The Avengers (oder: 8 Fäuste für ein munteres Mashup)

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Jahr: 2012
Deutscher Titel: Marvel’s The Avengers
Regie: Joss Whedon
Laufzeit: 143 Minuten
Budget: 220 Mio. $
Academy Awards: Beste visuelle Effekte (nominiert)

Der Inhalt kurz und knapp:

Erneuerbare Energien haben ja hier und dort so ihre Tücken. Das diese aber gleich manisch-verrückte Halbgötter mit dem Hang zur Massenversklavung aus fremden Dimensionen hervorspucken, ist dann jedoch eher seltener Natur. Doch genau so beginnt der Plot von „The Avengers“. Der Bösewicht Loki, ein Asgard und bekannt aus der Marvel Vorlage „Thor“, gelangt Dank des sogenannten Tesserakts auf die Erde, samt einer illustren Heerschar finsterer Aliens. Damit die Menschheit nicht unter der Knute der Sklaverei ihr Schicksal fristen muss, rekrutiert der Einäugige unter den Geheimorganisations-Direktoren, Nick Fury, das Umsatzstärkste was Marvel Studio zu bieten hat – die Avengers.
So zieht die im Vergleich zum Originalcomic variierte Truppe, bestehend aus Thor, Iron Man, Captain America und Hulk los, Loki und seinen Schergen das interdimensionale Handwerk zu legen. Zu den vier Superhelden wird zudem noch Hawkeye (der superheldenmäßig gut mit Pfeil und Bogen hantiert) und Black Widow (die superheldenmäßig gut aussieht) in das Mashup geworfen und gemeinsam gibt es dann Fratzengeballer bis der Abspann kommt.

Die Meinung:

The Avengers – die gefühlt 95. Comicverfilmung der vergangenen Jahre. Die Comicverfilmung und ich, die Geschichte eines schwierigen Verhältnisses. Wirklich überzeugen konnte mich bisher kaum eine dieser Budget- und CGI-Schlachten und nach grausamen zwei Stunden Green Lantern sagte ich mir: jetzt reicht’s – Genreboykott. Warum also nun The Avengers? 92 Prozent bei Rotten Tomatoes, eine 8,3 bei IMDB (Platz 141 auf der ewigen Bestenliste). Potzblitz. Hatte ich das Genre vielleicht doch zu früh abgeschrieben?

Die Antwort ist: nein, hatte ich nicht. Den Film kann man zwar gesehen haben, er ist kurzweilig, richtet im Stammhirn keine größeren Schmerzen an, aber woher diese Traumwertungen stammen ist mir unklar.

Was wieder einmal besonders negativ auffällt ist der Plot. Meine selbstgehäkelte Inhaltsangabe im oberen Teil fällt von ihrem Umfang schon sehr schmeichelhaft aus, lässt sich die Story doch auf die einfache Formel: „Ein echt fieser Fiesling will die Erde beherrschen und die Superhelden greifen ein“ herunterbrechen. Tatsächlich könnte man die Story auch trocken weglächeln, wenn diese nicht in der ersten Hälfe des Filmes bis ins Absurde ausgerollt worden wäre. Der Film mäandert eine geschlagene Stunde umher und weiß nicht so genau was er will. Mal werden hier und da kleine Streitigkeiten zwischen den Superhelden arrangiert, die dann aber nach einem satten Machtwort oder einer Explosion schlagartig beendet sind und auch nicht mehr aufgegriffen werden. Oder es wird nach dem ultrageheimen(!) und nur in deutschen Hochsicherheitslabors(!!) gelagertem Iridium (hätt es nicht wenigstens Ununspezailistikum sein können???) gefahndet.

