Argo (oder: Argo fuck yourself)

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Jahr: 2012
Regie: Ben Affleck
Laufzeit: 115 Minuten (Extended 129 Minuten)
Budget: 44,5 Mio. $
Academy Awards: Bester Film (gewonnen), Bester Nebendarsteller (nominiert), Bestes adaptiertes Drehbuch (gewonnen), Bester Schnitt (gewonnen), Beste Filmmusik (nominiert), Bester Ton (nominiert), Bester Tonschnitt (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

1979. Zwischen den USA und dem Iran herrscht keine allzu gute Stimmung. Immerhin hat die Iranische Revolution den Schah, ein guter Kumpel der USA, aus dem Land gejagt. Dieser versteckt sich nun bei seinen Gönnern, die sich wiederrum weigern diesen an die Revolutionäre auszuliefern. Als Reaktion hierauf stürmt ein wütender Mob, (einer dieser mit Fackeln, Mistgabeln und Kalaschnikows) die amerikanische Botschaft in Teheran. Ein Großteil der Mitarbeiter wird durch die Straßen getrieben und gerät in Gefangenschaft. Glücklicher erwischt es da ein kleines Trüppchen aus 6 Amerikanern, die es schaffen zu fliehen und in der kanadischen Botschaft untertauchen. Jetzt ist so ein Leben in einer Botschaft in feindlichem Land auf Dauer eher ungünstig (Julian Assange lässt grüßen), weswegen die CIA über eine Fluchtmöglichkeit nachdenkt. Da eine Tarnung als Lehrer oder eine wilde Fahrradfahrt bis in die Türkei doch eher untauglich daherkommen, setzt sich der CIA-Agent Tony Mendez mit einer interessanten Idee durch. Er will zur Tarnung einen fiktiven Film im Iran drehen und die 6 Botschaftsmitarbeiter als sein Produktionsteam verkaufen. Die Operation Canadian Caper und die „Dreharbeiten“ zum SciFi-Knüller Argo beginnen.

Die Meinung:

Ein Film aus Hollywood über fiktive Hollywood-Dreharbeiten, basierend auf realen Ereignissen. Mit Spannung hatte ich Ben Afflecks dritten Ausflug auf den Regiesessel erwartet, hatten mir Afflecks zuvor gedrehte Filme (Gone Baby Gone und The Town) doch sehr gut gefallen. Insbesondere The Town von 2010 ist mir als sehr gelungen im Gedächtnis geblieben, wobei Affleck hier sowohl als Darsteller und Regisseur eine überzeugende Gesamtleistung abrief. Dazu war Argo bei den Academy Awards 2013 zum besten Film gewählt worden. Vorschusslorbeeren sind also reichlich vorhanden, doch welche Figur macht Argo im heißen, wie revolutionären Iran?

Ein dickes Plus an Argo ist seine, für einen historischen Politthriller, sehr dichte Atmosphäre und ein stetiger Handlungsbogen, der wenig Pausen und Hänger aufkommen lässt. So flogen die immerhin 2 vollen Stunden schnell an mir vorbei, obwohl auf der eigentlichen Handlungsebene tatsächlich ein eher überschaubarer Inhalt abläuft. Die einzelnen Filmsequenzen sind durch eine geschickte Kamera- und Schnitttechnik zackig präsentiert, ohne dabei in wilde und unpassende Actionsequenzen abzudriften. Zudem ist der Look Ende der 70er Jahre gut erwischt worden, so dass man wirklich das Gefühl hat an den damaligen Ereignissen teilzunehmen.

Der Cast ist solide besetzt, bietet aber neben Affleck wenig Raum für großes Schauspiel. Die 6 Botschaftsflüchtling bleiben, wohl auch aufgrund geringer Screentime, blass bis maximal stereotyp. Ein wirkliches Highlight an Argo sind die eher die kleineren Nebenrollen von John Goodman (alias John Chambers) und Alan Arkin. So bringen die beiden Herren einen angenehmen Witz in die sonst doch sehr ernste Geschichte. Interessant ist hier auch der Blick hinter die Tore von Hollywood, die Mechanismen und Tricks, wie zumindest Ende der 70er Jahre Filme entstehen. Leider sind die Rollen recht klein gehalten und die Szenen an einer Hand abzuzählen, doch vielleicht war dies auch genau das richtige Mischungsverhältnis.

