Ted (oder: Wofür Teddybären ein Etikett haben)

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Jahr: 2012
Regie: Seth MacFarlane
Laufzeit: 106 Minuten (“Unrated“ 112 Minuten)
Budget: 50 Mio. $ (geschätzt)
Academy Awards: Bester Filmsong (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Bekanntlich soll man mit Wünschen sehr vorsichtig umgehen, können sie doch schneller in Erfüllung gehen als einem lieb ist. So, oder so ähnlich, ergeht es dem 8-jährigen John Bennett, als er sich in einer glasklaren Nacht wünscht, sein knuddeliger Teddybär solle doch sprechen können. Und da in diesem Moment durch Zufall eine Sternschnuppe über das Haus der Bennetts seine Bahn zieht, geht der Wunsch in Erfüllung und Teddy erwacht tatsächlich zum Leben.
Knapp 30 Jahre später sind John und Ted (so der phantasievolle Name des Teddybären) immer noch unzertrennlich, rauchen den Tag über Gras, trinken Bier und ziehen sich Filme rein. Doch gilt Johns Interesse mittlerweile auch seiner Freundin Lori und nach einer alten Rechnung sind drei bekanntlich einer zu viel. John muss sich entscheiden – Frau oder Teddy? Das ist hier die Frage.

Die Meinung:

Seth MacFarlane bleibt sich treu. So oder so ähnlich könnte die Zusammenfassung des ersten Kinofilms des Kopfes hinter Family Guy und American Dad lauten. Tatsächlich erkennt man an allen Ecken und Enden das geistige Erbe von Ted, ist doch beinahe der gesamte amerikanische Voice Cast von Family Guy im Film mit größeren (Mila Kunis, Sprecherin von Meg Griffin) oder kleineren Rollen (Alex Borstein, Sprecherin von Lois Griffin) gesegnet worden. Zudem übernimmt der Meister des schwarzen Humors die Synchronisierung des wandelnden Teddybären. Deftig-zynische Referenzen an das amerikanische Fernsehen und Kino der letzten Jahrzehnte reihen sich an zahlreiche Cameo-Auftritte, beides ebenfalls Markenzeichen der Zeichentrickserie rund um Peter Griffin.

Wer nun Family Guy mag, der wird den Film lieben? Nein, hier entpuppt sich diese Gleichung als eine ziemliche Milchmädchenrechnung. Woran liegt es?

Der Charme von Family Guy liegt für mich in der vollkommenden Absurdität der Serie. Die einzelnen Episoden der Serie folgen, freundlich ausgedrückt, rudimentär einer wirklichen Geschichte. Vielmehr sind die Folgen ein Konstrukt, um isolierte Einzelszenen des schwarzen und sinnbefreiten Humors aneinanderzureihen. In Ted hingegen versucht MacFarlane eine Geschichte zu erzählen, die jenseits des Furz- und Sexhumors noch eine zweite Ebene aufmachen soll. Hier wird mit dem Coming of Age-Thema gespielt und ein Mann porträtiert, der mit Mitte 30 sich immer noch mit dem Übergang zum Erwachsenwerden schwer tut. Das ist dann auch der Punkt, wo der Film sich im Ablauf zunehmend verhakt und weswegen viele der besagten Furz- und Sexwitze nicht zünden, wo ich mich bei Family Guy noch mit Zwerchfellschmerzen auf dem Boden gerollt hätte. Der platte Humor stößt auf zu viel gewollten Inhalt, der dann in Wechselwirkung ebenfalls leidet.

Also alles schlecht an der Ted-Offensive? Nein, so ist es auch nicht. Viele Szenen sind lustig und funktionieren, wohl weil sie von der eigentlichen Handlung losgelöst sind. So hat der frühere Flash Gordon Darsteller Sam J. Jones einen spektakulären und absolut schmerzfreien Auftritt. Ebenso gibt es eine herrliche Szene mit Giovanni Ribisi, der als Pseudo-Schurke eine kleine, dafür aber sehr schön schrullige Nebenrolle ausfüllt.
Die wohl wirklich schönste Idee des Filmes ist jedoch, dass Ted im Alltag überhaupt nicht mehr auffällt, Auto fährt, durch den Park läuft und im Supermarkt arbeitet. Die beiden menschlichen Hauptdarsteller Wahlberg und Kunis spielen die Szenen mit Bär zudem brillant, so dass man zwischenzeitlich vergisst, dass Ted aus den digitalen Töpfen und Kesseln Hollywoods stammt. Das ist genau die richtige Basis für absurde Szenen, die aber, wie bereits geschrieben, nicht konsequent genutzt wird.

Schlussendlich bleibt für mich ein eher enttäuschtes Fazit. Ted ist ein Film der leider viel hat liegen lassen, wenig neues erfindet und auch kaum nachwirkt. Da kann der super animierte und liebenswerte Ted leider auch nicht viel herausreißen. Vielleicht das nächste Mal einfach einen Family Guy-Film oder einen Film ohne Family Guy Herr MacFarlane, ich glaube das würde bei mir wesentlich mehr Begeisterung erzeugen!

Das Fazit (für Lesefaule):

Ted ist leider einer dieser Filme die insgesamt durch nichts wirklich hervorstechen. Die Idee: „geht so“, der Humor: „geht so“, die Handlung: „geht so“. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob ich wegen oder trotz meiner Begeisterung für Family Guy den Film alles in allem eher mäßig finde. Für einen spaßigen Filmabend kann man die beiden Thunder Buddies jedoch empfehlen.

Wertung:

Meiner „geht so“-Anapher folgend, eine „geht so“-Wertung. Eine „geht so“-4,0.

4.0

Trailer:

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5 Gedanken zu “Ted (oder: Wofür Teddybären ein Etikett haben)

  1. Bei mir war das mit McFarlane so: Ich habe Family Guy gehasst. Seit ich Ted sah bin ich ein riesen Fan.

    Der Film ist wirklich Geschmackssache (alles zwischen „voll gut“ und „was für’n Mist“ möglich)… Wenn man aber Flash Gordon (1980) als einen der besten Trashfilme aller Zeiten abfeiert, dann hat man mit Ted verdammt viel Spaß. Ich hatte verdammt viel Spaß 🙂

    1. Das ist ja echt spannend. 😉 Bist du denn Fan von MacFarlane oder Family Guy? Oder gar beidem? Aber ich finde es gut, wenn man über den Film Zugang zu den Serien bekommt.
      Den Film fand ich leider etwas lasch insgesamt, da hätten gerne noch ein paar mehr zünftige Szenen drin sein können. Aber man kann mit dem Film auch Spaß haben, ich hatte mir nur etwas mehr erwartet.

      1. Mittlerweile schon. Das durch Ted. Family Guy ist wirklich gut. Allein die Szene mit dem Brechmittel Contest… Sie wird jedes mal lustiger XD

        Bei mir kam der Zugang zu Farlanes Humor und Ted einfach durch die zig Anspielungen auf Flash Gordon. Der Film ist so richtig guter Trash. Das ist aber kein Film-Zugang den man voraussetzen sollte. Das ist zu speziell.
        Ohne Flash Gordon wäre Ted für mich ein sehr flaches und lasches „Vergnügen“.

        BTW: Die Schlampennamen-Nummer ist eigentlich geniales Fourth Wall Breaking. Dumm nur, dass es in Deutschland nicht so gut funktioniert.

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