Serienkritik: The Walking Dead (Staffeln 1 bis 3)

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Jahr: 2010-2013
Anzahl ausgestrahlte Episoden: 35 á 45 Minuten
Anzahl ausgestrahlte Staffeln: 3
Status: laufend
Produzent: Frank Darabont
Heimsender: AMC

Der Inhalt kurz und knapp:

Alle Jahre kommt sie wieder, die Zombie-Apokalypse. Da brechen Regierungen zusammen, Überlebende marodieren durch die Gegend und Heerscharen an Zombies bekommen Appetit auf ein blutiges Stück Fleisch. In diesem Chaos erwacht Deputy Rick Grimes, der kurz vor dem Ausbruch der Katastrophe angeschossen wurde und im Koma liegend den Beginn des Überlebenskampfes glatt verschlafen hat. Nachdem sich der Deputy zunächst reichhaltig bewaffnet hat, zieht dieser los seine Familie inmitten des Chaos wiederzufinden. Während dieser Suche trifft Rick Grimes auf Horden von „Beißern“, aber auch einigen Überlebenden. Zwar sind diese weniger hungrig auf Menschenfleisch, zum Teil jedoch nicht minder gefährlich. Samt einer kleinen Truppe an friedfertigeren Zeitgenossen macht sich Rick auf die Suche nach einem sicheren Hafen inmitten einer Welt ohne Zivilisation.Spoiler

Die Meinung:

Nun sind die Zombies also auch im Serienformat angekommen. Nach einer Fülle an Filmen zu diesem Sub-Genre des Katastrophenfilms, entschloss sich der amerikanische Sender AMC (Mad Men, Breaking Bad) dazu, diese Thematik in den stilgebenden Rahmen einer Serie zu gießen und wurde mit dieser Entscheidung reichhaltig belohnt. Immerhin setzten sich 12,4 Millionen amerikanische Zuschauer für das Finale der dritten Staffel vor die heimische Flimmerkiste und schraubten hiermit die Quoten in astronomische Höhen. Was ist das Geheimnis hinter diesem Erfolg?

Einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren von „The Walking Dead“ dürfte die scheinbar sehr umfangreiche finanzielle Ausstattung sein. Bereits in der Pilotfolge zeigt die Serie eindeutig, dass AMC Frank Darabont einen großen Schluck aus der liquiden Geldflasche hat nehmen lassen. Das die erste Staffel lediglich 6 Folgen umfasst, ist ein weiteres Indiz dafür, dass die Serie finanziell überdurchschnittlich ausgestattet wurde, wollte man scheinbar einen möglichen Misserfolg schnell beenden können. Besonders hervorstechend sind vor allem für mich zwei Punkte. Erstens die unglaublich hochwertige und fast beängstigend authentische Maske der Zombies. Die Serie verzichtet fast gänzlich auf visuelle Tricktechnik aus der digitalen Konserve und setzt auf gute, alte Horden an Komparsen. Die Masken dieser Komparsen sind perfekt gelungen und vor allem höchst individuell, vor allem was Kleidung und Accessoires anbelangt. Die Zombies sehen tatsächlich so aus, als wären sie vor Monaten in ihrem regulären Alltag angeknabbert worden und streiften seitdem durch die Prärie auf der Suche nach einem Snack. Der zweite Punkt sind die sehr schön ausgearbeiteten Kulissen. Leere Städte, verwaiste Autowracks und zahllose kleine Hinweise auf eine verschwundene Zivilisation. Durch diese postapokalyptische Welt wandern die Überlebenden auf der Suche nach Waffen, Nahrung und nicht zuletzt einem sicheren Platz, als ein neues Zuhause. Diese beiden Punkte werden zudem durch eine wunderbare Kamera hervorgehoben, die gerne auf den einen oder anderen Farbfilter zurückgreift und somit die morbide S81gV0q7h1UL._SL1500_timmung atmosphärisch unterstreicht.

Der Cast der Serie ist solide zusammengestellt worden und verzichtet größtenteils auf bekannte Namen (Laurie Holden dürfte noch das prominenteste Gesicht sein). Was die Charakterentwicklung betrifft, besitzt das Drehbuch leider einige inhaltliche Durchhänger. Viele Themen werden nur halbherzig angerissen, überhastet angegangen oder prompt wieder fallen gelassen. Hierdurch ergibt sich in Folge dann oftmals ein Bruch zwischen Darsteller und Zuschauer, da einzelne Verhaltensweisen nicht nachvollzogen werden können und sehr konstruiert wirken. Zudem kommt, dass die wirklich interessanten Charaktere, bzw. Charaktere die in einer interessanten Wechselwirkung standen, oftmals zu früh über das Messer springen müssen. Hier verschenkt „The Walking Dead“ viel von seiner größten Tugend – der Authentizität.

