Pacific Rim (oder: Ich glaub‘, mich knutscht ein Kaijū)

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Jahr: 2013
Regie: Guillermo del Toro
Laufzeit: 131 Minuten
Budget: 190 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Die Menschheit ist bedroht, die Auslöschung steht unmittelbar bevor. Schon wieder? Fragt sich da der geneigte Freund zünftiger Blockbuster. Was ist es denn dieses Mal? Monster? Alien? Falsch! Es sind überdimensionale Monster-Aliens, die gegen jedwede Erwartung nicht aus dem All, sondern aus dem Meer kommen. Genauer gesagt aus einer fremden Dimension, wobei sich ein Übergang zu unserer Welt, der „Breach“, im Pazifik gebildet hat. Aus diesem strömen nun unentwegt und in stetig höherer Frequenz riesige Kaijū, besagte Monster-Aliens, und bedrohen die Welt. Da konventionelle Waffen nicht ausreichend sind, erschafft die Staatengemeinschaft ebenso riesige Jäger. Diese humanoiden Roboter haben aber leider nicht nur mächtig massive Fäuste, sondern sind auch ziemlich schwierig zu steuern. Da ein menschliches Gehirn ist mit der Steuerung doch überfordert scheint, werden zwei Piloten benötigt, die als Team und im sogenannten „Drive“ den Jäger steuern. Gemein gehen die Jäger-Piloten nun also auf die Jagd und geben den Kaijūs eins auf die Mappe – doch nur mit dem Schließen des „Breach“ kann der Bedrohung endgültig ein Ende bereitet werden. Ob dieses Unterfangen gelingt?

Die Meinung:

Ja, „Pacific Rim“… Bereits die ersten Trailer ließen erahnen wohin die Reise geht. Großspuriges Blockbuster-Mainstream-Action-Kino. Doch auf den zweiten Blick fiel mir der Name Guillermo del Toro auf, der doch den ein oder anderen Film im Repertoire besitzt, der zu überzeugen wusste. Gerade im Action-Genre gefielen mir die beiden Hellboy-Ableger, wobei gerade der zweite Teil „Hellboy II: The Golden Army“ angenehm aus der breiten Masse der Superhelden-Verfilmungen herausstach. So gab ich mir also schlussendlich doch einen Ruck und änderte meinen ursprünglichen Plan „Pacific Rim“ komplett auszulassen. War die Entscheidung also die richtige?

Die Antwort lautet: Nein!

Vorweg an dieser Stelle kurz etwas zu den optischen Anteilen des Films – die sind ohne Zweifel großartig ausgefallen. Von technischer Seite aus sind sowohl die Jäger, als auch die Kaijūs wunderbar designt und animiert worden. Vor allem die Liebe zum Detail, gerade bei den Jägern ist toll anzusehen. Jeder Jäger besitzt ein einzigartiges Design und besondere Charakteristika, die natürlich stereotyp daherkommen (der Russe hat natürlich den wuchtigsten, der Chinese den filigranen Jäger). Dennoch zeigt sich an dieser Stelle eine Detailarbeit, die auch bei „Hellboy II: The Golden Army“ überzeugen konnte. Auch die Kampfchoreographie ist sauber inszeniert und bringt gut die geballten Massen zur Geltung, die hier aufeinanderprallen.

Doch wo die optischen Anteile wirklich zu überzeugen wissen, da bietet der Film inhaltlich nichts. Das alleine wäre für mich gar nicht mal unbedingt ein Ausfallkriterium. Viele Filme die ich gesehen und für gut befunden habe, konnten durch ihre Action und Optik überzeugen und boten auch nur eine 08/15-Story. Doch was „Pacific Rim“ mir als Zuschauer bot, war eine 2-stündige Frechheit. Wirklich alles, aber wirklich jeder Punkt an der Story, ist vorhersehbar, aus Versatzstücken zusammengeschustert und ist auf der eigentlichen Handlungsebene im besten Falle belanglos, streckenweise jedoch völlig sinnfrei. Ich hätte kaum geglaubt dies einmal sagen zu müssen, aber selbst der von mir aus den gleichen Punkten kritisierte „Avatar“ hatte ein wesentliches Mehr an Geschichte im Gepäck, als „Pacific Rim“.

