sätze.

Doch unterm Strich hat mir „The Imitation Game“ gut gefallen. Besonders die Entscheidung den Fokus auf Turings Arbeit in Bletchley zu legen hat mir sehr zusagt. Zwar gehört das Privatleben natürlich auch immer zu einem Biopic dazu, am Ende sollte es aber nicht der überwiegende Teil eines Spielfilms sein.

Das Fazit (für Lesefaule):

„The Imitation Game“ ist eines der besten Biopics, das ich bisher gesehen habe. Zugegeben liegt dies auch in meinem Interesse an der Person Turing. Das Drehbuch schafft es aber eine angenehme Balance zu wählen zwischen der wissenschaftlichen Arbeit von Turing und dessen Privatleben und Schicksal. Dadurch wirkt der Film auch wesentlich knackiger als so mancher Genrekollege. Obendrein läuft Benedict Cumberbatch wieder einmal zur Höchstform auf und füllt die Figur mit Leben aus. Dass der Film an manchen Stellen nicht besonders historisch akkurat ist und auch das Ende etwas ungeschickt wirkt, ist da eher nur ein kleiner Abstrich.

Wertung:

8.0

Trailer:

Interstellar (Oder: 2001 im 21. Jahrhundert?!)

91OLmMXAcAL._SL1500_Jahr: 2014
Regie: Christopher Nolan
Laufzeit: 169 Minuten
Budget: 165 Mio.€

Der Inhalt kurz und knapp:

Zum Ende des 21. Jahrhundertgeht es mit der Menschheit schwer bergab. Klimawandel und Ressourcenverbrauch haben dazu geführt, dass ein Überleben auf der Erde immer schwieriger wird. Besonders die Nahrungsmittelproduktion stellt sich unter den sich ändernden Bedingungen immer schwieriger dar, zumal ein Großteil der Kulturpflanzen dem Klimawandel bereits zum Opfer gefallen ist. Als Reaktion hierauf fokussiert sich die Welt auf die Produktion von Nahrungsmitteln – Farmer sind gefragt, anstelle von Wissenschaftlern und Ingenieuren. Der ehemalige NASA-Pilot Cooper (Matthew McConaughey) ist gezwungenermaßen ebenfalls unter die Landwirte geraten, hadert allerdings mit seinem neuen Leben. Durch eine zufällig erscheinende Wendung trifft Cooper auf seine ehemaligen Mitstreiter der NASA (Michael Caine), die ihm einen verwegenen Plan offenbaren. In unmittelbarer Nähe des Saturns hat sich ein Wurmloch geöffnet – ein Weg in eine entfernte Galaxie mit eventuell bewohnbaren Planeten. So macht sich Cooper auf eine neue Heimat zu finden. Für sich, seine Familie und die gesamte Menschheit.

Die Meinung:

Die Nolans sind zurück. Wie bereits bei „The Prestige“, „Memento“ oder den beiden letzten Batman-Ablegern, schmeißen Christopher und Jonathan Nolan wieder einmal ihre Kreativität in einen großen Kessel. Ein wenig Science, ein bisschen Fiction . Dazu noch eine gehörige Portion Bildsprache und Budget. Kräftig umgerührt und fertig ist der SciFi-Epos 2014, der stellenweise schon als neues „2001“ gesehen wird. Puh, ein großer Vergleich. Doch trifft er zu?

Tatsächlich stechen bei „Interstellar“ zahlreiche Referenzen an bekannter Werke ins Auge, vorneweg Stanley Kubricks Meisterwerk „2001: A Space Odyssey“. Sei es das rotierende Raumschiffdesign, die allzu menschlich wirkenden Roboter oder der konsequente Verzicht auf Geräusche im Vakuum. Doch gerade auch durch letzten Punkt und das allgemeine Szenenbild, wirkt der Film ebenfalls durch „Gravity“ inspiriert. Warum auch nicht, kam man sicherlich nicht an dem Werk von Alfonso Cuarón vorbei. Doch vor allem referenziert Nolan stark auf seine eigene Filmografie. Insgesamt pickt sich Nolan also die Rosinen aus dem Kuchen der Filmhistorie, jedoch nicht ohne eine eigene Handschrift vermissen zu lassen.

Was „Interstellar“ wirklich ausmacht ist der Zugang, dem er den Zuschauer bietet. Wie beispielsweise auch „Inception“, biedert sich der Film nicht beim Zuschauer an. Nolan fordert den Zuschauer, zwingt zum Mitdenken, aber auch zum kritischen Hinterfragen der gezeigten Szenen und der gesamten Handlung. Damit bietet Nolan wieder den ziemlich seltenen Fall, dass ein hohes Budget mit durchaus vorhandenem Anspruch zusammenkommt. In Zeiten von absurden Geldschlachten für jeden noch so schlichten Superhelden, ist dies ein angenehmer Kontrast.

An dieser Stelle gibt es dann aber doch auch über den einen oder anderen, die Handlung betreffenden Punkt nachzudenken. Denn auf der Handlungsebene bietet der Film tatsächlich kritikwürdige Elemente. Das kommt meiner Meinung nach dadurch, dass die beiden Brüder auf Teufel komm raus eine konsistente Geschichte erzählen wollen, die obendrein noch wissenschaftlich untermauert ist. Das Problem ist allerdings, dass sich der Plot soweit in den Bereich der Fiction bewegt, dass die Science nicht mehr adäquat hinterherkommt. Das an sich ist kein Problem. Das entsteht erst dann, wenn man dies logisch erklären möchte. Und genau hier funktioniert „Interstellar“ nicht mehr, wenn versucht wird mit abstrusen pseudo-wissenschaftlichen Ansätzen die Handlung rund zu machen. Hier hätte man sich tatsächlich mehr an „2001“ orientieren sollen, der irgendwann die logische Ebene verlässt und im Surrealen endet.

