OSS 117 – Le Caire nid d’espions (oder: Das Frikassee ist vorzüglich!)

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Jahr: 2006
Deutscher Titel: OSS 117 – Der Spion, der sich liebte
Regie: Michel Hazanavicius
Laufzeit: 99 Minuten
Budget: 14 Mio. € (geschätzt)

Der Inhalt kurz und knapp:

Wir schreiben das Jahr 1955 und Frankreich ist noch so etwas wie eine Weltmacht. In Ägypten wird der Agent OSS 283 ermordet aufgefunden, woraufhin sein Geheimdienstkollege, Frauenschwarm und Hobby-Ignorant OSS 117 nach Kairo reist, um den Geheimnissen hinter dem Mord auf die Spur zu kommen. Mit der Hilfe der Einheimischen Larmina kommt OSS 117 auf die Spur einer sowjetischen Waffenlieferung und einer geheimen ägyptischen Revolutionsbewegung.
Im weiteren geht es dann noch um Nazis in Pyramiden, Hühnerzucht im Dunkeln und einen verprügelten Muezzin. Am Ende des Films hat OSS 117 die Frau für sich gewonnen und den Fall gelöst. Le Fin.

Die Meinung:

Jean Dujardin und Bérénice Bejo in den Hauptrollen, Michel Hazanavicius führt Regie? Da erwachen doch die grauen Zellen zum Leben und läuten das Glöckchen der Erkenntnis. Richtig, die Personen hinter dem Abräumer der Academy Awards 2012 – The Artist. Bereits 5 Jahre vor dem Stummfilm-Revival, legte das Trio mit „OSS 117 – Le Caire nid d’espions“ eine französische Hommage an die frühen James Bond- und klassischen Fantomas-Filme auf’s Parkett.

Also Butter an das Croissant – macht der Film Spaß? Definitiv! Besonders Jean Dujardin, als namensgebender Agent 117, gefällt mir in der Rolle besonders. Wie schon in „The Artist“ nimmt man ihm die Rolle des überheblichen und egozentrischen Selbstdarsteller vortrefflich ab. In OSS 117 kommt hierzu noch ein ordentlicher Schlag Trotteligkeit und das Talent jedes Fettnäpfchen auf dem Weg mitzunehmen. Im Gegensatz zu vielen Komödien aus Hollywood mit satten in-your-face Humor, übertreibt es dieser französischer Ableger jedoch nie. Zwar gibt es auch für die Freunde des gepflegten Herrenwitzes den ein oder anderen Lacher, aber auch immer wieder versteckte kleine Unsinnigkeiten, die mit den Klischees der filmischen Vorlagen spielen.

Ebenso spielt der Film mit den Gepflogenheiten der französischen Kultur. Ignoranz gegenüber fremden Kulturen und Religionen, immer mit der festen Überzeugung die eigene wäre ohne jeden Zweifel überlegen. Hier passt Jean Dujardin als Klischee-Franzose perfekt ins Gesamtbild.

Ein Wort noch zur deutschen Fassung pour les spectateurs non-francophones. Das deutsche Dialogbuch stammt aus der Feder von Oliver Kalkofe, der für meine Auffassung eine sehr solide Arbeit abgeliefert hat. Die Anspielungen und Witze sind sehr schön ins Deutsche übertragen worden, wobei hier und dort die „Übersetzung“ recht frei erfolgt scheint. Störend hingegen ist, dass Kalkofe die Synchronisation Jean Dujardins übernommen hat. So sehr ich Oliver Kalkofe auch schätze, aber die Synchronarbeit als solches hätte er lieber jemanden anvertrauen sollen, der in diesem Geschäft tiefer im Saft steht. Ein gutes Beispiel dafür, wie hoch die Qualität deutscher Filmsynchronisation ist und wie schnell ein Amateur auffällt. Sicherlich kein Ausfallkriterium für „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“, aber auch keine Wohltat.

Was man dem Film ankreiden könnte wäre die teils zu verworrene und unlogische Story. Natürlich handelt es sich bei dem Film um eine Parodie alter Agentenklamotten, die im Zweifel lieber eine unsinnige Wendung mehr hatten, als zu wenig. Dennoch hätte ein etwas mehr geradliniger Plot dem Ganzen zumindest filmisch mehr Schwung gebracht. Dennoch werden derart viele versteckte Anspielungen zur vergangenden Filmära aufgemacht, dass „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ in einem Atemzug mit den letzten großen Komödienerfolgen des französischen Kinos genannt werden muss.

Das Fazit (für Lesefaule):

Hubert Bonisseur de La Bath, alias OSS 117 ist in seiner Rolle als narzisstischer, trotteliger und ignoranter Geheimdienstagent in jeder der insgesamt 99 Minuten unterhaltsam. Wer die James Bond-Filme dieser Zeit kennt und dem Mike Myers Humor in Form des Austin Powers zu platt daherkommt, wird so wie ich großen Gefallen an dem mit Klischees angereicherten Franzosen haben.

Wertung:

Achtmal den Lichtschalter im Hühnerstall an und wieder aus!

8.0

Trailer:

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