Schade finde ich es, dass Argo sich sehr auf das Schicksal der 6 Personen in der kanadischen Botschaft und deren Rettung fokussiert. Ich kann verstehen, dass der Film sich hauptsächlich auf die Befreiung dieser Truppe konzentriert – immerhin will der Film die Geschichte rund um Argo porträtieren (der Titel ist Programm). Dennoch tauchen während des Films immer wieder kurze Szenenfetzen auf, in welchen das Schicksal der übrigen Geiseln aufgezeigt wird um Spannung zu erzeugen. Doch was passiert mit diesen Geiseln? Werden diese befreit? Werden sie getötet? Was für Leute baumeln an mobilen Kränen? Dieser Teil der Geschichte im Jahr ’79 wird völlig ausgeblendet, so dass der geneigte Zuschauer am Ende doch selbst recherchieren muss. Hier hätte der Film meiner Meinung nach seinen Fokus etwas breiter legen müssen (zumal wenn er dieses Fass schon selbst aufmacht). Zudem bleibt bei mir der etwas fade Beigeschmack zurück, dass die menschenfreundliche Rolle der CIA etwas zu menschenfreundlich in die Geschichte eingerührt wurde – ohne die genaueren Zusammenhänge bewerten zu können.

Was bleibt am Ende also von Argo? Argo ist durchaus eine Empfehlung wert. So lässt sich der Film flott anschauen und hält den Zuschauer seine vollen 2 Stunden bei Laune. Doch so flott sich die 2 Stunden anschauen lassen, desto weniger Nachklang hatte Argo für mich. Am Ende fragt man sich, ob die 6 Flüchtlinge wirklich jemals in Gefahr waren, da das Ende als für alle Beteiligten als super duper Happy End aus dem Hut gezaubert wird. Alles in allem also angenehmes Popcorn-Kino, aber bei mir ohne große hinterlassende Spuren auf der Platte.

Das Fazit (für Lesefaule):

Argo fuck yourself! Nana, wer wird denn gleich so rabiat sein Mr. Arkin? Argo hat mir im Großen und Ganzen gut gefallen. Die Begebenheiten von Candian Caper zu verfilmen lag geradezu auf der Hand, müsste sich so eine absurde Geschichte ein Drehbuchautor erst einmal ausdenken. Zudem würde er sich dies auch mit Sicherheit gut bezahlen lassen. Insofern hat Affleck ein glückliches Händchen bewiesen und zeigt wieder einmal sein handwerkliches Geschick, indem er diese historischen Ereignisse zu einem flott und spannend anzuschauenden Gesamtwerk arrangiert. Doch ist Argo für mich ein Film, der kaum bleibende Spuren zurücklässt. Es fehlt für einen Thriller an starken schauspielerischen Szenen, an prägnanten Dialogen oder an nennenswerten Wendungen. Für einen historischen Film bietet Argo hingegen einen zu engen Blick auf die Geschichte und blendet zu viele Nebenschauplätze aus. Dennoch ist Argo ein sehenswerter Film, dank seiner großartigen Geschichte, der jedoch für meinen Geschmack viel zu kurzweilig daherkam.

Wertung:

Das Ministerium für Kultur und islamische Führung vergibt 7 Punkte.

7.0

Trailer:

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2 Gedanken zu “Argo (oder: Argo fuck yourself)

  1. Eine seltsame Wahl für einen Weihnachtsfilm… 😉

    Kurzweilig ist doch eigentlich gut? Stimme dir aber im Großen und Ganzen zu. Hätte noch einen Tick knackiger sein können und mit ausgefeilteren Charakteren. Hat mir dennoch gut gefallen!

    1. Hrhr, ja da hast du recht. Hatte den vor einiger Zeit schon gesehen, musste den aber noch zwingend verbloggen. 😉
      Kurzweilig ist schon okay, aber irgendwie hatte ich bei dem Film das Gefühl, dass das eigentlich ein Film mit mehr Nachhall hätte sein müssen. Den hat er bei mir leider gar nicht gehabt. Dennoch hatte ich spaßige 2 Stunden mit dem Film.

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