Dennoch ist „Interstellar“ ein wahnsinnig atmosphärischer Film und wirkt in vielen Details unglaublich originell und stilprägend. Die Bildsprache, kombiniert mit genialer Musikuntermalung lässt Gänsehaut aufkommen. Die schauspielerische Leistung überzeugt (z.B. von Anne Hathaway), wobei vor allem Matthew McConaughey genial auftrumpft. Auch wenn der Film für meinen Geschmack viel zu ernst gefasst ist und durchaus ein wenig mehr Spaß und ein wenig weniger Schwere hätte enthalten können, ist „Interstellar“ ein wirkliches Filmerlebnis von denen es wenige gibt.

Das Fazit (für Lesefaule):

Ein „2001“ für das 21. Jahrhundert! Das klingt nicht nur unlogisch, sondern verfehlt auch das eigentliche Thema. „Interstellar“ legt seinen Fokus auf andere Themen, wie bspw. den Umgang des Menschen mit seiner Umgebung oder der Frage, ob Raumfahrt in schwierigen Zeiten ein Luxus oder zwingende Notwendigkeit ist. Im späteren Verlauf kommen dann noch eher fragwürdige, esoterisch anmutende Themen zum inhaltlichen Kanon, die „Interstellar“ wenig voranbringen. Doch bei aller Kritik an der zum Ende teils unsinnigen Auflösung, ist Nolans neuster Streich wieder einmal vor allem eins – ein echtes, atemberaubendes Filmerlebnis. Kamera, Ton, Bildsprache, Schauspiel… das alles zusammen wirkt wunderbar harmonierend und hinterlässt bleibende Spuren.

Wertung:

9.0

Trailer:

Taken und Taken 2 im Doppel (oder: Ein Mann unter Strom)

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Jahr/Regie: 2008 / Pierre Morel 2012/ Olivier Megaton
Laufzeit: 93 Minuten 98 Minuten (Extended Cut)
Englischer Titel: Taken Taken 2
Deutscher Titel: 96 Hours 96 Hours – Taken 2
Budget: 25 Mio. $ 45 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Kind, steige nie mit Fremden zusammen in ein Taxi! So, oder so ähnlich, ergeht des Öfteren ein elterlicher Rat an den Nachwuchs. „Eltern!“…, denkt sich hier Kim Mills (Maggie Grace), als diese einen Abstecher nach Paris unternehmen will. Als diese dort von einer albanischen Gruppe von Menschenhändlern entführt wird, denkt sich nicht nur diese, dass sie lieber auf den Rat gehört hätte. Doch glücklicherweise hat die entführte Kim einen Vater (Liam Neeson) mit speziellen Fähigkeiten, die er bei einer der zahllosen amerikanischen Geheimdienstorganisation erlernt hat. Kurzerhand reist Bryan Mills nach Frankreich und nimmt die Spur der Verbrecher auf. Bei dieser Verfolgungsjagd bleibt kein Auge trocken und keine 9-Millimeter unbenutzt, denn es bleiben nur 96 Stunden, bis sich die Spur verliert.

Was im ersten Teil der Reihe beginnt, setzt sich folgerichtig im zweiten fort, als die Familien der zahlreichen zur Rechenschaft gezogenen Menschenhändler ihrerseits Rache fordern. Bryan Mills, mittlerweile wieder als Personenschützer tätig, steht nun auf der Abschussliste dieser Familien, wobei nun er der Gejagte wird. Zum Glück steht ihm seine Tochter zur Seite, die er (Achtung: Spoiler!) natürlich zu retten vermochte. So versuchen Bryan und seine Familie den Rachegelüsten der albanischen Sippschaft zu entgehen, wobei erneut die Magazine schneller geleert, als unnötige Fragen gestellt werden können.

Die Meinung:

Chapeau! Mit gestandenen 56 Jahren noch eine Karriere als Actionstar zu beginnen… Da hört so mancher Kollege zu Gunsten seiner Gelenke lieber auf und sattelt in ruhigere Gefilde um. Doch nicht Liam Neeson, der 2008 diese neue Seite seines Schauspielertums entdeckte. Heute soll es um seinen Einstieg in den Actionthriller gehen – „Taken“. Doch damit nicht genug, da ich mittlerweile beide Teile als gesehen abhaken kann, bot sich für dieses Review ein gemeinsames Abfrühstücken von „Taken“ und dessen Nachfolger „Taken 2“ an. An dieser Stelle möchte ich bereits darauf hinweisen, dass die Filme hierzulande als „96 Hours“ und „96 Hours – Taken 2“ bekannt sind. Auf die Unsinnigkeit solcher Titel-Lokalisierungen möchte ich nicht näher eingehen – dazu könnte man einen eigenen Artikel verfassen. Doch nun zur eigentlichen Frage: Wie schaut sich die „Taken“-Reihe bis hierher?

Toll schaut es sich! Im wahrsten Sinne des Wortes. Die mit beste Eigenschaft am ersten „Taken“ ist seine schnörkellose, durchgehend konsequente und auf den Punkt knackige Inszenierung. Die Szenen des Films greifen, nach einem minimalen Prolog, schonungslos ins Zelluloid. So ist der Film durch die Bank zügig erzählt und lässt nahezu keine Pausen oder Durchhänger zu, wobei ein perfekter Schnitt und eine sehr gekonnte Kamera das Geschehen einfängt. Hierdurch rauschen die knapp anderthalb Stunden sehr flott am Zuschauer vorbei, der kaum Zeit hat sich zu Erholen oder sich irgendwelche tiefere Gedanken zum Film zu machen.

