Rush (oder: 20% Todeswahrscheinlichkeit sind akzeptabel)

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Jahr: 2013
Deutscher Titel: Rush – Alles für den Sieg
Regie: Ron Howard
Laufzeit: 122 Minuten
Budget: 38 Mio. $

Der Inhalt kurz und knapp:

Mit über 300 Kilometer in der Stunde im Kreis fahren, dabei stets die Gefahr mit dem höchst fragilen Untersatz in die nächstbeste Leitplanke einzuschlagen und hierbei zu sterben. Klingt weder besonders sinnvoll, noch äußerst lebensbejahend, dennoch für viele Menschen eine spannende Unterhaltung – Motorsport. Zu den Menschen, die sich dieser Gefahr ausgesetzt haben zählen die Formel 1-Fahrer Niki Lauda und James Hunt, die stets eine freundliche Rivalität pflegten. Hierbei konnten die beiden Rennfahrer jedoch kaum verschiedener sein. Der eine, James Hunt, ein feierwütiger Playboy, der die Rennen und sein Auto eher mit dem Bauch, als denn mit dem Kopf steuerte. Der andere, Niki Lauda, bis zum Anschlag diszipliniert, den Sieg über alles stellend und technisch extrem begabt. Eine Rivalität, die ihren Höhepunkt 1976 erreicht, als beide bis ans Äußerste gehen und so versuchen den Weltmeistertitel zu ergattern – bis ein schicksalhaftes Ereignis diesen Kampf jäh unterbricht.

Die Meinung:

Ein Sportfilm, über die Formel 1, im Zentrum Niki Lauda? Naja… denkt sich selbst ein motorsportfreudiger Filmfan, wie ich es einer bin. Irgendwie schon eine Idee, aber letztlich wohl doch eher kein wirklicher Stoff für einen sehenswerten Film. Doch nach anfänglicher Skepsis, sah ich den Trailer zu „Rush“ und war plötzlich dann doch sehr interessiert. Tolle Bilder, tolle Schauspieler und zudem aus der Hand von Ron Howard, der mit „Frost/Nixon“ bereits ein sehr packendes Biopic abliefern konnte. Doch wie schaut sich „Rush“ denn nun, nach den anfänglichen Vorschusslorbeeren?

Für mich der größte Pluspunkt an Rush ist sein äußerst gelungener Cast. Allen voran ist hierbei Daniel Brühl zu nennen, der für mich die Performance seiner Karriere abliefert. Die Rolle des Niki Laudas trifft Brühl in allen Belangen – von der aggressiven Mimik, über die Körpersprache mit hochgezogenen Schultern, bis hin zum authentischen österreichischen Akzent. Obendrauf kommt durch eine geschickt arrangierte Maske, gerade auch nach dem Unfall, ein zum verwechseln ähnliches Äußeres zustande. Aber auch Chris Hemsworth macht ein durchaus gutes Bild in der Rolle des James Hunt. Zwar bereitet sein Schauspiel keine Begeisterungsstürme, dennoch passt er alleine schon durch sein Äußeres zu dem eher unkonventionell lebenden Hunt.

Gerade aber auch aus dem Zusammenspiel von Hemsworth und Brühl, zieht „Rush“ seine größte Faszination. Die verbalen Zweikämpfe, die später dann real auf der Rennstrecke umgesetzt werden, überzeugen und machen wirklich Spaß. Hier schöpft dann Howard auch aus dem Vollem, da die diametral verschiedenen Charaktere Hunt und Lauda einfach dazu einladen Konflikte untereinander auszufechten – hiervon lebt „Rush“ im Wesentlichen, und das auch sehr anständig. Neben den Schauspielern bietet der Film zudem sehr spannungsgeladene und perfekt arrangierte Darstellungen der Rennverläufe. Hierbei wirken die Kameraarbeit und der Schnitt wunderbar zusammen und erzeugen beim Zuschauer das Gefühl von Geschwindigkeit. Hier setzt der Film auf allerlei Stilmittel die nicht sonderlich neu wirken, wie Zeitlupen oder Nahaufnahmen, jedoch geschickt arrangiert sind. Hierzu vielleicht ein plastisches Beispiel: Zum Ende des Films wird die Startaufstellung der Wagen gezeigt. Hier dröhnen und zucken die Boliden von den bereits gestarteten Motoren. Während der Kameraschwenks wird die Leistung unter den Motorhauben von Regisseur Howard perfekt eingefangen, so dass man sich als Zuschauer beinahe vor der Kraft der Fahrzeuge fürchtet. Einfach toll!

