Taken und Taken 2 im Doppel (oder: Ein Mann unter Strom)

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Jahr/Regie: 2008 / Pierre Morel 2012/ Olivier Megaton
Laufzeit: 93 Minuten 98 Minuten (Extended Cut)
Englischer Titel: Taken Taken 2
Deutscher Titel: 96 Hours 96 Hours – Taken 2
Budget: 25 Mio. $ 45 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Kind, steige nie mit Fremden zusammen in ein Taxi! So, oder so ähnlich, ergeht des Öfteren ein elterlicher Rat an den Nachwuchs. „Eltern!“…, denkt sich hier Kim Mills (Maggie Grace), als diese einen Abstecher nach Paris unternehmen will. Als diese dort von einer albanischen Gruppe von Menschenhändlern entführt wird, denkt sich nicht nur diese, dass sie lieber auf den Rat gehört hätte. Doch glücklicherweise hat die entführte Kim einen Vater (Liam Neeson) mit speziellen Fähigkeiten, die er bei einer der zahllosen amerikanischen Geheimdienstorganisation erlernt hat. Kurzerhand reist Bryan Mills nach Frankreich und nimmt die Spur der Verbrecher auf. Bei dieser Verfolgungsjagd bleibt kein Auge trocken und keine 9-Millimeter unbenutzt, denn es bleiben nur 96 Stunden, bis sich die Spur verliert.

Was im ersten Teil der Reihe beginnt, setzt sich folgerichtig im zweiten fort, als die Familien der zahlreichen zur Rechenschaft gezogenen Menschenhändler ihrerseits Rache fordern. Bryan Mills, mittlerweile wieder als Personenschützer tätig, steht nun auf der Abschussliste dieser Familien, wobei nun er der Gejagte wird. Zum Glück steht ihm seine Tochter zur Seite, die er (Achtung: Spoiler!) natürlich zu retten vermochte. So versuchen Bryan und seine Familie den Rachegelüsten der albanischen Sippschaft zu entgehen, wobei erneut die Magazine schneller geleert, als unnötige Fragen gestellt werden können.

Die Meinung:

Chapeau! Mit gestandenen 56 Jahren noch eine Karriere als Actionstar zu beginnen… Da hört so mancher Kollege zu Gunsten seiner Gelenke lieber auf und sattelt in ruhigere Gefilde um. Doch nicht Liam Neeson, der 2008 diese neue Seite seines Schauspielertums entdeckte. Heute soll es um seinen Einstieg in den Actionthriller gehen – „Taken“. Doch damit nicht genug, da ich mittlerweile beide Teile als gesehen abhaken kann, bot sich für dieses Review ein gemeinsames Abfrühstücken von „Taken“ und dessen Nachfolger „Taken 2“ an. An dieser Stelle möchte ich bereits darauf hinweisen, dass die Filme hierzulande als „96 Hours“ und „96 Hours – Taken 2“ bekannt sind. Auf die Unsinnigkeit solcher Titel-Lokalisierungen möchte ich nicht näher eingehen – dazu könnte man einen eigenen Artikel verfassen. Doch nun zur eigentlichen Frage: Wie schaut sich die „Taken“-Reihe bis hierher?

Toll schaut es sich! Im wahrsten Sinne des Wortes. Die mit beste Eigenschaft am ersten „Taken“ ist seine schnörkellose, durchgehend konsequente und auf den Punkt knackige Inszenierung. Die Szenen des Films greifen, nach einem minimalen Prolog, schonungslos ins Zelluloid. So ist der Film durch die Bank zügig erzählt und lässt nahezu keine Pausen oder Durchhänger zu, wobei ein perfekter Schnitt und eine sehr gekonnte Kamera das Geschehen einfängt. Hierdurch rauschen die knapp anderthalb Stunden sehr flott am Zuschauer vorbei, der kaum Zeit hat sich zu Erholen oder sich irgendwelche tiefere Gedanken zum Film zu machen.

Das ist dann auch durchaus positiv, da die Geschichte von „Taken“ und dem späteren „Taken 2“ dann doch sehr dünn ist. Vor allem im ersten Teil ist Liam Neeson nicht nur im Film, sondern auch als Schauspieler auf sich alleine gestellt. Die weiteren Charaktere, wie Tochter Kim oder Exfrau Lenore (Famke Janssen), sind bestenfalls Mittel zum Zweck, haben letztlich auch kaum Anteile vor der Kamera. Somit bleibt folgerichtig auch wenig Potential im Film, welches sich in eine vielschichtige oder komplexere Storyline verwandeln könnte. Des Weiteren stellt einen die Handlung der Filme durchaus vor die Frage, ob eine solche Rache- und Gewalttour moralisch zu rechtfertigen ist. Doch durch das schnelle Filmtempo, schoben sich diese Fragen bei mir dann doch bis an das Filmende. Insofern bietet das Actionfeuerwerk die richtige Ablenkung.