Das ist dann auch durchaus positiv, da die Geschichte von „Taken“ und dem späteren „Taken 2“ dann doch sehr dünn ist. Vor allem im ersten Teil ist Liam Neeson nicht nur im Film, sondern auch als Schauspieler auf sich alleine gestellt. Die weiteren Charaktere, wie Tochter Kim oder Exfrau Lenore (Famke Janssen), sind bestenfalls Mittel zum Zweck, haben letztlich auch kaum Anteile vor der Kamera. Somit bleibt folgerichtig auch wenig Potential im Film, welches sich in eine vielschichtige oder komplexere Storyline verwandeln könnte. Des Weiteren stellt einen die Handlung der Filme durchaus vor die Frage, ob eine solche Rache- und Gewalttour moralisch zu rechtfertigen ist. Doch durch das schnelle Filmtempo, schoben sich diese Fragen bei mir dann doch bis an das Filmende. Insofern bietet das Actionfeuerwerk die richtige Ablenkung.

Da wären wir dann auch schon bei Liam Neeson, zu dem es natürlich ein, zwei Takte zu sagen gilt. Für mich funktioniert der Charakter Bryan Mills, als Rolle für Liam Neeson perfekt. So bringt der Ire für mich eine grandiose Mischung aus professioneller Ruhe und absoluter Entschlossenheit mit. Der dadurch entstehende Eindruck passt absolut auf die Figur und ist hauptsächlich verantwortlich für das konstant hohe Spannungslevel. Natürlich nicht das größte Schauspiel seiner Karriere, aber genau der richtige Ton für diesen Film.

An dieser Stelle kann ich also das Zwischenfazit geben, dass ich „Taken“ für einen durchaus gelungenen Actionthriller halte. Super arrangiert und inszeniert, dabei in seiner kompletten Laufzeit sehr spannend und unterhaltsam. Allerdings ist die Story reichlich eindimensional, vorhersehbar und in Teilen schon als moralisch fragwürdig zu sehen. Das als solches wäre eigentlich kein Problem, wenn der Film sich mit den Entscheidungen des Protagonisten auseinandersetzen würde. Das tut er jedoch leider nicht, da hierzu auch einfach keine Zeit bleibt. Doch unterm Strich konnte ich hiermit leben. Spaß gemacht hat der Film allemal.

Für „Taken 2“ kann ich im Wesentlichen auf die oberen Absätze verweisen – jedoch mit einer größeren Einschränkung. „Taken 2“ kann wiederrum durch eine flotte Inszenierung punkten und durch einen spannungsvollen Handlungsbogen. Das aber auch erst nach etwa einem Drittel des Films. Zu Beginn dümpelt der Film im Nirvana von Familienproblemen vor sich hin und weiß nicht so genau wo er hin will. Hier dauert es mir einfach doch zu lange, bis der Teil der Handlung abgehakt ist und es wirklich losgeht. Denn wirklich viel zum Film beitragen tut der Beginn nicht.

Bereits der erste Trailer zum zweiten „Taken“ zeigte den Ansatz auf, dass Tochter Kim einen aktiveren Part übernehmen würde. Eigentlich keine falsche Wahl, jedoch hatte ich den Eindruck, dass diese zur Nachwuchsagentin herangezogen wurde. Doch hier kann man Entwarnung geben. Die Tochter hat mehr Anteile an Film, bleibt jedoch weiterhin die Tochter und agiert in ihrem Rahmen durchaus nachvollziehbar. Tatsächlich hat mir dieser Aspekt doch sehr gut gefallen, da 90 Minuten Liam Neeson ein zweites Mal dabei zu beobachten, wie er im Alleingang die Pistole sprechen lässt, dann doch sehr langweilig geworden wäre.

Unterm Strich ist auch „Taken 2“ solide produziert, hat jedoch durch den lahmen Beginn und einige Durchhänger im Mittelteil dann doch nicht den filmischen Reiz des ersten Teils. Dennoch konnte mich auch das Sequel überzeugen und bot kaum Zeit für Nörgeleien. Wer sich mit dem ersten anfreunden konnte, der dürfte sich eigentlich auch beim zweiten zu Hause fühlen, auch wenn das Niveau nicht in Gänze gehalten werden konnte. Zumal „Taken 2“ nichts wirklich originelles bieten kann.

Das Fazit (für Lesefaule):

Die „Taken“-Reihe (bis zu diesem Punkt, denn schließlich ist ein dritter Teil geplant) ist eine spannend geschrieben, wenn auch mit allerlei Klischees angereicherte, Thriller-Serie. Insbesondere der erste Teil ist eine beinahe ungewöhnlich kompromisslose Liam Neeson One-Man-Show, die vor allem durch ihr hohes Tempo überzeugt. Keine Szene scheint zu viel, die Einstellungen und Schnitte wirken sehr knackig ohne ins Hektische zu fallen. Während der rasanten Fahrt durch Paris, ist man hierdurch viel zu abgelenkt als sich die Frage zu stellen, ob das eigentlich alles moralisch koscher abläuft. Das wird gekonnt an den Abspann des Films geschoben, wo solche Gedankenspiele aber auch besser aufgehoben sind als mitten im Film. Insgesamt eine klare Empfehlung für Freunde des Genres!

Der zweite Teil fiel bei mir vor allem durch einen etwas ungeschickt arrangierten Trailer auf, der einige schlimme Eskapaden des Drehbuch erahnen ließ. Doch unterm Strich führt der zweite Taken-Teil den ersten logisch fort und schwenkt den Blick etwas mehr in Richtung der Familie von Bryan Mills. Somit geht ein wenig die Fahrt aus der Geschichte verloren, so dass „Taken 2“ erst im späteren Verlauf die Stärken des ersten Teils aufnehmen kann. Leider greift der Film (wie auch schon sein Vorgänger) etwas ungestüm in die Kiste bekannter westeuropäischer Ressentiments vor dem immer noch fremden Osteuropa. Doch insgesamt ist auch „Taken 2“ ein spannender und knackig erzählter Actionthriller, der nur leicht hinter dem ersten Teil herhinkt.