Um diese Meinung an einem Punkt vielleicht klar zu machen. Es ist vom ersten Moment an klar, dass von den in Hongkong vorgestellten 4 Jägern, die beiden nicht näher vorgestellten draufgehen. Für die Dramaturgie ist dies ja durchaus verständlich, aber dann kann man von einem Drehbuch mehr verlangen, als hier gezeigt wird. Es ist von der ersten Sekunde der Szene an klar, dass die beiden Jäger zerstört werden, es ist klar, dass auch der dritte Jäger in Probleme kommt, aber überlebt. Es ist klar, dass der vierte Jäger doch noch eingesetzt wird. Es ist klar, dass der Protagonist mit seiner Partnerin in den „Drive“ kommt und alles besiegt, was nicht bei drei im „Breach“ verschwunden ist. Das ist einfach nur lieblos und auf die Leinwand gerotzt.

Jetzt kann man sich auf den Standpunkt stellen und in das Horn blasen: Man soll sich nicht so anstellen, optisch ist doch alles toll, das reicht somit auch für den ganzen Film. Ist stimme auch bis zu einem gewissen Punkt zu. Klar ist der Film kein komplexes Drama und will auch keine detaillierte Charakterarbeit abliefern. Es geht um Monster-Aliens vs. Riesen-Roboter. Aber dennoch ist es bei 190 Millionen Dollar doch nicht zu viel verlangt ein Drehbuch zu entwickeln, dass sowohl auf das Genre passt und die Action unterstreicht, als auch dem durchschnittlichen Zuschauer zumindest nicht mental verhungern zu lassen.

Ich könnte mich jetzt noch zum nicht stattfindenden Schauspiel auslassen (mit Ausnahme von Idris Elba, der zumindest bemüht ist) oder über weitere fragwürdige Drehbuchentscheidungen (wie wieder einmal völlig chronisch-verrückte Wissenschaftler) sinnieren. Doch ich denke mein Punkt ist einigermaßen klar geworden. Ich bin ein bekennender SciFi-Fan, muss mich in letzter Zeit aber doch immer wieder über die Auswüchse dieses Genres ärgern. Meiner Meinung nach liegt das vor allem an einer hemmungslosen Überfinanzierung und Überproduktion im Mainstream. Dies führt dazu, dass die Produktionen auf den vermeintlichen Blockbuster-Kinogänger zugeschnitten werden, wobei alles schön stromlinienförmig und einfach gestrickt sein muss. Ich hoffe, dass hier irgendwann die Budgets schrumpfen und somit der Zwang da ist, sich mehr mit dem Inhalt auseinandersetzen zu müssen. Doch genau entgegen dieser Kerbe schlägt „Pacific Rim“ ein… schade, schade.

Das Fazit (für Lesefaule):

Ich habe es versucht, ich habe es wirklich versucht. Ehrenwort! Nachdem durch die ersten Trailer und die übliche Pressearbeit klar war, was „Pacific Rim“ inhaltlich abbilden will, machte sich bei mir größte Skepsis breit. Transformers vs. Godzilla? Ernsthaft? Nachdem ich dann jedoch den Namen Guillermo del Toro las, keimte bei mir dann doch noch das Pflänzchen der Hoffnung. Immerhin gefiel mir seiner Zeit „Hellboy“ und insbesondere „Hellboy II: The Golden Army“ als Action-Film sehr gut. Doch was soll ich sagen? Ich hatte mit „Pacific Rim“ keine große Freude. Ganz klar, der Film hat optische Schauwerte ohne Ende. Del Toro feuert sämtliche CGI-Kanonen ab und liefert tolle Bilder, die Dank des erstklassigen Soundtracks teils grandiose Szenen liefern. Was aber den Rest anbelangt, so ist „Pacific Rim“ für mich eine echte Katastrophe. Die Story ist so unfassbar dämlich, gespickt mit Plotholes so tief wie der pazifische Ozean. Alles strotz vor Versatzstücken, die man schon x-Mal in anderen Filmen in wesentlich besser gesehen hat. Die Charakterarbeit als schlampig zu bezeichnen wäre eine maßlose Übertreibung ins Positive. Die schauspielerische Leistung ist (bis auf eine Ausnahme) nicht vorhanden. Falls man es schafft das alles auszublenden, so mag „Pacific Rim“ vielleicht ein effektreiches Erlebniskino sein – für mich ist es aber beinahe eine Frechheit im Jahr 2013 und mit einem Budget von 190 Millionen Dollar, einen inhaltlich so lieblosen Film auf die Leinwand zu klatschen.

Wertung:

Dank der optischen Werte kommen noch 3 1/2 Kaijū-Kadaver zusammen.

3.5

Trailer:

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4 Gedanken zu “Pacific Rim (oder: Ich glaub‘, mich knutscht ein Kaijū)

  1. Na, glücklicherweise hatten wir den Film nicht bei unserer Doppel-Kritik, denn sonst wäre es ein nettes Streitgespräch geworden… 😉

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