Das Boot (oder: It’s a Long Way to Tipperary)

A1CnFcLWppL._SL1500_Jahr: 1981
Regie: Wolfgang Petersen
Laufzeit: 208 Minuten (Director’s Cut)
Budget: 32 Mio. DM
Academy Awards: Beste Regie (nominiert), Bestes adaptiertes Drehbuch (nominiert), Beste Kamera (nominiert), Bester Schnitt (nominiert), Bester Ton (nominiert), Bester Tonschnitt (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Das Jahr 1941 – noch ist die deutsche U-Boot-Waffe eine wirkungsvolle, im Kampf gegen Frachter und Tanker, die versuchen Großbritannien mit Nachschub zu versorgen. Doch wendet sich zunehmend das Blatt. Durch eine effektivere Zusammenstellung der alliierten Konvois und dem technischen Fortschritt, werden die deutschen Jäger zunehmend zu Gejagten. In dieser Lage findet sich U-96 wieder, die auf erneute Feindfahrt im Atlantik geschickt wird. Mit an Bord befindet sich Leutnant Werner (Herbert Grönemeyer), der als Kriegsberichterstatter für die Propaganda-Abteilung der Wehrmacht heroische Bilder schießen soll. Doch zeigt sich bald, dass sich der Kaleun (Jürgen Prochnow) und ein Großteil seiner Besatzung nicht besonders zum völkischen Vorbild eignen. So geht das Boot auf Fahrt und muss sich bald der tödlichen Realität stellen, dass die „Wunderwaffe“ der Kriegsmarine mehr und mehr stählernen Särgen ähnelt.

Die Meinung:

Seit einiger Zeit spiele ich mit dem Gedanken „Das Boot“ im Blog zu verewigen, da ich den Film mindestens einmal im Jahr sehe. Doch irgendwie habe ich mit einer Rezension gehadert, da mir zu dem Film alles gesagt scheint, gleichzeitig ich einen recht einseitigen Blick auf dieses Meisterwerk habe. Doch dieses Mal musste es einfach sein, nach der letzten Sichtung war es für mich ein innerlicher Drang meine Meinung über „Das Boot“ in die Welt hinauszutragen.

Ja, was soll ich sagen? „Das Boot“ ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme, seit ich ihn vor ungefähr 15 Jahren das erste Mal gesehen habe. Damals noch in der ursprünglichen Kinofassung von 1981, fand ich die Szenerie in dem U-Boot als höchst packend und über die komplette Laufzeit unglaublich spannend. Doch vielleicht ein paar Worte vorweg zur Strukturierung des Films. Im Kern lassen sich die Szenen in zwei Teile zergliedern. Zum einen in die für einen U-Boot-Film typischen Sequenzen – die eigentlichen Kampfhandlungen, in dem Fall gegen die erdrückende Übermacht der alliierten Zerstörer und ihrer Wasserbomben. Diese Abschnitte sind von ihrer Dramaturgie und Inszenierung grandios umgesetzt. Das Ächzen des Bootkörpers, das Dröhnen der Explosionen, eindringendes Seewasser. Als Zuschauer sitzt man förmlich mit im Boot und wartet auf das finale Ende durch die eine Wasserbombe zu viel. Insbesondere in einer der letzten Szenen an Bord, bekomme ich jedes Mal beinahe selbst Atemnot. Großes Kino.

Die zweite Hälfte des Films besteht aus zahlreichen Szenen, die sich der intensiven Charakterarbeit der Crew widmen. Hier lebt der von der Heterogenität der Besatzungsmitglieder von U-96, die sich in ihrem Verhalten teils sehr unterscheiden. Das macht den Film dann auch in diesen Sequenzen sehr spannend, auch wenn die „Fülle“ an Dialogzeilen teils sehr minimalistisch wirkt. Allen voran spannend ist die kritische Auseinandersetzung der Charaktere mit dem Kriegsverlauf und der verbreiteten Propaganda. Hierbei skizziert der Film ein interessantes Bild des Soldatentums innerhalb der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs. Natürlich sind solche Darstellungen stets mit einem kritischen Auge zu betrachten, dennoch hilft die hohe Authentizität der Charaktere einen solchen Erzählansatz zu verfolgen.

Ein weiterer enormer Pluspunkt in diesem Kontext ist der grandiose Cast von „Das Boot“, der bis zum Anschlag gespickt ist mit bekannten deutschen Filmschauspielern. Doch nicht nur die Popularität der Besatzung von U-96 ist besonders, sondern auch die perfekte Auswahl der Schauspieler zu ihren Rollen. Allen vorweg ist hierbei natürlich Jürgen Prochnow als „der Alte“, sprich der Kommandant zu nennen. Dieser besitzt in seinem Auftreten unverkennbar die Autorität an Bord, die er auch ohne irgendwelche Anstrengungen passiv ausstrahlt – auch durch die Leinwand oder Mattscheibe hindurch. Doch auch der restliche Cast ist perfekt besetzt, vor allem zu den darzustellenden Charakteren. Hubertus Bengsch als propagandafester Volksdeutscher, Klaus Wennemann als nachdenklicher LI,  Martin Semmelrogge als kleiner Spaßvogel. Selbst die Rolle von Herber Grönemeyer, dessen schauspielerisches Talent wahrlich überschaubar ist, passt zu 100 Prozent auf die Rolle. So wirkt die Besetzung von U-96 in Gänze stimmig, wie die Faust auf’s Auge, was schlussendlich zur enormen Authentizität des Gesamtwerks beiträgt.