Wertung:

Die Preise auf dem internationalen Markt für Schwarzpunkte lauten momentan:

7.5 6.0

Trailer:

Fahrenheit 451 (oder: Feuer marsch!)

Jahr: 1966
Regie: François Truffaut
Laufzeit: 109 Minuten
Budget: 1,5 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Die Feuerwehr hat ja so einige Aufgaben. Da wäre als erstes natürlich das Löschen von Feuer zu erwähnen, aber natürlich auch so Dinge wie sich um Autounfälle zu kümmern, Bergungen an Binnengewässern oder das klischeehafte Retten von Kätzchen aus zu hohen Bäumen. Doch in der Zukunft haben sich diese Aufgaben zu einer konsolidiert, nämlich dem Verbrennen von Büchern. Da staunt der Laie – die Feuerwehr legt Brände? Und der Fachmann wundert sich, warum dies ausgerechnet Bücher sein sollen. Nun, in der Logik dieser Zukunft sind Bücher kein Hilfsmittel der geistigen Erleuchtung oder des Zeitvertreibs, sondern Quell von Kummer und allerlei negativen Empfindungen. Aus dieser Erkenntnis heraus erging für diese ein Verbot, wodurch diese nun samt ihrer Leser verfolgt und anschließend verbrannt werden. Der Feuerwehrmann Montag (Oskar Werner) gehört zur Truppe 451, die ihren Namen der Temperatur in Fahrenheit verdankt, bei der Papier anfängt zu brennen. Doch obwohl er eigentlich glücklich sein sollte, immerhin sind Bücher fast gänzlich vernichtet und täglich werden glücklich machende Pillen verteilt, beginnt Montag sich eins zu fragen – was zur Hölle steht in den Büchern drin, die ich den ganzen Tag verbrenne? Es kommt wie es kommen muss und der einst stramme Feuerwehrmann traut sich den nächstbesten Buchdeckel zu öffnen.

Die Meinung:

Jaja, so ist das mit den Plänen. Eigentlich wollte ich im CinemaScope regelmäßig Klassiker behandeln, gerade auch um mich selbst ein wenig dazu zu zwingen, meinen geistigen Filmfundus zu erweitern. Doch dann kamen mir irgendwie zu viele aktuelle Filme in Quere, die es zu verbloggen galt. Doch Schwamm drüber, alles vergessen. Heute soll endlich wieder einmal ein Klassiker erlegt werden – „Fahrenheit 451“ aus dem Jahre 1966. Dieser zählt zu dem mittlerweile doch gut gefüllten Genre der Dystopien, die zu der damaligen Zeit (zumindest filmisch), jedoch eher dünn besäht war. Da ich schon immer ein Faible für diese Art Filme hatte, soll nun also Feuer im CinemaScope gemacht werden… was ein Wortspiel…

Was mich an „Fahrenheit 451“ unmittelbar fasziniert hat ist seine äußere Form. Denn die kommt für einen Film, der stramm auf 50 Jahre zugeht, doch sehr modern daher. Grund dafür ist natürlich, dass der Film in einer fiktiven Zukunft spielt, zumindest aus Sicht der 60er Jahre. So wurden vor allem Drehorte gewählt, die einen modern-futuristischen Charme besitzen, der sich tatsächlich bis in die heutige Zeit rettet. Obwohl sich hier und da kleinere Anachronismen verstecken, kann man sich als Zuschauer von heute noch durchaus gut den Film zur Gemüte führen. Natürlich ist dem Film hier und dort sein Alter anzumerken, insbesondere was die Tricktechnik angeht. Die ist teils dann schon unfreiwillig komisch, wenn fliegende Polizisten an den Himmel geschnitten werden.

Doch kommen wir zum eigentlich entscheidenden Teil des Films, des übergeordneten Settings. Immerhin handelt es sich bei „Fahrenheit 451“ immerhin um eine klassische Dystopie. Hierbei muss ich sagen, dass ich die Grundidee des Films, bzw. des zugrundeliegenden Buches sehr interessant finde. Wie es sich für einen Vertreter dieses Genres gehört, wird mit der Darstellung der fiktiven, zukünftigen Welt eine grundlegende Frage des menschlichen Seins versucht anzugehen. Lässt sich durch eine Gesellschaftsform ein uneingeschränkt glückliches Leben erzeugen oder besser gesagt erzwingen? Und wird der Mensch automatisch glücklich, wenn versucht wird ihm sämtliche negativen Emotionen abzugewöhnen? Durchaus interessant. Was mir an Truffauts Interpretation gefällt ist, dass diese nicht mit der absoluten Unterdrückungskeule à la „1984“ anmarschiert. Die Manipulation der Menschen erfolgt in „Fahrenheit 451“ subtiler und in mancher Hinsicht perfider.

Im Grunde also beste Voraussetzungen, wäre da nicht das wirklich miserable Drehbuch. Das Problem ist, dass es „Fahrenheit 451“ in mancherlei Hinsicht wirklich an Handlung fehlt. Was vor allem untergeht ist der eigentliche Punkt der Gesellschaftskritik. Der Film fokussiert sich beinahe ausschließlich auf den Protagonisten Montag, der als neuinterpretierter Feuerwehrmann die Nachbarschaft unsicher macht. Das gesamte System hinter der Feuerwehr, die mediale Manipulation, die pharmazeutische Zudröhung der Bevölkerung – als das sind Themen die vom Film eigentlich angelegt sind. Aber aus irgendeinem Grund wird nahezu nichts davon abgerufen. Insofern lässt sich auch schlecht vom Zuschauer bewerten, wie denn die Gesellschaft in dieser Dystopie aufgebaut ist und wie diese auf den Bücherentzug reagiert. Hier hätte die Geschichte den Fokus höher legen müssen, da von dem Szenario so gar nichts zu sehen ist – der Zuschauer ist viel zu nah am Protagonisten. Zudem baut sich der Spannungsbogen des Films erst sehr spät auf, so dass gerade die Entwicklung der ersten Filmhälfte zu zäh verläuft.