– Achtung: Einschub –
Liebes Hollywood. Es ist ja nett, dass ihr, kosmopolitisch wie ihr seid, das beschauliche Stuttgart in euren Film einbaut. Das ihr es aber bei 220 Millionen Dollar Budget nicht schafft herauszufinden, dass deutsche Streifenwagen mittlerweile blau sind und sich keine gelbe Warnbeleuchtung auf dem Dach befindet… also ich würd wen feuern. Egal wen. Das nächste Mal für ein paar hundert Dollar vielleicht einen Praktikanten in die betreffende Stadt schicken und Fotos machen lassen. Danke!
– Einschub Ende –

Wozu sowas? Wo in der ersten Stunde die Zeit dann für unsinnige Plotentwicklung verbraten wird, fehlt sie an anderer Stelle die Charaktere weiterzuentwickeln. Natürlich hatten die Protagonisten alle ihren eigenen Multi Millionen Dollar Film, aber ernsthafte Interaktionen (das wirkliche spannende an der Idee des Avengers-Mashups) zwischen den Superhelden finden kaum statt, außer das man dem Gegner gemeinsam satte Backpfeifen setzt. Somit bleiben die Charaktere auch weitestgehend blass. Der einzige Lichtblick ist hier Mark Ruffalo in Form des Hulk. Für mich der erste wirklich überzeugende Hulk, der auch ohne Verwandlung ins Grüne die innere Zerrissenheit glaubhaft darstellen kann.

Vor allem aber: Die erste Hälfte des Films ist völlig spaßbefreit. Bierernst gehen so die ersten rund 75 Minuten ins Land.

Meckerei, Meckerei. Stimmt, und das zurecht, gäbe es nicht die zweite Hälfte des Films, in welcher der Film wirklich aufdreht. Loki (nebenbei bemerkt von Tom Hiddleston grottoid gespielt) führt, oh Wunder, oh Wunder, seine Armee durch das intergalaktische Portal und fällt wo ein? Na? Richtig, in New York. Da kann man ja auch so schön Hochhäuser kaputtmachen. Wäre ja sonst auch langweilig. Hier spielt der Film dann aber seine volle Stärke aus, schickt die Superhelden Seite an Seite in die Schlacht und macht den fiesen Aliens die Hölle heiß. Richtig so.

Tony Stark haut seine Sprüche raus, Thor lässt den Hammer schwingen, Hulk haut mit einem Schlag fliegende Reptilien-Truppentransporter zu Klump und Captain America… naja, der macht Pathos. Die Helden greifen ineinander, als hätten sie niemals alleine vor dem Green Screen gestanden. Hulk prügelt einem fliegenden Truppentransporter ein riesiges Trümmerstück in den Rücken und Thor versenkt dieses in Anschluss mit seinem Hammer, Iron Man schießt Energieladungen gegen den reflektierenden Schild von Captain America. Grandios.

Die Action ist wirklich schön anzusehen, der Film hat in diesem Teil ein wunderbares Pacing, mit genau richtig arrangierten Pausen um kurz abzuschalten und hat jetzt auch plötzlich Witz. Und zwar einen ziemlich angenehmen.

Am Ende liegt New York in Trümmern, der Gegner ist besiegt und ich bin mir unklar wie in den Film nun finden soll. Warum nur Joss Whedon, warum nur diese erste Hälfte. Du hättest mich versöhnen können mit dem Genre Comicverfilmung. So bleibt bei mir auf der Platte nur ein „okay“ übrig. Sehr schade. Aber die Avengers kommen wieder, wenn sie gebraucht werden. Vielleicht schaffen sie es auch dann nicht nur die Welt, sondern meine Meinung über das Genre gleich mit zu retten.

Das Fazit (für Lesefaule):

Im Fußball würde man sagen: nach der Halbzeitpause kam die Mannschaft besser ins Spiel und erzielte kurz vor Schluss ein glückliches 1:0. Schwacher Anfang, dann Bombastfinale. Mit etwas Mut hätte Whedon das Genre revolutionieren können, aber wohl bei dem Renditeziel auch nur schwer umzusetzen.

Wertung:

2 1/4 von 4 Superhelden. Eine 5,5. Mehr ist leider nicht drin.

5.5

Trailer:

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3 Gedanken zu “The Avengers (oder: 8 Fäuste für ein munteres Mashup)

  1. Ein sehr schönes Fazit! Ich finde auch – obwohl ich den Film mochte – dass Whedon mehr daraus hätte machen können. Aber dafür hat er ja seine „kleineren“ Projekte bzw. Serien.

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