Mr. Nobody (oder: Warum Menschen in Zukunft Schweine lieb haben)

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Jahr: 2009
Regie: Jaco Van Dormael
Laufzeit: 141 Minuten (157 Minuten Director’s Cut)
Budget: 33 Mio. € (47 Mio. $)

Der Inhalt kurz und knapp:

Ähm.. ja. Der Inhalt. Nemo Nobody (Jared Leto) erwacht im Jahr 2092 als 118-jähriger Mann. Die Menschen sind mittlerweile durch das Tragen von Schweinen de facto unsterblich geworden. Nemo hingegen wird sterben, doch nicht nur das, nein, er ist der letzte Mensch auf Erden, der einen natürlichen Tod erleiden wird. In seinen letzten Lebenstagen berichtet Nemo einem Journalisten über seine Vergangenheit, die er, mal kinderlos – mal nicht, mal bei der Mutter aufwachsend – mal beim Vater lebend, mal glücklich – mal unglücklich verbracht hat. Da ist nicht nur der Journalist, sondern auch der Zuschauer verwirrt.

Die Meinung:

Direkt als erster Film ein echtes Brett in diesem kleinen, aber dennoch sehr feinen Blog. Der Film kommt zunächst mit einem maximal abschreckenden Anfang daher, der frech nichts erklärt und alle Fragen offen lässt. Unzusammenhängende Szenen ohne jeglichen Kontext folgen rasch hintereinander weg und lassen den Zuschauer im Trüben hocken. Und ganz ehrlich: die Hand lag die ersten 15 Minuten auf der Fernbedienung und war kaum vom dem großen roten Knopf fernzuhalten. Doch übersteht der geneigte Zuschauer den brachialen Anfang, so steigert sich der Film deutlich. Wie ein Puzzle das langsam seine Form annimmt, fügen sich die folgenden Szenen langsam einem Gesamtbild.

Besonders imponiert haben mir die zahlreichen Varianten, die sich in der (erdachten) Zukunft von Nemo Nobody ergeben und hauptsächlich an den künftigen Damen an seiner Seite geknüpft ist. Diese Varianten sind für sich genommen vergleichsweise ausgelutschte Themen – eine unglückliche Liebe, eine zerissene Liebe, eine zerstörende Liebe. Doch durch den Was-wäre-Wenn-Aspekt und den Unklarheit darüber, ob diese Dinge so wirklich passiert sind, ergibt sich ein packendes Filmerlebnis. Damit dem Zuschauer beim munteren hin und herspringen zwischen den Zukunftsmöglichkeiten nicht die Synapsen aufrauchen, hat der bis hierhin noch weitestgehend unbekannte Regissieur Jaco van Dormael, die eine oder andere pfiffige Hilfestellung parat. Die müssen zwar erst entdeckt werden, helfen dann jedoch immens der Handlung zu folgen.

Schauspielerisch kann der Film leider nicht wirklich mit großen Momenten aufwarten, hierzu sind die einzelnen Szenen zu kurz und selbst wenn sich ein größerer Moment aufzubauen droht, wird schon die nächste Was-wäre-Wenn-Sau durchs Dorf getrieben. Die intensivsten Sequenzen finden sicherlich zwischen Nemo und Anna statt, wobei ich hierbei nicht die erwachsenen Inkarnationen gespielt durch Jared Leto und Diane Kruger (ohne ü bitte) meine, sondern deren 15-jährigen Ausgaben (Toby Regbo/Juno Temple). Dennoch packt der Film den Zuschauer durch die jeweiligen Umstände, die Nemo in seinen unterschiedlichen Leben durchleiden muss.

Doch so schön der ganze Zauber auch ist, zwischendrin zieht der Film dann doch den einen oder anderen Schlenker zu viel. Ich habe mir zur Feier des Tages den Director’s Cut gegeben und mit dem Gefühl gerungen, dass das Mehr von 16 Minuten eher geschadet, als denn geholfen hat.
Doch kurz vor dem gänzlichen Abdriften ins Surreale, schafft es van Dormael doch noch die Kurve zu kriegen und kreiert zu meiner Verwunderung ein äußerst rundes Finale. Der Zuschauer wird in Form des verwirrten Journalisten vom sterbenden Nemo Nobody narrativ abgeholt und die beim Zuschauer gereifte Vermutung, was denn nun der Kern des Ganzen ist wird bestätigt (alternativ auch erklärt, wenn nichts gereift ist). Dennoch bewahrt sich der Film genug Fragen, die einer gepflegten Interpretation genügen. Und eben dies finde ich die wesentliche Stärke (neudeutsch: Kernkompetenz) von Mr. Nobody. Es stellt sich eine hübsche Balance ein zwischen dem Wunsch nach einer logischen Erklärung und dem einen oder anderem Punkte, den jeder für sich durchaus anders sehen darf, bzw. über den man nach dem Film ausgiebig streiten kann.

Das Fazit (für Lesefaule):

Toller Film, mit der einen oder anderen Abzweigung zu viel. Dennoch ein Streifen, der noch einige Tage später nachwirkt und sich einen fragen lässt: „Warum habe ich eigentlich noch einmal genau The Butterfly Effect gut gefunden?“

Wertung:

Drei von drei verschiedenfarbig eingekleidete Damen! – Zu deutsch: Eine saubere 8,5.

8.5

Trailer:

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