Zum Abschluss noch ein kurzes Wort zur deutschen Synchronisation. Wie oft für Filme dieses Produktionszeitraumes, ist die Synchro wirklich schwer zu ertragen. Insbesondere die Entscheidung, dass Oskar Werner seine Rolle selbst synchronisiert ist wahrlich keine besonders pfiffige. Auch die Charaktere (es sind spannenderweise zwei) von Julie Christie sind mir in der deutschen Vertonung unangenehm störend aufgefallen. So würde ich hier dringend die englische Variante empfehlen. Die Tonspur besitzt, zumindest in meiner DVD-Fassung, zwar ebenfalls keine klangliche Brillanz, aber ist deutlich besser zu ertragen.

Abschließend kann ich zwar keine uneingeschränkten Lobgesänge auf „Fahrenheit 451“ singen, würde den Film aber schon für den geneigten Freund zünftiger Dystopien empfehlen. Der Film geht in seinen Ausführungen einer spannenden Grundthese nach und bietet einige nachdenkliche Szenen. Allerdings leidet der Film an seinem zu starken Fokus auf die Hauptperson und zeigt ironischerweise für eine umfängliche Gesellschaftskritik zu wenig Gesellschaft. Hier hätte man für ein flammendes Spektakel ein wenig mehr Feinarbeit am Drehbuch leisten müssen… Hach, was ein Wortspiel!

Das Fazit (für Lesefaule):

Endlich wieder einmal ein Klassiker im CinemaScope! „Fahrenheit 451“ gehört sicherlich zur bekannteren Riege der Zukunftsdystopien, kann allerdings meiner Meinung nach nicht mit den Größen des Genres mithalten. Insgesamt fehlt es dem Film an einer wirklich ausgearbeiteten Skizzierung der gesamten Gesellschaft, wie dies beispielsweise „1984“ oder „Soylent Green“ leisten. Der Film konzentriert sich auf den Protagonisten Montag, sowie dessen engstes soziales und räumliches Umfeld, wodurch der Begriff der Gesellschaftskritik ein wenig schwierig erscheint. Welche Regierung steht hinter der Bücherverbrennung? Welche weiteren Mittel stehen dem System zur Verfügung? Diese und ähnliche Fragen bleiben (zumindest vom Film) unbeantwortet. Dennoch wirft „Fahrenheit 451“ ein durchaus interessantes Gedankenexperiment auf und prüft die Frage, ob mit dem Verzicht auf vermeindlich negative Emotionen, automatisch ein besseres Leben eintritt. Zwar versandet die Antwort innerhalb des Films ein wenig in dem etwas ungeschickt gestrickten Drehbuch, aber alleine der Versuch und die gewählte Ausdrucksweise machen „Fahrenheit 451“ in Summe dann doch sehenswert.

Wertung:

Sechs Bücher und ein Programmheftchen, die langsam aufqualmen.

6.5

Trailer:

Rush (oder: 20% Todeswahrscheinlichkeit sind akzeptabel)

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Jahr: 2013
Deutscher Titel: Rush – Alles für den Sieg
Regie: Ron Howard
Laufzeit: 122 Minuten
Budget: 38 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Mit über 300 Kilometer in der Stunde im Kreis fahren, dabei stets die Gefahr mit dem höchst fragilen Untersatz in die nächstbeste Leitplanke einzuschlagen und hierbei zu sterben. Klingt weder besonders sinnvoll, noch äußerst lebensbejahend, dennoch für viele Menschen eine spannende Unterhaltung – Motorsport. Zu den Menschen, die sich dieser Gefahr ausgesetzt haben zählen die Formel 1-Fahrer Niki Lauda und James Hunt, die stets eine freundliche Rivalität pflegten. Hierbei konnten die beiden Rennfahrer jedoch kaum verschiedener sein. Der eine, James Hunt, ein feierwütiger Playboy, der die Rennen und sein Auto eher mit dem Bauch, als denn mit dem Kopf steuerte. Der andere, Niki Lauda, bis zum Anschlag diszipliniert, den Sieg über alles stellend und technisch extrem begabt. Eine Rivalität, die ihren Höhepunkt 1976 erreicht, als beide bis ans Äußerste gehen und so versuchen den Weltmeistertitel zu ergattern – bis ein schicksalhaftes Ereignis diesen Kampf jäh unterbricht.

Die Meinung:

Ein Sportfilm, über die Formel 1, im Zentrum Niki Lauda? Naja… denkt sich selbst ein motorsportfreudiger Filmfan, wie ich es einer bin. Irgendwie schon eine Idee, aber letztlich wohl doch eher kein wirklicher Stoff für einen sehenswerten Film. Doch nach anfänglicher Skepsis, sah ich den Trailer zu „Rush“ und war plötzlich dann doch sehr interessiert. Tolle Bilder, tolle Schauspieler und zudem aus der Hand von Ron Howard, der mit „Frost/Nixon“ bereits ein sehr packendes Biopic abliefern konnte. Doch wie schaut sich „Rush“ denn nun, nach den anfänglichen Vorschusslorbeeren?