Da wären wir dann auch schon bei Liam Neeson, zu dem es natürlich ein, zwei Takte zu sagen gilt. Für mich funktioniert der Charakter Bryan Mills, als Rolle für Liam Neeson perfekt. So bringt der Ire für mich eine grandiose Mischung aus professioneller Ruhe und absoluter Entschlossenheit mit. Der dadurch entstehende Eindruck passt absolut auf die Figur und ist hauptsächlich verantwortlich für das konstant hohe Spannungslevel. Natürlich nicht das größte Schauspiel seiner Karriere, aber genau der richtige Ton für diesen Film.

An dieser Stelle kann ich also das Zwischenfazit geben, dass ich „Taken“ für einen durchaus gelungenen Actionthriller halte. Super arrangiert und inszeniert, dabei in seiner kompletten Laufzeit sehr spannend und unterhaltsam. Allerdings ist die Story reichlich eindimensional, vorhersehbar und in Teilen schon als moralisch fragwürdig zu sehen. Das als solches wäre eigentlich kein Problem, wenn der Film sich mit den Entscheidungen des Protagonisten auseinandersetzen würde. Das tut er jedoch leider nicht, da hierzu auch einfach keine Zeit bleibt. Doch unterm Strich konnte ich hiermit leben. Spaß gemacht hat der Film allemal.

Für „Taken 2“ kann ich im Wesentlichen auf die oberen Absätze verweisen – jedoch mit einer größeren Einschränkung. „Taken 2“ kann wiederrum durch eine flotte Inszenierung punkten und durch einen spannungsvollen Handlungsbogen. Das aber auch erst nach etwa einem Drittel des Films. Zu Beginn dümpelt der Film im Nirvana von Familienproblemen vor sich hin und weiß nicht so genau wo er hin will. Hier dauert es mir einfach doch zu lange, bis der Teil der Handlung abgehakt ist und es wirklich losgeht. Denn wirklich viel zum Film beitragen tut der Beginn nicht.

Bereits der erste Trailer zum zweiten „Taken“ zeigte den Ansatz auf, dass Tochter Kim einen aktiveren Part übernehmen würde. Eigentlich keine falsche Wahl, jedoch hatte ich den Eindruck, dass diese zur Nachwuchsagentin herangezogen wurde. Doch hier kann man Entwarnung geben. Die Tochter hat mehr Anteile an Film, bleibt jedoch weiterhin die Tochter und agiert in ihrem Rahmen durchaus nachvollziehbar. Tatsächlich hat mir dieser Aspekt doch sehr gut gefallen, da 90 Minuten Liam Neeson ein zweites Mal dabei zu beobachten, wie er im Alleingang die Pistole sprechen lässt, dann doch sehr langweilig geworden wäre.

Unterm Strich ist auch „Taken 2“ solide produziert, hat jedoch durch den lahmen Beginn und einige Durchhänger im Mittelteil dann doch nicht den filmischen Reiz des ersten Teils. Dennoch konnte mich auch das Sequel überzeugen und bot kaum Zeit für Nörgeleien. Wer sich mit dem ersten anfreunden konnte, der dürfte sich eigentlich auch beim zweiten zu Hause fühlen, auch wenn das Niveau nicht in Gänze gehalten werden konnte. Zumal „Taken 2“ nichts wirklich originelles bieten kann.

Das Fazit (für Lesefaule):

Die „Taken“-Reihe (bis zu diesem Punkt, denn schließlich ist ein dritter Teil geplant) ist eine spannend geschrieben, wenn auch mit allerlei Klischees angereicherte, Thriller-Serie. Insbesondere der erste Teil ist eine beinahe ungewöhnlich kompromisslose Liam Neeson One-Man-Show, die vor allem durch ihr hohes Tempo überzeugt. Keine Szene scheint zu viel, die Einstellungen und Schnitte wirken sehr knackig ohne ins Hektische zu fallen. Während der rasanten Fahrt durch Paris, ist man hierdurch viel zu abgelenkt als sich die Frage zu stellen, ob das eigentlich alles moralisch koscher abläuft. Das wird gekonnt an den Abspann des Films geschoben, wo solche Gedankenspiele aber auch besser aufgehoben sind als mitten im Film. Insgesamt eine klare Empfehlung für Freunde des Genres!

Der zweite Teil fiel bei mir vor allem durch einen etwas ungeschickt arrangierten Trailer auf, der einige schlimme Eskapaden des Drehbuch erahnen ließ. Doch unterm Strich führt der zweite Taken-Teil den ersten logisch fort und schwenkt den Blick etwas mehr in Richtung der Familie von Bryan Mills. Somit geht ein wenig die Fahrt aus der Geschichte verloren, so dass „Taken 2“ erst im späteren Verlauf die Stärken des ersten Teils aufnehmen kann. Leider greift der Film (wie auch schon sein Vorgänger) etwas ungestüm in die Kiste bekannter westeuropäischer Ressentiments vor dem immer noch fremden Osteuropa. Doch insgesamt ist auch „Taken 2“ ein spannender und knackig erzählter Actionthriller, der nur leicht hinter dem ersten Teil herhinkt.

Wertung:

Die Preise auf dem internationalen Markt für Schwarzpunkte lauten momentan:

7.5 6.0

Trailer:

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