Doch bei allen spannungsgeladenen Rennszenen muss ganz klar gesagt werden, dass es sich bei „Rush“ um keinen technikfixierten Film handelt. Wer darauf aus ist bis ins kleinste originalgetreue Rennstrecken und Boliden der 70er Jahre zu sehen oder gar detaillierte Ausführungen zu Motorsporttechnik, der wird enttäuscht sein. Die Actionsequenzen dienen im Grunde als inhaltliche Trenner zwischen der Charakterarbeit der beiden Protagonisten und sollen vor allem Schwung in den Film bringen. Dennoch hat mir die optische Detailarbeit des Films durchaus imponiert. Auch wenn die dargestellten Rennwagen nicht 100%-ig akkurat in die Jahre bis 1976 passen, so ist das Gesamtbild doch sehr stimmig – ein großes Lob an die Kulissenarbeit! Die technische Ausstattung, die Kleidung der Fahrer und das gesamte Umfeld wirkt aus den 70ern ausgeschnitten und in den Film eingefügt.

Wenn man dem Film überhaupt etwas ankreiden möchte, dann ist es hier oder dort eine winzige Spur Pathos und Dramatik zu viel, die das Drehbuch und Howard an den Tag legen. So wirken manche Sequenzen doch ein wenig zu sehr konstruiert, auch wenn „Rush“ ganz klar kein Dokumentarfilm sein will. Doch gerade die heutigen Aussagen von Lauda zu diesem Thema legen nahe, dass die heraufbeschworene Feindschaft in der Realität doch eher eine von Freundschaft geprägte Konkurrenzsituation war. Doch lässt man diese lästigen Fakten außer Acht, helfen diese teils künstlich wirkenden Szenen zwischen Lauda und Hunt enorm den gewünschten Spannungsbogen aufzubauen und lassen „Rush“ einfach zu einem sehr gelungenen Film werden. In dessen Zentrum steht hier vor allem die durch den Sport aufgebaute Konkurrenz und den entflammten Willen Sieger zu werden – um jeden Preis.

Das Fazit (für Lesefaule):

Der Name ist hier Programm – „Rush“ ist höchst spannendes und packendes Kino. Der Film lebt insbesondere von der tollen Leistung von Daniel Brühl und Chris Hemsworth, wobei erstgenannter eine fast perfekte Imitation von Niki Lauda auf die Mattscheibe verewigt. Optisch bringt „Rush“ zudem viele tolle Bilder mit und arrangiert diese zu atemberaubenden Sequenzen zwischen den beiden Rivalen. Doch eigentlich funktioniert der Film auf einer persönlichen Ebene, die der Rivalen Lauda und Hunt. Hierdurch ist „Rush“ nicht nur einem motorsportaffinen Publikum zu empfehlen, sondern dürfte genauso für jeden geneigten Zuschauer funktioniert. Das dieser Film so gut funktioniert liegt jedoch vor allem an der Geschichte der Formel 1-Saison 1976. Diese ist derart spannend und durch zahlreiche ungewöhnliche Begebenheiten geprägt, dass ein Drehbuchautor schon einen sehr, sehr guten Tag haben müsste, sich diese Dramaturgie der Ereignisse auszudenken.

Wertung:

Kurve, runterschalten, einlenken, beschleunigen und schalten in den achteinhalbten Gang.

8.5

Trailer:

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2 Gedanken zu “Rush (oder: 20% Todeswahrscheinlichkeit sind akzeptabel)

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