Für mich der größte Pluspunkt an Rush ist sein äußerst gelungener Cast. Allen voran ist hierbei Daniel Brühl zu nennen, der für mich die Performance seiner Karriere abliefert. Die Rolle des Niki Laudas trifft Brühl in allen Belangen – von der aggressiven Mimik, über die Körpersprache mit hochgezogenen Schultern, bis hin zum authentischen österreichischen Akzent. Obendrauf kommt durch eine geschickt arrangierte Maske, gerade auch nach dem Unfall, ein zum verwechseln ähnliches Äußeres zustande. Aber auch Chris Hemsworth macht ein durchaus gutes Bild in der Rolle des James Hunt. Zwar bereitet sein Schauspiel keine Begeisterungsstürme, dennoch passt er alleine schon durch sein Äußeres zu dem eher unkonventionell lebenden Hunt.

Gerade aber auch aus dem Zusammenspiel von Hemsworth und Brühl, zieht „Rush“ seine größte Faszination. Die verbalen Zweikämpfe, die später dann real auf der Rennstrecke umgesetzt werden, überzeugen und machen wirklich Spaß. Hier schöpft dann Howard auch aus dem Vollem, da die diametral verschiedenen Charaktere Hunt und Lauda einfach dazu einladen Konflikte untereinander auszufechten – hiervon lebt „Rush“ im Wesentlichen, und das auch sehr anständig. Neben den Schauspielern bietet der Film zudem sehr spannungsgeladene und perfekt arrangierte Darstellungen der Rennverläufe. Hierbei wirken die Kameraarbeit und der Schnitt wunderbar zusammen und erzeugen beim Zuschauer das Gefühl von Geschwindigkeit. Hier setzt der Film auf allerlei Stilmittel die nicht sonderlich neu wirken, wie Zeitlupen oder Nahaufnahmen, jedoch geschickt arrangiert sind. Hierzu vielleicht ein plastisches Beispiel: Zum Ende des Films wird die Startaufstellung der Wagen gezeigt. Hier dröhnen und zucken die Boliden von den bereits gestarteten Motoren. Während der Kameraschwenks wird die Leistung unter den Motorhauben von Regisseur Howard perfekt eingefangen, so dass man sich als Zuschauer beinahe vor der Kraft der Fahrzeuge fürchtet. Einfach toll!

Doch bei allen spannungsgeladenen Rennszenen muss ganz klar gesagt werden, dass es sich bei „Rush“ um keinen technikfixierten Film handelt. Wer darauf aus ist bis ins kleinste originalgetreue Rennstrecken und Boliden der 70er Jahre zu sehen oder gar detaillierte Ausführungen zu Motorsporttechnik, der wird enttäuscht sein. Die Actionsequenzen dienen im Grunde als inhaltliche Trenner zwischen der Charakterarbeit der beiden Protagonisten und sollen vor allem Schwung in den Film bringen. Dennoch hat mir die optische Detailarbeit des Films durchaus imponiert. Auch wenn die dargestellten Rennwagen nicht 100%-ig akkurat in die Jahre bis 1976 passen, so ist das Gesamtbild doch sehr stimmig – ein großes Lob an die Kulissenarbeit! Die technische Ausstattung, die Kleidung der Fahrer und das gesamte Umfeld wirkt aus den 70ern ausgeschnitten und in den Film eingefügt.

Wenn man dem Film überhaupt etwas ankreiden möchte, dann ist es hier oder dort eine winzige Spur Pathos und Dramatik zu viel, die das Drehbuch und Howard an den Tag legen. So wirken manche Sequenzen doch ein wenig zu sehr konstruiert, auch wenn „Rush“ ganz klar kein Dokumentarfilm sein will. Doch gerade die heutigen Aussagen von Lauda zu diesem Thema legen nahe, dass die heraufbeschworene Feindschaft in der Realität doch eher eine von Freundschaft geprägte Konkurrenzsituation war. Doch lässt man diese lästigen Fakten außer Acht, helfen diese teils künstlich wirkenden Szenen zwischen Lauda und Hunt enorm den gewünschten Spannungsbogen aufzubauen und lassen „Rush“ einfach zu einem sehr gelungenen Film werden. In dessen Zentrum steht hier vor allem die durch den Sport aufgebaute Konkurrenz und den entflammten Willen Sieger zu werden – um jeden Preis.

Das Fazit (für Lesefaule):

Der Name ist hier Programm – „Rush“ ist höchst spannendes und packendes Kino. Der Film lebt insbesondere von der tollen Leistung von Daniel Brühl und Chris Hemsworth, wobei erstgenannter eine fast perfekte Imitation von Niki Lauda auf die Mattscheibe verewigt. Optisch bringt „Rush“ zudem viele tolle Bilder mit und arrangiert diese zu atemberaubenden Sequenzen zwischen den beiden Rivalen. Doch eigentlich funktioniert der Film auf einer persönlichen Ebene, die der Rivalen Lauda und Hunt. Hierdurch ist „Rush“ nicht nur einem motorsportaffinen Publikum zu empfehlen, sondern dürfte genauso für jeden geneigten Zuschauer funktioniert. Das dieser Film so gut funktioniert liegt jedoch vor allem an der Geschichte der Formel 1-Saison 1976. Diese ist derart spannend und durch zahlreiche ungewöhnliche Begebenheiten geprägt, dass ein Drehbuchautor schon einen sehr, sehr guten Tag haben müsste, sich diese Dramaturgie der Ereignisse auszudenken.

Wertung:

Kurve, runterschalten, einlenken, beschleunigen und schalten in den achteinhalbten Gang.