Kommen wir jedoch zu dem größten Manko an „The Walking Dead“. Speziell seit Beginn der dritten Staffel fehlt der Serie eine nachvollziehbare und zumindest einigermaßen konsequent verfolgte Rahmenhandlung. Es drängt sich hierbei der Eindruck auf, dass die Episoden isoliert geschrieben werden und die Serie daher auf ein loses Ende hinarbeitet. Natürlich ist es legitim und auch notwendig in einer Serie Schlenker zu ziehen, Nebenschauplätze zu eröffnen und hier und dort auch einmal eine Sackgasse mitzunehmen. Bei „The Walking Dead“ fühlt es sich jedoch so an, als würde die Handlung förmlich auf der Stelle treten. Zu diesem Eindruck beigetragen hat vor allem die Entscheidung, Rick Grimes und seine Schicksalsgemeinschaft auf ein Staatsgefängnis zu begrenzen und einen privaten Kleinkrieg mit der Kommune Woodbury vom Zaun zu brechen. Angriff – Gegenangriff – Angriff – Gegenangriff. Diese Scharmützel führen inhaltlich zu keinerlei Fortschritt, außer das in regelmäßigen Abständen Teile des Haupt- oder Nebenensembles sterben. Das allerdings auch nur mit dem Ziel, um in den einzelnen Episoden überhaupt irgendetwas geschehen zu lassen außer wilder Munitionsverschwendung. Damit die Serie jedoch nicht irgendwann an einem fehlenden Cast eingeht, werden in regelmäßigen Abständen weitere Nebendarsteller aus dem Hut gezaubert, nur um diese im nächsten Gefecht wieder als Kanonenfutter verenden zu lassen. Bestes Beispiel hierfür ist ein Trupp Gefangener, der in der örtlichen Knast-Kantine eingesperrt vorgefunden wird. Hiervon wird einem Teil sogar verstärkt Screentime gewidmet, was das Drehbuch aber nicht davon abhält binnen weniger Folgen sämtlichen Charakteren ein letales Ende zu bescheren.

Das bereits angesprochene fehlende inhaltliche Ziel offenbart sich in Konsequenz dann auch im dritten Staffelfinale. Wo die zweite Staffel noch mit einem großen Paukenschlag endete und mit der letzten Einstellung die Marschrichtung der Folgestaffel vorwegnahm, zeigt die hier abschließende Kamerafahrt eine grüne Wiese. Das ist nicht nur langweilig und unbefriedigend, sondern darüber hinaus ein deutliches Indiz, dass die vierte Staffel nahtlos an dem „Angriff – Gegenangriff – Angriff – Gegenangriff“-Stumpfsinn anschließt und eine Weiterentwicklung der Serie verschleppt wird.

Das will ich nicht hoffen, da mich bei aller Kritik „The Walking Dead“ stellenweise zu begeistern wusste. Die Serie ist macht einen sehr wertigen Eindruck, die Bildsprache ist gewaltig und trotz Defizite in der Handlung, war ich nach jeder Folge heiß auf die nächste. Ab Oktober 2013 sollen laut AMC wieder halb-verweste Zombies in den US-amerikanischen Wohnzimmern ihr Unwesen treiben – und ich werde aller Voraussicht nach wieder dabei sein.

Das Fazit (für Lesefaule):

Zombies im Serienformat – ein Traum jedes Genrefans. “The Walking Dead“ ist ein finanziell hochgezüchtetes Serienspektakel, dessen Drehbuch sich jedoch mehr und mehr droht zu verrennen. Unzulänglichkeiten in der Storyline und der Charakterentwicklung bremsen die Euphorie, dennoch bis zum aktuellen Zeitpunkt eine klare Empfehlung für jeden, der mit dieser Thematik rudimentär etwas anzufangen vermag.

Wertung:

Daumen schräg oben

Trailer:

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4 Gedanken zu “Serienkritik: The Walking Dead (Staffeln 1 bis 3)

  1. Ich finde die Serie ziemlich großartig. Besonders die zweite Staffel hat mir gefallen, die dritte kenne ich dagegen noch nicht. Wird aber noch kommen!

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