Wenn man überhaupt irgendetwas (legitimerweise) an dem Film kritisieren möchte, sind es die mittlerweile doch etwas mau wirkenden Außensequenzen. Hier merkt man auch durch die mittlerweile hochauflösende Version des Films, die doch sehr plump gearbeiteten Modelle von U-96. Eigentlich kein größeres Thema, aber mich schmeißt mittlerweile dieses Design ein wenig aus der Immersion des Filmes. Doch letztlich soll das egal sein. Der Film ist nun einmal nicht vom Vorjahr, hat einige Jahre auf dem Buckel und ich kann damit gut leben. Hier lasse ich kein Tröpfchen Meerwasser auf den Film kommen!

Ein kurzes Wort an dieser Stelle noch zu dem Verwirrspiel um die zahlreichen Versionen von „Das Boot“. Ich persönlich halte den 1997 erschienen Director’s Cut für die beste Wahl, sich diesen Klassiker anzuschauen. Diese hat mit einer Laufzeit von 208 Minuten eine noch im Angenehmen befindliche Laufzeit, so dass sich ohne größere Probleme des Sitzfleischs eine Sichtung machen lässt. Alternativ hierzu bietet sich die Fernsehfassung an. Diese wurde als 6-teilige Miniserie im Fernsehen ausgestrahlt und besitzt als Gesamtschnitt eine Laufzeit von 282 Minuten. Puristen mögen zwar argumentieren, dass dies die einzig wahre Version ist, für mich setzt der Director’s Cut allerdings auf die richtigen Filmsequenzen und schmeißt Überflüssiges, wie die Off-Texte von Leutnant Werner über Bord (die ich persönlich nicht brauche). Zudem ist der Director’s Cut gut restauriert worden und besitzt eine brauchbare Ton- und Bildspur. Von der ursprünglichen Kinofassung aus dem Jahr 1981 mit seinen 149 Minuten würde ich heute abraten, allerdings ist diese Version auch nur noch schwer aufzutreiben.

Schlussendlich bleibt mir nur zu sagen, dass „Das Boot“ bei mir bis heute von seiner Faszination nichts, aber so gar nichts verloren hat. Ich kann den Film immer wieder regelmäßig anschauen und bekomme immer noch in den richtigen Momenten Gänsehaut. Was das Produktionsniveau anbelangt ist „Das Boot“ meiner Meinung nach auch nach heutigen Maßstäben überragend, zumindest was den deutschen Film anbelangt. Und es zeigt, dass auch hierzulande international erfolgreiches Kino funktionieren kann. Es bedarf lediglich einer gewissen finanziellen Ausstattung und dem entsprechenden Mut ein solches Projekt anzugehen. Doch leider mangelt es in Deutschland momentan an beiden Faktoren.

Das Fazit (für Lesefaule):

U-96 ist schlichtweg Kult. Tatsächlich habe ich mich relativ lange gescheut eine Kritik zu Wolfgang Petersens Meisterwerk zu schreiben, da dies in eine reine Lobhudelei ausarten würde. Aber nach der letzten Sichtung von „Das Boot“, kam ich dies mal einfach nicht drum herum. Für mich persönlich ist „Das Boot“ als Film, aber auch in seiner filmhistorischen Bedeutung, das beste deutsche Filmwerk der Nachkriegszeit. Auf seiner kompletten Länge (selbst in der 282-minütigen Fernsehfassung) besitzt der Film nicht den kleinsten Einbruch in seiner packenden Atmosphäre. Hierbei wechseln sich hochspannende Unterwasserkämpfe mit intensiver Charakterarbeit ab, so dass auch in den ruhigen Momenten keinerlei Langeweile aufkommt, im Gegenteil. Vor allem besitzt „Das Boot“ ein wunderbares Pacing, nimmt an den richtigen Stellen Fahrt auf, um sie oft nur kürzeste Zeit später wieder geschickt abklingen zu lassen. Garniert wird der Film durch den Cast der Crew von U-96, allen voran natürlich die des Kaleun, die bis ins Kleinste perfekt arrangiert ist und die Besatzung in jeder Sekunde höchst authentisch zur Wirkung bringt. Das alles lässt selbst die mittlerweile etwas angestaubte Tricktechnik vergessen. Ganz großes deutsches Kino, das fast erschreckenderweise seit nunmehr 33 Jahren hierzulande unübertroffen bleibt. Auf weitere 33 Jahre! TAUCHEN!

Wertung:

9 versenkte Schiffe und ein beschädigtes – Volltreffer!

9.5

Trailer:

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3 Gedanken zu “Das Boot (oder: It’s a Long Way to Tipperary)

  1. Auch ein Film bzw. eine Serie, die schon länger wieder auf der Liste steht. Ich hatte ihn als Kind/Jugendlicher in der TV-Fassung gesehen und war total fasziniert. Was für ein Erlebnis!

    Würde wohl auch zur TV-Fassung greifen, die bei mir im Regal steht. Zwar nur in DVD-SD, aber dafür komplett.

    1. Japp, das ist wirklich ganz großes Kino. Könnte den Film jetzt glatt noch einmal schauen. 😉
      Finde an dem Film auch sehr spannend, dass er sowohl in der TV-Fassung funktioniert, wenn man ihn über mehrere Tage streckt, als auch am Stück. Falls man sich entschließt den Film an einem Abend komplett zu schauen, finde ich die TV-Fassung aber ein wenig zu lang. Mit genug Sitzfleisch sind aber auch die 4,5 Stunden gut angelegte Lebenszeit.

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