8.5

Trailer:

Attack the Block (oder: Das schwärzeste Schwarz)

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Jahr: 2011
Regie: Joe Cornish
Laufzeit: 88 Minuten
Budget: 13 Mio. $ (rund 8 Mio. £)

Der Inhalt kurz und knapp:

Die Angelegenheiten des Blocks werden nach alter Gangmanier wo gelöst? Richtig, im Block. Dazu gehören Drogengeschäfte, Überfälle und im Zweifel sogar Invasionen durch fremde Aliens mit einem leuchtenden Colgate-Lächeln im Fangzahngebiss. Gangmitglieder gegen bissige Monster aus dem All? Kann das gutgehen? Schwierig, vor allem wenn besagte Gangmitglieder noch fern der Volljährigkeit sind und ihre zu weiten Hosen bei Mama unter den Tisch schieben. Doch bleib den Jungs um Anführer Moses nichts anderes übrig, als mitten in London ein Haufen wildgewordener Monster aufschlägt und offenbar kulinarisches Verlangen nach minderjährigen Halbstarken besitzt. Zusammen mit der zuvor eigenhändig ausgeraubten Krankenschwester Sam und improvisierter Bewaffnung geht es um Leben und Tod, bei der nicht nur die bissigen Kreaturen aus einer fernen Welt eine akute Bedrohung darstellen.

Die Meinung:

Um es direkt vorwegzuschieben, „Attack the Block“ ist ein typischer Film unter dem Motto – coole Idee gehabt, aber nicht alles rausgeholt. Dennoch macht das Erstlingswerk des britischen Comedian Joe Cornish Spaß und unterhält. Springen wir also kurz zu den Dingen, die „Attack the Block“ richtig macht. Vor allem ist das die Grundidee des Films. Bissige Aliens schlagen im südlichen London ein und treiben ihr Unwesen. So weit nichts Neues, denn versorgte uns Hollywood in den letzten Jahren mit ausreichend Alien-Invasionen. Doch wo ansonsten die Polizei, die Nationalgarde, das Militär oder kostümierte Superhelden ausrücken, ist es hier an einer Gruppe minderjähriger Gangmitglieder die Gefahr zu meistern. Proportional zu der Breite ihres Ego als „Beschützer“ des Blocks, überschätzen sich die Jungs natürlich maßlos. Das mündet in teils völlig absurde Szenen und bringt einige aüßerst lustige Szenen mit sich.

Doch hier liegt auch leider das Problem. Der Film hätte noch mehr mit der absurden Thematik spielen können und sich noch mehr auf den ungleichen Kampf zwischen Aliens und Möchtegern-Rambos fokussieren müssen. So bleiben viele komische Szenen leider auf der Strecke liegen. Man merkt dem Film an, dass die Autoren keine billige Slapstick-Komödie schreiben wollten (wofür ich auch sehr dankbar bin), versuchen dann aber diese Tendenz mit allzu ernsten Untertönen wieder einzufangen. Dabei kommen einige recht krude Themen auf, die man unter Sozialkritik packen könnte, aber den Fluss des Films leider zerhacken. Schade, schade. Ein bisschen mehr Konsequenz hätte dem Plot sehr gut getan.

Diesem Kritikpunkt zum Trotz kann ich „Attack the Block“ doch empfehlen. Der Film ist für sein doch recht schmales Budget sehr wertig gemacht. Die Kamera, Ton und auch der Soundtrack passen zum Film und zur Szenerie. Die Aliens kommen angenehmerweise mal nicht ausschließlich von der Festplatte, sondern sind nach guter alter Manier mundgeklöppelt und bewegt, und bestechen durch ein erfrischend neues und unverbrauchtes Design. Was dem Film ebenfalls zur Gute kommt ist seine Länge von 88 Minuten. Das soll nicht heißen, dass ich froh war als der Abspann endlich einsetzte, sondern das manchmal die Würze eben auch in der Kürze liegt. (5 Euro ins Phrasenschwein) Das ist deswegen positiv zu erwähnen, da mittlerweile (gefühlt) beinahe jeder Film an der 2-Stunden-Marke kratzt, ist er auch noch so platt und hat er auch noch so wenig Inhalt. „Attack the Block“ erzählt seine Geschichte und prügelt sie nicht krampfhaft auf Überlänge. Daumen hoch für diesen Film mit Biss!

Das Fazit (für Lesefaule):

„Attack the Block“ ist wahrlich kein Meisterwerk geworden, mit seinen knappen, aber sehr angemessenen, 88 Minuten jedoch ein kurzweiliger Spaß. Tatsächlich hätte man aus der Idee halbstarke Möchtegern-50-Cents mit einem zu großen Ego gegen tödliche Aliens antreten zu lassen mehr machen können. Mehr Ironie, besser sitzende Lacher und weniger Pseudo-Sozialkritik hätten dem Film gut zu Gesicht gestanden, aber was soll’s. Ich hatte meinen Spaß und hoffe auf mehr aus dem Hause Cornish.

Wertung:

Ein voller Drogentrip, abzüglich eines Fressflashes – 7 runde Dinger.

7.0

Trailer:

Dredd (oder: Im Zweifel gegen den Zuschauer)

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Jahr: 2012
Regie: Pete Travis
Laufzeit: 95 Minuten
Budget: 45 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Es gibt Tage, an denen man lieber mit dem Arsch im Bett geblieben wäre. So, oder so ähnlich… Moment, dass kommt mir bekannt vor. Die kurzweilige Geschichte von „Dredd“ deckt sich im Wesentlichen mit dem 2011 erschienen indonesischen Martial-Arts-Spektakel „The Raid: Redemption“. Im Gegensatz zur indonesischen 20-köpfigen Polizeieinheit, stürmt hier lediglich ein einzelner Judge, samt Azubi im Gefolge, einen Hochhauskomplex der fiktiven Mega City One. Ihm Gegenüber steht die Drogenbaroin Ma-Ma, die das Hochhaus beherrscht und nebenbei fleißig Drogen herstellt, vor Ort vertreibt und sich gelegentlich zahlungssäumiger Abnehmer annimmt.

Es kommt wie es kommen muss, die beiden Hüter des Gesetzes werden von der Außenwelt abgeschnitten und bekommen es mit der aufgebrachten Bewohnerschaft zu tun. Hierbei kommen dem altgedienten Judge Dredd (Karl Urban) die übersinnlichen Fähigkeiten seiner neuen Kollegin (Olivia Thirlby) gerade gelegen, denn trotz allerlei letaler Projektile im Arsenal, kann das Hochhausleben in Zeiten der radioaktiven Verstrahlung äußerst kurzlebig ausfallen.

Die Meinung:

Dredd… da klingt doch was. Bereits 1995 schlüpfte Sylvester Stallone unter den mundwinkelbetonenden Helm eines Judges, wobei seine partielle Gesichtslähmung sicherlich ein wesentlicher Casting-Grund gewesen dein dürfte. 18 Jahre später übernimmt nun also Karl Urban die Rolle des gewaltenbündelnden Judges und macht sich daran fleißig Urteile zu fällen und zu vollstrecken. Fragt sich nur, warum?

Gute Frage. Regisseur Pete Travis hat mit „Dredd“ einen Film auf die Leinwand gebracht, dessen Absichten völlig klar sind. Der Film will hart sein, der Film will schmutzig sein, der Film will cool sein. Tatsächlich ist „Dredd“ aber vor allem eins: unglaublich platt. Ich kann letztendlich nicht genau sagen, ob Travis sich bei „The Raid“ bedient hat oder nur unterbewusst inspiriert wurde. Die Parallelen der beiden Filme sind jedoch derart frappierend, dass es teilweise schon weh tut.

Die Handlung verläuft zu Beginn schleppend und nichtssagend, Hintergründe zu den Charakteren gibt es wenig bis keine. Nachdem das Hochhaus betreten ist kommt zwar so etwas wie eine gewisse Entwicklung auf, wird aber an vielen Stellen immer wieder durch Plotholes schmerzlich eingerissen. So fragt man sich als Zuschauer warum eine Drogenbaronin, die nach den Angaben des Films das komplette Hochhaus kontrolliert, erst im Keller befindliche Techniker töten und danach das Computersystem hacken muss, um das Gebäude zu verriegeln. Zudem kommt es zu der kuriosen Situation, dass angeforderte Verstärkung, in Form von weiteren Judges, die Hälfte des Films vor dem Gebäude wartet, weil die Tür nicht geöffnet wird. Auch die beiden Judges im Inneren scheinen der Handlung nicht wirklich folgen zu können, irren sie doch ohne Erklärung in beliebige Richtungen. Hierbei muss Dredd dann erst einmal den Grundriss des Gebäudes aufrufen, der ihm anschaulich erklärt, wo welche Himmelsrichtung ist. Hm.

An dieser Stelle ein zweiter Kritikpunkt. Was bereits in den ersten Minuten des Filmes auffällt ist insbesondere seine, um freundlich zu bleiben, kostengünstige Produktion. Direkt zu Beginn sieht man Karl Urban auf einem nur marginal veränderten Motorrad sitzend, einer Junkiegruppe hinterherfahren, die einen VW T3 steuert. Im weiteren Verlauf des Filmes geht es dann in das 200-stöckige Mega-Hochhaus „Peach Trees“, das nur in wenigen Szenen von außen gezeigt wird und sich die Höhe im Inneren nur in einigen wenigen Sequenzen zeigt. Ansonsten sind vor allem heruntergewirtschaftete, karge und x-beliebige Betongänge zu sehen. In diesen gibt es dann allerhand Schießereien, bei denen zwar schonungslos draufgehalten wird, aber die Einschläge und Schussverletzungen alles andere als authentisch wirken (stellenweise scheinen hier einfach rote Farbflecken über das Kamerabild gelegt worden zu sein).

Was will ich nun damit sagen? Der Film sieht an vielen Stellen wirklich billig und lieblos gemacht aus. Wäre „Dredd“ ein Low-Budget-Film von begeisterten Fans, könnte ich sicherlich darüber hinweg sehen, doch sind hier immerhin 45 Millionen Dollar in die Produktionskasse geflossen. Hier drängt sich wieder einmal der Vergleich zu „The Raid“ auf, der gerade einmal eine einzige Million benötigte und wesentlich authentischer auftritt.

Zu guter Letzt ein Wort zu den Schauspielern. Karl Urban lässt den gesamten Film über den Helm auf dem Kopf, eventuell aus Scham, und lässt lediglich seine Kieferknochen die schauspielerische Arbeit übernehmen. Dies gelingt zwar gelegentlich, ist jedoch im Wesentlichen eine klare Fehlentscheidung des Drehbuchs. Hätte Urban wenigstens eine ausdrucksstarke Schauspielkollegin an seiner Seite, wäre das Ganze vielleicht zu vernachlässigen, doch hat sich Olivia Thirlby passenderweise dazu entschlossen Mimik und Ausdruck auf ein Minimum zu beschränken. Im Grunde hätte sie sich ebenfalls einen Helm aufsetzen können.

Das Fazit (für Lesefaule):

Auweia. Nein, „Dredd“ konnte mich durch eigentlich nichts überzeugen. Die Effekte sind einfach zu wenig für 45 Millionen Dollar, die Schauspielkunst hat eine Schaffenspause eingelegt und die Handlung bietet zu wenig (oder zu viel, je nach Blickweise). Bei der Wertung halte ich dem Film zu Gute, dass er es sich wenigstens vorgenommen hat ein waschechter, geradliniger Actionfilm zu sein. Doch insgesamt ging dieser Versuch klar nach hinten los.

Wertung:

3 „Hot Shots“ aus der Universalkanone.

3.0

Trailer: